Druckschrift 
Frankreich und das linke Rheinufer
Seite
52
Einzelbild herunterladen
 

lehnung von Freiern nichts, aber auch gar nichts.^ Die Erzählungvon der Abweisung der Werbung des Alamannenherzogs, dieübrigens der Vater danach sehr gern sah, findet sich zuerst in einermetrischen Vita, die Chr. Psister in die Zeit des 15. Jahrhundertssetzt! Das ist etwas spät, um glaubwürdig zu sein, mehr alssechs Jahrhunderte liegen dazwischen! Und auch diese Quelle redetnicht von Germanenhafi, sie will, wie es die Legende so oft auchvon anderen frommen Jungfrauen erzählt, nur einen Bräutigam,den König der Könige Jesus Christus.^ Alle Feindschaft gegen dieBarbaren hat Coubö erfunden und die Legende nationalistisch um-gebogen.

Ich frage, ist es die Aufgabe eines katholischen Priesters, sodie fromme Legende zu mißbrauchen? Hat er nicht eine anderePflicht vor Gott übernommen?

Wer all die neueren französischen Bücher über Neisen imElsaß liest, sieht, wie man aus dem Odilienberge einen nationalenWallfahrtsort machen möchte. DieHeidenmauer", die großekeltische Fliehburg, die Wohnstätte der elsässischen Herzoge, diehl. Odilia und ihr Kloster sollen die Ingredienzen bilden für dasZentrum des Lebens des Elsasses, in dem in Wahrheit der Odilien°berg sehr wenig bedeutet. Ehrliche Mystiker und Skeptiker findensich zusammen, und besonders ergötzlich ist es zu lesen, wie diese diehl. Odilia behandeln. Vielleicht wendet sich auch ihr die Feder vonAnatole France einmal zu.

^ Ncmum, <^errnani2,e, Lcript, ier, Ivlerovin^, ecl, ^V. I^evizon, 6,2459.2 Le Ducke inerovin^ien cl^Iz^ce et IZ, I^^enäe 6e «ainte Oclile.?arizKlanc^ 1892. S. 115 und 186 f.

^

>^«^

52