Der Peisimolkiedit des ländl. Kleingiundbesitzes im Gioßherzogtum Hessen. 401
gegeben; die den kleinen Landwirten ungewohnte und gefährlich erscheinendeForm des Wechsels wird vermieden. In den letzten Jahren tritt nunaber an Stelle der Darlehne auf Schuldschein mehr und mehr der Verkehrin laufender Rechnung, so zwar, daß dem Genossen von vornherein einbestimmter, durch Bürgschaft oder Hinterlegung von Wertpapieren sicher-gestellter Kredit eingeräumt wird, und er dann im Bedarfsfälle innerhalbdieser Grenze die benötigten Beträge ohne umständliche Förmlichkeitenabhebt, während er anderseits seine überschüssigen Baarbestände sofortnach der Einnahme an die Kasse abführt, dadurch feine Schuld ver-mindert und eventuell, falls er bei der Kasse überschießende Guthabenhat, ihre sofortige Verzinsung erlangt. Bei ^/8 der Kassen wird jährlich,bei 2/3 halbjährlich abgerechnet. Durch diesen Fortschritt besonders sinddie Darlehnskassen der „Bankier auf dem Dorfe" geworden. Sie habendadurch, daß nicht jede Anleihe ein neues Geschäft darstellt, bei denwohlsituierten Leuten die Scheu gebrochen, den Personalkredit überhauptin Anspruch zu nehmen. Dadurch ist es den Landwirten ohne weiteresermöglicht, zur günstigsten Zeit ihren Bedarf zu kaufen, ohne auf denVerkauf der Ernte oder des Viehs warten zu müssen, und andcrfeits zurgünstigsten Zeit, auch wenn diese später eintritt, ihre Produkte zu verkaufen,ohne bis dahin durch eintretenden Geldmangel in Verlegenheit zu kommen-Die Kassen haben aber durch die laufende Rechnung auch die an dasGeldleihen fchun vorher gewöhnten Genoffen dahin gebracht, das Geldnicht länger als irgend nötig zu behalten und nicht früher als nötigzu nehmen, und endlich haben sie alle veranlaßt, die vorhandenen Bar-bestände, die vorher in fast jeder Bauernwirtschaft zeitweilig müßig da-lagen, in der eigenen Gemeinde wirtschaftlich anzulegen und sie zumNutzen der Eigentümer wie der Allgemeinheit cirkulieren zu lassen.Der Verkehr in laufender Rechnung ist auf Betreiben der hessischenVerbandsleitung zuerst bei den hessischen Darlehnskassen eingeführtworden und hat sich von da aus auf die Darlehnskassen in allen TeilenDeutschlands verbreitet. Die Einführung der laufenden Rechnung beiden hessischen Darlehnskassen beginnt 1883, und gegenwärtig hat inHessen die ganz überwiegende Mehrzahl der Kassen die laufende Rechnungals einzige Form des Personalkredit-Geschäfts eingeführt. Nur einigeältere Vereine haben die Schuldscheine nebenher noch beibehalten, undganz vereinzelte von ihnen halten überhaupt an der Darlehnsgewährunggegen Schuldschein fest.
Die Zinfen für Darlehne auf Schuldfchein waren 1892 bei denmeisten Vereinen 4V2 bis 5°/u, bei ganz wenigen darüber. Dazu war
Echrüten d, V, f, Eocwlpol. — Peisonalliedit, 26