248 A. Schulte, Adel und deutsche Kirche im Mittelalter.
Stiftungen dem Hochadel, eine grosse Zahl aher dem niederenAdel vorbehielt. Der junge Kanonikus Hebelin von Heimbachschrieb 1500 von St. Alban in Mainz die Worte nieder: „Sieschliessen dort solche Männer aus, die in das Kollegium derKardinäle aufgenommen werden könnten. Ja, um scherzhaftzu reden, wenn heute der Herr und Erlöser auf Erden wan-delte, so würde er doch von der Gemeinschaft von St. Albanzurückgewiesen werden, da er ja von beiden Seiten nicht ritter-licher Abkunft, der Ehre und dem Ansehen des Stiftes gefähr-lich wäre. Und wenn einer tüchtig, brav, gelehrt ist, dass erder Kirche und der christlichen Religion nützlich sein könnte,auch er würde die Zier der Kirche rauben, falls er mit denSöhnen der Ritter an ihren Früchten Anteil hätte. . . . Weitgrösser ist die Ehre, wenn man die Edleren aufnimmt, dieSöhne der Barone und Grafen" 1 ). Als Erasmus von Rotter-dam, in Strassburg in den Räumen des Domstifts umherwan-delnd, von den dortigen Anforderungen hörte, prägte er dasWort Hebelins noch schärfer aus: „In dieses Kolleg hätteChristus ohne Dispens nicht aufgenommen werden können" 2 ).Trotz der Warnung bestanden ein paar edelfreie und einegrosse Zahl von adligen Anstalten im katholischen wie imlutherischen Deutschland fort; dieses kennt ja noch heute einpaar adlige Frauenstifter.
Schon früh hatte die Gegenbewegung eingesetzt. Diegrossen Idealisten, an denen das Mittelalter so reich war, tragenfür eine Zeit die Besten und Frömmsten über diesen Unter-schied der Geburt zu der reinen Höhe des Menschentums und
') Vgl. den lateinischen Text bei Herr mann, Mi scellanea Mogun-tina in den Beiträgen z. hess. Kirchengeschichte 3, S. 201. Der Gedankeist wahrscheinlich schon weit früher ausgesprochen worden.
2 ) So die Zimmerische Chronik 3, S. 207. Im Neukarsthaus sagtFranz: „Thörichte sagen: die Thumstift seyen Spital des Adels, undwollen nit erkennen, dass sie mehr Saubhäuser des Adels sind. Spitalder verräterischen Curtisanen und Romanisten." Da sind die Dinge dochverzerrt.