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Frankreich und das linke Rheinufer
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In einer Machtfrage zwischen dem französischen Könige und demzerrissenen Deutschen Neiche konnte die Straßburger Bürgerschaftnur dann etwas sein, wenn sich ein genialer Offizier im Diensteder Stadt befunden und die waffenfremden Bürger geführt hätte.Aber die Wachtstuben an den Toren einer Neichsstadt sind keinePflanzschule für militärische Genies. Mit der Kapitulation retteteman wenigstens etwas: die alte Verfassung mit ihren Vorzügenund ihren Zöpfen, und man erhoffte etwas: „den stör der commer-ci'en, welche gaentzlichen erliegen, zu bekommen." ^ Man verlor diehöchsten Zeichen der „Libertät": das Arsenal mit seinem berühmtenGeschütz, die oberste Justiz und die Konfessionshoheit, den Angel-punkt des politischen Lebens der Stadt. Louvois, der draußen zuIllkirch sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte, verlangte die Nück-gäbe des Münsters an die Katholiken. Der Vischof, offensichtlichdurch-Frankreich gedeckt, war schon vorher mit der gleichen Förde»rung an die Stadt herangetreten, doch man hatte ihn abgewiesen,der Ammeister Dominikus Dietrich hatte sich dagegen gestellt:„weilen solches wider Gottes Ehre und Sein heilig Wort streitenwürde." Der konfessionelle Zwiespalt Deutschlands hatte mit dazubeigetragen, Straßburg zu isolieren. Am 30. September wurde zuIllkirch die Kapitulation unterzeichnet, sofort rückten Truppen indie Festung ein. Das Deutsche Neich hatte eine seiner wichtigstenStädte und Festungen eingebüßt, nun war die Oberrheinlinie unddas Elsaß wirklich verloren, Frankreich glaubte den naturgemäßenAbschluß des eigenen Gebietes gegen die Offensive des Auslandeswenigstens am Nheine erreicht zu haben.

Am 20. Oktober traf der Fürstbischof in Straßburg einund nahm vom Münster Besitz. Drei Tage später kam der Königin vollem Gepränge, alle Glocken wurden geläutet, das Geschützfeuerte Salut und der Vischof hielt ihm im Münster eine Nede:er pries Chlodwig und Dagobert, von deren Verdiensten um dieStraßburger Kirche im besonderen die Geschichte nichts weiß, undfeierte den neuen Herrn. Die Worte: „Herr, nun lässest du deinen.Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heilandgesehen," hat er nicht gesagt.^ Sofort begann Vauban mit der An-legung der Zitadelle. ,

^ Memorial Neißeisen (Straßburgische Chronik von 1667—1710), 1877,S. 103.

2 von Vorries a. a. O.

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