Druckschrift 
Die Befestigungswerke der freien Reichsstadt Aachen
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27

auf der gegebenen Bahn gewiesen und von keinen äussernUmständen abhängig waren, während die Anlage derBauten für die Befestigungen vielen Zufälligkeiten unter-worfen blieben. Vor allem war die Bildung des Terrains,sowohl der Festung selbst als der nähern äussernUmgebung von grösster Wichtigkeit für die zu bewerk-stelligende Anlage. Jedes Thor, jeder Tlmrm und jedeMauer musste sowohl dem innern als dem äussern Terrainangepasst werden; die Vernachlässigung der Rücksichtenhierauf wurde nicht selten der Festung verderblich. Wennauch im Allgemeinen gewisse Regeln für den Befestigungsbaubestanden, so waren die durch das Terrain geboteneAbweichungen von denselben so manichfach, dass dieseRegeln nur in einzelnen wenigen Fällen in Anwendungkommen konnten. Die Details der Anordnungen unterlagenhauptsächlich den durch das Terrain gebotenen Modi-licationen und deren Folgerungen. Jeder in der Wallmauerstehende noch so unbedeutend scheinende Tlmrm odersonstiges Bauwerk war für die spezielle Anlage errichtet,die Thore mussten unter ganz besonderer Aufmerksamkeitin Bezug auf das Ganze angelegt werden. Jedes solcheBauwerk ist in seiner Art ebensowohl ein Kunstwerkwie die Kirchen jener Zeit, nur hat man erstere nichtso beachtet als letztere, wohl weil manches dieser nichtin so schöner Form hergestellt war als die kirchlichenGebäude, hauptsächlich aber wohl darum, weil derSinn der Anlage lange Zeit unerkannt geblieben ist,weil mau nur die äussern, weniger schönen Formen derBefestigungsbauten vor sich hatte. In Frankreich istdurch die Werke von Violet-le-Duc für die Aufklärungüber mittelalterliche Befestigungsbauten vieles geboten,wogegen in Deutschland bis jetzt hierfür nur weniggeschehen ist, obgleich in unserm Vaterlande an solchenBauten doch wahrlich kein Mangel ist. — Doch kehrenwir zur Aachener Befestigung zurück.