Druckschrift 
Frankreich und das linke Rheinufer
Seite
329
Einzelbild herunterladen
 

Wie früher die Botschafter, bevor sie abreisten, vom Königeihre Instruktion erhielten, so müssen jetzt die Botschafter Frank-reichs die ihrige von der Demokratie empfangen. Die Stunde istgekommen, einmal mit der Politik der Geheimtreppen, den ge-heimen Zusammenkünften und den Geheimverträgen ein Ende zumachen," sagt der ernsthafte Professor der Geschichte in ParisErnest Denis.^ Das ist unzweifelhaft logisch gedacht, aber dieStunde ist eben nicht gekommen. Gerade die demokratischen Re-gierungen von Frankreich, Italien usw. usw. üben einen Terroris-mus aus, der das Volk gar nicht zum Erkennen der Wahrheit undzu einer freien Meinungsäußerung kommen läßt. Die französischeNegierung geht allen voran in der Verheimlichung der Geheim-verträge, der Ministerpräsident Nibot hat am 5. Juni 1917 dieVeröffentlichung der Geheimverträge mit Nußland zugesagt,weder er noch der radikale Demokrat Clemenceau folgen durch dieTat der Logik von Tenis.

Aber so viel ist zweifellos an jenen Sätzen richtig, daß dieWillensäußerung der Völker heute auf die Politik einen sehr vielstärkeren Einfluß hat als früher. Den sogenannten Volkswillen aberzu erkennen, sind wir in weitem Umfange auf die Worte der Schrift-steller angewiesen. Es ist darum geboten, erst die Forderungenkennen zu lernen, die in französischen Schriften aufgestellt sind, ehewir prüfen, was die französischen Negierungen uns in Deutschlandzugedacht haben. Die Kriegsziele anderer Länder und die fran-zösischen gegenüber nichtdeutschen Staaten lasse ich beiseite. Ichwill mit den mäßigsten Kriegszielen beginnen.

Es gibt unzweifelhaft in Frankreich Menschen genug, die vordem Kriege für die Aufrechterhaltung des Frankfurter Friedenseintraten, aber sie kommen jetzt nicht zu Worte. So muß ich dennmit dmen beginnen, die sich mit dem Nückgewinne Elsaß-Lothringenszufriedengeben wollen. Sich darauf einzuschränken, rät der mitder deutschen Geschichte vertraute Ernest D enis, der einem ewigenWeltfrieden zustrebt und daher nicht daran denkt, das deutscheVolk gänzlich zu entwurzeln. Erbegnügt" sich mit der Abgliede-rung Elsaß-Lothringens, der polnischen Provinzen und Nord-schleswigs wie des größten Teiles unserer Kolonien. Er fürchtet,selbst in Elsaß-Lothringen Widerstände zu finden, er mahnt seine

i 1^2 lluerre, dauzez imineäi^tez et Inintainez. I^intoxication cl'unpeuple. I.e tlaite. I^liZ, llela^r^ve. 14">° 6c1ition, S. 300.

Z29

MW