Die Sparkassen. 213
weilen mit der Begründung, daß der Bezirk im allgemeinen zu wohl'habend sei, als daß Wucher dort Boden fände, andere bejahen dieFragen. Positive Thatsachen werden selten angeführt. EinigeKassen geben an, daß beim Viehhandel und bei Übernahme vonKaufschillingen Wucher getrieben würde, indem früher bis zu 10°/uZinsen genommen wurden und bei Kaufschillingen ein Nachlaß vott5°/c» und noch mehr. Daß Wucherer die Kasse benutzen, wirddurchweg verneint.
Es bestehen in der Pfalz auch noch 10 Bezirksverzinsungskassen undzwar in den Kantonen Bergzabern, Frankenthal, Germersheim, Kirchheim'bolanden, Pirmasens, Zweibrücken, Neustadt a. d. H., Kaiserslautern,Homburg, Kusel. Von diesen geben aber nur zwei, die Bezirksver^zinsungskassen in Kusel und Neustadt a. d. H. Darlehen an Private.Die Gelder der anderen Bezirksverzinsungskassen werden nur anpolitische und Kirchengemeinden gegeben oder in speciell hierfür zu-gelassenen Effekten angelegt. Die Kassen sind überaus eigenartig. Fürdie Bezirksverzinsungstassc in Neustadt a. d, H. haben die Distrikts'gemeinden Dürkheim und Neustadt den Einlegern gegenüber jede Garantieübernommen. Die Geschäfts' und Kassenführung hat der Rechner derKafsc, welcher von der Verwaltungskommission aufgestellt, von den beidenDistrikten bestätigt und von der Kgl. Regierung genehmigt ist. DieKasse selbst steht unter der Aufsicht des Kgl. Bezirksamts, die Iahres-rechnung wird jährlich von der Kgl. Regierung geprüft und abgeschlossen,nachdem sie vorher von der Verwaltungskommission und den beidenDistrikten Dürtheim und Neustadt abgehört worden ist. Die Geldanlagenbei Privaten unterliegen der Genehmigung der Verwaltungskommission.Nebenstellen bestehen nicht. Den Kaffenbezirt bilden die beiden DistrikteDürkheim und Neustadt. Geldeinlagen weiden nur aus diesen Distriktenangenommen, während Kapitalausleihungen auch außerhalb der Distriktein der Pfalz stattfinden. Der Kassenbezirk umfaßt 74 823 Seelen,darunter 36 Landgemeinden mit 45 245 Seelen und 5 Stadtgemeindenmit 29 578 Seelen. Das ganze Kapitalvermögen gehört den Einlegern,der Reservefonds beträgt 11901.34 Mark und wurde angesammelt ausden lldmassierten Cessionsnachlässen und den hieraus erwachsenen Zinsen.Für 1894 wurde für 100 Mark Einlage 4.31 Mark als Zins verteilt.Die Aktiva betrugen 2 383 249.68 Mark. Der Gesamtumsatz stellte sichauf 2 763435.22 Mark, (Einnahmen 1 410 517.88 Mark, und Ausgaben1352 917.34 Mark). Die Kllffe hatte Ende 1894: 474 Schuldner,darunter 34 Gemeinden und Stiftungen und 440 Private. Auf Land'