Die Frage des Alters.
Mittelalters ausging, überstrahlte die Schatten der späterenZeiten, bis ein Friedrich von Wartenberg an die älteren Zeitenwieder anknüpfte. Er ist wieder der erste unter den Aebten,welcher Geld zum Ankauf einer Bibliothek hat.
Gewiss, diese Gruppe der freiherrlichen Klöster im Spät-mittelalter ist kein Ruhmestitel der Kirchengescbichte. Mankönnte also mit dem Satze schliessen: Der Adel mag noch soviele korporative Kraft auf anderem Gebiet bewährt haben, eserwies sich als undurchführbar, ihn zur Grundlage von klöster-lichen Vereinigungen zu machen; sie erstarben und verdarben.Man mag sagen: Es ist mit dem Geiste des Christentums un-vereinbar, dass innerhalb des Klerus ein Unterschied gemachtwird zwischen den Geburtsständen; man mag ausführen, dass.das Christentum alle Menschen gleichstellt, weil sie alle vorGott gleich sind, dass also solche freiherrlichen Klöster demGeiste des Christentums widersprachen. Man wird folgern rdass, wie Christus seine Apostel aus dem Volke wählte, so dieKirche allen, welcher Geburt sie seien, sich erschliessen müsse.
Diese Gedankengänge enthalten gewiss etwas Wahres;aber diese Sätze sind doch vielleicht in einem starken Wider-streit mit den Tatsachen; vielleicht kreuzen sie sich mit ganzanderen Anschauungen, welche die freie Geburt geradezu zurVoraussetzung des Priesterstandes machen, wie es formell daskanonische Recht ja noch heute tut.
Eine Voraussetzung jener Gedanken ist es doch, dass dieBeschränkung auf den freiherrlichen Adel erst später erfolgtist und nichts Ursprüngliches war, dass in den glänzendenTagen der Reichenau und St. Gallens und der anderen freiherr-lichen Klöster kein Unterschied gemacht wurde, sondern Freieund Unfreie, Königskinder und Leibeigene sich zusammenfanden.Man nahm bisher an, dass erst später aus dem allgemein zu-gänglichen demokratischen Kloster ein aristokratisches Institutwurde, dass aus der Stätte, wo die Frömmsten sich dem DiensteGottes weihten, eine Versorgungsanstalt für Personen wurde,die durch die Geburt glänzten, nicht durch Frömmigkeit und