Der Peisonaltredit des lnndl, Kleingrundbesitzes im Oioßheizogtum Hessen. 413
von Produktiv- und Verkaussgenossenschaften beseitigt. Dadurch hörtdie ständige Verbindung der einzelnen Bauern mit den Händlern auf,nutwendig zu sein, und es werden für viele die unklaren Kreditbeziehungenunmöglich gemacht. Daß an deren Stelle ein direkter Geldwucher tritt,ist bei der jetzigen Ausdehnung der Darlehnskassen kaum noch zu be-fürchten. Die Molkereien und Obstverwertungsgenosfenschaften in Hessenwirken schon ganz wohlthätig; ihre Ausdehnung ist in nächster Zeit miteiniger Sicherheit zu erwarten. Ebenso dürfen Wohl die genossenschaftlicheZucker- und die Sauerkrautfabrik als Vorläufer für mehrere Organi-fationen in diefer Branche angesehen werden. Der genossenschaftlicheFleischverkauf gilt in Hessen vorläufig als gescheitert. Eine von Land-wirten in Mainz eingerichtete Schlächterei hat sich nicht behaupten tonnen.Dagegen geht man dem genossenschaftlichen Kornverkauf mit großen Hoff-nungen entgegen. Zu Worms in Hessen ist die erste deutsche Getreidc-verkaufsgenossenschllft 1895 errichtet worden. Diese hat bereits eine Ernteihrer Mitglieder durchaus vorteilhaft verkauft und geht der diesjährigenErnte mit guten Hoffnungen und anscheinend mit einer Erweiterungihres bisher noch ziemlich beschränkten Mitgliederkreifes entgegen. DieLombardierung des bei ihr gelagerten Getreides durch die Genossenfchaftist zwar vorgesehen, doch tritt deren Bedeutung anscheinend neben derdes vorteilhafteren Verkaufs zurück. Die Meinung geht mehr dahin,daß die Lombardierung des Getreides für den größeren Besitzer, dessentemporären großen Geldbedarf nach der Ernte die Darlehnskasse nicht vollzu decken vermag, vorteilhaft fein mag, daß aber der kleine Besitzer lieberdarauf verzichten und seinen Kredit bei der Darlehnskasse ausnutzen soll.Die Ausbreitung der Verkaufsgenossenschaften wird auch in Oberheffenden Bezugsvereincn freiere Bahn schaffen und die letzten Reste der wirt-schaftlichen Übermacht des Handels zufammenwerfen.
Die Heranziehung der großen Masse der Landwirte zu den Vor-teilen aller dieser Genossenschaften und zu den besseren wirtschaftlichenGewohnheiten wird eine Sache der allmählichen Erziehung sein. Dielandwirtschaftlichen Vereine haben hier ein weites Feld; sie so aus-zugestalten, daß sie mehr als bisher alle Bauern heranziehen, und daßdiese in ihnen alle zu selbständiger Arbeit veranlaßt werden, ist eine Auf-gabe, die das Vereinswefen in Hessen erst noch zu lösen hat. Bisherhastet den hessischen landwirtschaftlichen Vereinen noch etwas die alteSchablone an, die an die Spitze den Verwaltungsbeamten stellt, nichtimmer nur weil er Agrarpolitiker oder Landwirt, sondern auch mitunter,weil er der Leiter der Verwaltung ist; und die fast obligatorische Be»