Druckschrift 
[Hauptbd.] (1910)
Entstehung
Seite
392
Einzelbild herunterladen
 

392 A. Schulte, Adel und deutsche Kirche im Mittelalter.

Gundelfingen (12841302). Zunächst wurde ein Administrator aus derdienstmännischen Familie der Klingenberg, die damals auch in derReichenau herrschen konnte, eingesetzt, dann greift die Kurie ein.

Das älteste Verzeichnis des Konventes stammt von 1269'), damalsumfasste der Konvent 12 Mönche, davon waren zwei Subdiakonen edel-frei (Gundelfingen und Hinnang), vier kemptische Dienstmannensöhne(Rottenstein, Heimerdingen, Buman, diese Priester, und Hirschdorf, Sub-diakon), zwei St. gallische (Prassperg, Priester, und Schrundholz, Diakon).Ein Diakon von Hasenweiler gehörte in den Kreis eines ursprünglichweifischen Dienstmannengeschlechtes, der Subdiakon von Pforzen ebensoeines markgräflich ronsbergischen, der Diakon Tihteler endlich einesaus dem Linzgau.Ludewicus de Geroldsriutin" (Gerazreute, OA. Wangen)kann ich nicht bestimmen, Baumann stellt sie zum niederen Adel. Nach19 Jahren 2 ) waren drei neue Mönche hinzugekommen, fünf ausge-schieden, der Konvent zählte ohne den Abt nur noch zehn Mönche, wieer später auch noch immer kleiner wurde. Unter den dreien war einEdelfreier (Nidegg), ein Dienstmann (Illerberg) und ein nicht zu Be-stimmender (Mertisried = Märzisried, BG. Kaufbeuren).

Von da an verschwinden die Edelfreien so viel ich sehe völlig.

Sind auch hier Spuren älterer Verhältnisse vorhanden? Ich erinnerean die grosse Dienstmannenschar mit den vier Hofämtern an der Spitze,und wohl ist es auch zu beachten, wenn das Isnyer Traditionsbuch dieKemptener Mönche alsdomini et fratres nostri Campidonenses" be-zeichnet 3 ) und Ekkehard Kempten durchaus seinem eigenen Kloster andie Seite stellt.

Wir dürfen aber auch nicht unbeachtet lassen, dass, nachdemdas Kloster in den Händen von Laienäbten gewesen war Ernst,der Stiefsohn Kaiser Konrads, und der Herzog Rudolf von Sachsenhatten es Heinrich V. ihm fremde Aebte gesetzt hat, erst den MönchManegold aus Hirsau, dann Hartmann aus St. Blasien. Die ruhigeWeiterentwicklung der alten Eigenart des Klosters war also unter-brochen worden, und sollten diese beiden nicht ernsthaft versucht haben,die Sonderart ihrer Klöster soweit einzuführen, als es ging?

An Kempten schliesst sich naturgemäss das zweite alte allgäuischeKloster Ottenbeuren! Das ist aber schon im Haupttexte (S. 133138)erledigt.

') Gedruckt Wirt. ÜB. 7, S. 43.

2 ) von Weech, God. Salem. 2, S. 347.

Damals zählte der Kon-vent nur zwei Edelfreie.

3 ) Wirtemb. Vierteljahrshefte Jahrgang 13, 37, S. 28.

1

-V .V