Der Peisonaltredit des lnndl. Kleingiundbesitzes im Oioßheizogtum Hessen. 409
Orundkredit anzulegen. Beides müßte dahin führen, daß große Summendes für den Personalkredit bereitgestellten und geeigneten Geldes ihremeigentlichen Zweck entzogen würden. Die Perfonalkreditverhältniffe würdendadurch anstatt verbessert, nur verworrener und schlechter.
Auch werden über den Zinsfuß kaum Klagen laut, ebcnfowenig überdie Fristcnbemessung, die allen berechtigten Anfprüchen nachkommt unddurch die Verbindung mit der vorzüglich funktionierenden Genossenschafts-bank nachkommen kann.
Was nun die Frage betrifft, inwieweit neben diesen Einrichtungender unorganisierte Individualkredit und der Wucher noch weiter bestehen,so sind die Vorstände der Kreditkaffen geneigt, dahingehende Fragenziemlich weitgehend zu verneinen. Sie Pflegen aus allen Landesteilenanzugeben, daß in ihrer Gegend der Wucher befeitigt oder doch ganzvereinzelt geworden sei. Das ist nur teilweise richtig. Es ist richtig,daß viele Tausende von Landwirten in ihren Genosfenfchaften eine her-vorragende wirtschaftliche Schule durchgemacht haben, und daß siejetzt verstehen, in allen ihren geschäftlichen Operationen wirtschaftlichzweckmäßig zu Verfahren. Es ist richtig, daß in den weitesten Kreisen desLandes die aus der naturalwirtschaftlichen Zeit stammende Scheu, vorden Augen und mit Kenntnis der Berufsgenossen Darlehne aufzunehmen,beseitigt ist. Es ist ferner richtig, daß tüchtige Männer an der Spitzeder Darlehnskassen die ganze Gemeinde heranzuziehen und jeden un-geordneten Kredit abzuwehren verstehen. Die Schar von Landwirten,welche eine geordnete Wirtschaft zu führen überhaupt nicht die Mitteloder die Kraft haben, und die dem Wucher zu entreißen unmöglich ist, istsehr zufllmmengefchrumpft. Wer früher unverfchuldet mit seiner Wirtschaftin Unordnung gekommen ist, der hat sich mit Hilfe der Darlehnskasfenfchon wieder emporgearbeitet oder er ist bereits zu Grunde gegangen.In letzter Zeit ist das Neueintreten solcher Fülle seltener geworden. Ver-schuldeter Verfall der Wirtschaft, durch Unordnung, Trägheit, kommt beiden hessischen Kleinbauern nicht eben häufig vor. Die Wirkung derfreien Erbteilung, die fast überall besteht, macht die Lage der kleinenBesitzer zwar dauernd dürftig, wirkt aber bei diesen, wo die Arbeitskraftim Vergleich zu dem kleinen Besitz das wertvollere Kapital darstellt,nicht so verderblich wie in Gebieten mit größcrem Besitz.
So ist im ganzen für die große Mehrzahl der Bevölkerung diereine einfachste Form des Geldwuchers zurückgedrängt. Der Individual-kredit von feiten der Nachbarn und Verwandten besteht natürlich in deneinfachen ländlichen Verhältnissen noch ziemlich weitgehend fort, aber er