Druckschrift 
Frankreich und das linke Rheinufer
Seite
63
Einzelbild herunterladen
 

VI.

Deutschland und Frankreich im Hochmittelatter.

Das Deutsche Neich nach Westen defensiv. Nur zwei Kriege. 1124.Nie Schlacht von Vouvines (1214). Ein drohender Krieg (1047). DieMeinung in Frankreich über Lothringen. Karlslegende. Prophetie.Deutscht Gegenwirkung. Die Heiligsprechung Karls des Großen.Staufische Kaiseridee. Antiquarische Gedanken. Gallia. Aachenals Krönungsort. Französische Geschenke. Teilung Lothringens.Das Elsaß an Schwaben angegliedert.

f?>as Deutsche Neich hatte sich aus dem großen christlichen Kaiser»^-^ reiche Karls des Großen losgelöst, und Otto I. hatte dieKaiserwürde in einem viel beschränkteren Sinne wiederhergestellt,den sein Enkel freilich maßlos und phantastisch, übrigens nicht ohneEinfluß des Franzosen Gerbert, übertrieb. Das Neich der Ottonenund Salier trug nach Westen hin, nachdem die Protektoratsansprücheauf Frankreich, die einzelne Ottonen erstrebt und zeitweise aus»geübt hatten, aufgegeben worden waren, einen durchaus defensivenCharakter. Es war ein Neich, das nach dieser Seite hin nur beharrenwollte, und es war durch seine Ausdehnung und seine Macht so stark,daß schon der Name des Neiches genügte, um alle kriegerischenAbsichten, die etwa die französischen Könige hätten hegen können,niederzuhalten. So folgten denn mehrere Jahrhunderte tiefenFriedens zwischen den beiden Neichen, Friedenszeiten, die die Kreuz»züge, an sich äußerst gewagte Vorstöße in ferne Lande, ermöglichten.Die Geschichte kennt da nur zwei Kriege zwischen dem Deut»fchen Neiche und Frankreich. Der eine war der Kampf Heinrichs V.Zwei Gründe veranlaßten den Kaiser 1124 zum Angriff. Einmaldie Rücksicht auf seinen Schwiegervater König Heinrich I. von Eng»land, der mit König Ludwig VI. im Kampfe lag, dann, wie ineiner französischen Quelle bezeugt ist, die Erinnerung daran, daßPapst Calixt II. von französischem Voden aus wider ihn die Ex»kommunikation erneut hatte. Die Absicht des Kaisers we.ckte inFrankreich eine lebhafte Bewegung und Begeisterung bei denGroßen und im Volke. Nach den Worten Sugers sagten bei derBeratung der Großen die einen:Gehen wir kühn auf sie los,

63

s