der Auszahlung des Heiratsgutes auf alle Anrechte verzichtet.Für Madame,^und seinen Vruder erhob der König Ansprüche,zwar nicht auf die Kurlande, aber auf den Allodialbesitz und dieWeiberlehenl Als solche beanspruchte er die Grafschaften Simmernund Sponheim sowie die Herrschaft Kaiserslautern und Oppenheim.Hätte Orleans das. und damit Sitz und Stimme auf dem Neichs-tage gewonnen und wäre es gelungen, dem französischen KandidatenWilhelm von Fürstenberg-Keiligelwerg den Kurhut von Köln zuverschaffen, so hätte Frankreich das linke Rheinufer beherrscht.Irgendwelche soliden rechtlichen Ansprüche auf die Erbschaft gabes nicht.
Der König wollte nicht einen Krieg, er wollte scheinbar denGroßmütigen spielen, er dachte durch den Druck, der in der An-gewißheit lag, die dauernde Abtretung der Neunionen und desPfälzer Anteils zu erreichen. Er suchte erst ein päpstliches Schieds-gericht zu erreichen, dann die päpstliche Vermittlung, das führte,wie begreiflich, zu keinem Ziele. Jetzt hielt er die Stunde für ge-kommen, wo er handeln müsse. Die Kaiserlichen standen vor Belgrad.
Den plötzlichen Äberfall der schutzlos daliegenden deutschenGaue begleitete ein Kriegsmanifest, das bis zum 1. Januar 1689einen definitiven Frieden unter Anerkennung der Neunionen unddes Fürstenbergers forderte; dann wolle Ludwig sich für die pfälzischeErbschaft mit einer Geldentschädigung begnügen, auch Freiburgzurückgeben. Philippsburg müsse geschleift werden. Wäre das alleszur Tat geworden, so hätte sich Frankreich im Besitze von dreiBrückenköpfen am Oberrhein behauptet, am Niederrhein hätteKurköln bis nach Nees hin ihm zur Verfügung gestanden. Dochdie Gegner lehnten das ab, und es kam zu dem großen Koalitions-kriege, bei dem das in den Besitz des. Oraniers gelangte England, dieNiederlande, Spanien, Schweden, das Teutsche Neich, der Kaiserund der Herzog von Savoyen sich zusammenschlössen. Der Könighatte seinen Zweck, die deutschen Neichsstände zu entmutigen, nicht'erreicht, im Gegenteil, Teutschland war seit Jahrhunderten nicht soeinig gewesen. Es regte sich das nationale Gewissen. In den Jahren1685/88 endet die Periode der deutschen Geschichte, währendwelcher die Konfession unter den Beweggründen der Politik fastden vornehmsten abgegeben hattet Die drohende Herrschaft Frank-
' Fehling, Nie europäische Politik des Großen Kurfürsten 1677 bis1688, S. 19.
Gchulte, Fianlieich und das linle siheinufei 13 193
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