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Frankreich und das linke Rheinufer
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keinen klug nachgebenden Fürsien, er soll, er muß der Eitelkeitschmeicheln, den Volksinstinkten dienen, die auf Eroberung undAusdehnung auf Kosten der Nachbarn gehen; Verträge bindenes nicht, auch wenn sie so großmütig sind, wie es die beiden PariserFrieden waren. Sieben Jahre später stürzte der KönigsthronFrankreichs wohl für immer zusammen.^

Auch Napoleon III. war von der Gunst des französischeilVolkes abhängig, er konnte seinen Thron nur durch Erfolge be-haupten, welche ihm die Ähnlichkeit mit seinem großen Oheime zusichern schienen. Er war eine Zeitlang der Schiedsrichter Europas,er gewann Savoyen und Nizza, dann begann er seine überseeischenAbenteuer, das in Mexiko legte ihn zu der entscheidenden Stundefest. Sein Vlick war auch nach Belgien und dem linken Nheinufergerichtet. Schon 1857 sagte er zu dem Prinzgemahl von England,zur Vefestigung seiner Herrschaft sei ihm das linke Nheinufernötig. In Italien beförderte er die Nationalitätsidee, in Deutsch-land aber wollte er sie sich nicht auswirken lassen.

Ehe Vismarck an die entscheidenden Schritte heranging, diedeutsche Frage, und sei es mit Waffengewalt, gegen Osterreich zulösen, trat er in Viarritz (Oktober 1865) vor den Kaiser, um diesesOrakel zu erproben. Cavour hatte von einer ähnlichen Zusammen-kunft ein Vündnis heimgebracht, Vismarck brachte nur Erkennt-nisse heim, aber diese bewährten sich: der Kaiser wird neutralbleiben, um im Augenblick der höchsten Spannung zu entscheidenund sich dann seinen Vorteil zu sichern; des Kaisers träumerischer,unentschlossener Sinn ließ ihn die Frucht von einer späteren Stundeerhoffen. Er meldete mit Verufung auf die öffentliche Meinungauch Entschädigungen an: er verlangte die Pfalz und Saarbrücken,aber auch da vertagte er die Entscheidung.

Der Schlag von KöniggräH wirkte wie ein Blitzstrahl. ZumKriege nicht vorbereitet, suchte Napoleon durch VerhandlungenEntschädigungen zu erhalten, aber auch da erwies sich ihm Vismarckweit überlegen. Der Kaiser lief der verpaßten Gelegenheit nach,die Forderungen stellte er, ohne mit den Waffen drohen zu wollen,und sein Unterhändler war so unvorsichtig, die Forderung vonMainz und von Velgien schriftlich in den Künden des klugenGegners zu lassen, der also den Süddeutschen beweisen konnte,

' Vgl. Kasenclever, Die orientalische Frage in den Jahren 1838bis 1841 (1914). Stern a. a. O. Bd. 5 (1911).

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