Resultate der landwirtschaftlichen Enquete. 259
Der Schuldenstand datiert teilweise aus älterer Zeit, da er meistensdurch die Erwerbung von Grundstücken entstanden ist, wobei die Güter-ziele aus den laufenden Einnahmen nicht immer regelmäßig abgetragenwerden konnten und deshalb zur Zahlung Darlehen gegen Bürgschaftaufgenommen werden mußten.
Nach den übereinstimmenden Aussagen der Befragten hat derSchuldenstand in den letzten drei Jahren erheblich zugenommen; Zinsenund Güterziele konnten in vielen Fallen nicht regelmäßig bezahltwerden.
Das bestehende Erbrecht und das eheliche Güterrecht sind keineUrsachen der Schuldaufnahmen gewesen, nur die Übernahmen, welchegewöhnlich zu einem nicht übertriebenen Ansätze erfolgen, aber beidem geringen Vermögen mancher Übernehmenden diese doch zu schwerbelasten-
Bei Wiesen sind die Kaufpreise stets zu hoch gewesen. Den Rück-gang der Produktenpreise konnte man nicht voraussehen, deshalb warendie Preise der Acker bisher nicht zu hoch, sind es aber jetzt durchweg.
Mangel an Betriebskapital herrscht, trotzdem der Betrieb der Land-wirtschaft kein sür die Verhältnisse zu extensiver ist.
Zu frühe Gründung des Haushaltes kommt als Ursache der Ver-schuldung nicht besonders in Betracht, weil die Kinder srüh mit arbeitenoder, bei weniger bemittelten Besitzern, oder wenn der Betrieb nicht füralle Arbeit liefert, gegen Lohn arbeiten und dadurch Beiträge zum Haus-halt liefern.
Unwirtschaftlichkeit der Besitzer kann nicht konstatiert werden; siesind im Gegenteil wirtschaftlich, fleißig und sparsam.
Unglücklich war das Jahr 1893 mit seiner Dürre. Die durchletztere hervorgerufene Futternot zwang die Besitzer, einzelne Tiere umSchleuderpreise zu verkaufen und für die Erhaltung der übrigen teueresKraftfutter zu kaufen. Bei steigenden Viehpreisen waren dann keineTiere zum Verkauf übrig und die regelmäßige Reineinnahme aus demVieh hat sich für wenigstens 2 Jahre auf weniger als die Halste ver-mindert.
Dazu kam die Schweinepest im Jahre 1894, durch welche denBesitzern nicht nur der Ankaufspreis der gefallenen Schweinchen, sondernauch der Gewinn an den Mastschweinen entging, was unter diesen Um-ständen doppelt schwer ins Gewicht fiel.
Wenn auch alle Besitzklassen verhältnismäßig gleich stark unter der
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