Druckschrift 
1 (1896) Süddeutschland
Entstehung
Seite
382
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Z82 vr- K. Thieß,

III.

Die Sparkassen des Landes sind auf verschiedener Grundlage,teils als Kreis-, teils als Bezirks«, teils als städtische Sparkassen errichtetworden, und manche sind schließlich als Sparkassenvereine entstanden.Die Sparkassen sind die ältesten dem Personaltredit dienenden Institute,sie stammen mehrfach bereits aus der eisten Hälfte des Jahrhundertsund boten zuerst eine Gelegenheit, kleine Ersparnisse, Mündelgelder «.bequem und sicher anzulegen. Durch die angesammelten Gelder wurdensie dann auch in die Lage versetzt, Darlehne zu relativ mäßigem Zinsfußauszugeben. Doch konnten sie das vorhandene und sich mehrende Be-dürfnis nach Perfonalkredit durchaus nicht vollständig befriedigen. Dadie Anlage der Gelder überhaupt gegenüber dem eigentlichen Zweck derSparkassen, der Förderung der Spargelegenhcit zurücktrat, zogen sie esauch vielfach vor, ihre Gelder in sicheren Wertpapieren und in Hypothekenanzulegen, die ihnen eine unzweifelhaftere Sicherheit und, da diese An-lagen Kündigungen und Rückzahlungen seltener ausgesetzt waren, eine be-quemere Geschästshandhllbung boten. Die Entstehung der genossenschaft-lichen Darlehnskasscn, welche die Notwendigkeit der Personalkreditgewährungdurch die Sparkassen allmählich zurücktreten ließ, unterstützte dieseEntwicklungstendenz So sind jetzt nach verschiedenen Angaben vonSparkassen sehr erhebliche Teile ihrer Bestände in Wertpapieren angelegt,demnächst in Hypotheken. Daneben sind die auf Schuldscheine ausge-gebenen Summen gering. Ferner werden die Gemeinden bei der Darlehns-gcwährung vor Privaten häufig stark bevorzugt; in einem Falle werdendie Darlchne den ersteren zu 3^4°/o, den letzteren zu 4'/2"/« gegeben.Für die Festsetzung des Zinsfußes ist überhaupt in erster Linie nichtdie Rücksicht maßgebend, daß man möglichst billigen Kredit gewähren,sondern vielmehr die entgegengesetzte, daß man die Spareinlagen möglichsthoch verzinsen und so den Anreiz zum Sparen möglichst steigern will.Am deutlichsten tritt das hervor, wo man verschiedene Sätze für Ein-lagen giebt, und während z. B. der normale Zinsfuß 8^/2 °/o ist, denDienstboten, deren Spürsinn man vor allem Pflegen will, 4"/u gewährt.(In diesem einen Punkte kehren auch vereinzelte genossenschaftliche Spar«und Darlehnstassen in erster Linie das Interesse der ärmsten Sparer,denen höhere Zinsen gewährt werden, heraus.)

Die Sparkassen haben Wohl auch zur Verbesserung des Personal-tredits wohlthätig gewirkt. Die Verbindung mit ihnen stellt gegenüberder vor ihnen üblichen rein privaten Darlehnsgewährung einen entschiedenen