126 Viertes Hllpitel.
3. Missen. Zur Befriedigung des Personalkredites besteht wedereine Leihanstalt noch eine Darlehenskasse, Gewöhnlich weiden hierzudie in der Gemeinde wohnenden Kapitalisten in Anspruch genommen.Privatgeldvcrleiher mit geschäftsmäßigem Betrieb sind aber nicht vor-handen. Die Darlehensbedingungen sind in der Regel ^jährlicheKündigung bei 4°/»iger Verzinsung und erforderlichenfalls Bürgschafts-stellung.
Die Kurientfchulden mit genügender Verlässigkeit zu erheben, warnicht möglich. Wenn sie auch von den einzelnen Besitzern angegebenwurden, so verweigerten selbstverständlich gerade jene richtigen Aufschluß,bei denen es zu erfahren von besonderer Wichtigkeit gewesen wäre. Dieerhobenen Zahlen werden im nachstehenden angeführt, ohne darausweitere Schlüsse ziehen zu können, als daß nach dem Urteile der maß-gebenden Persönlichkeiten die wirklichen Kurrentschulden in der ganzenGemeinde mindestens das doppelte von der hier sich ergebenden End-summe betragen.
Größerer Besitz 27 400 Mark,Mittlerer - 36 200 -Kleinerer 6 000
Summa 69 600 Mark.
Im allgemeinen wurden Zinsen und Pachtgelder bisher regelmäßigbezahlt, doch giebt es etwelche Besitze, in denen die Zinsverpflichtungenin größerem Rückstände sind.
In dem bestehenden bäuerlichen Erbrecht und ehelichen Güterrechtkann ein wesentlicher Grund der Schuldaufnahmen nicht erkannt werden.Wohl aber weiden bei Übernahme der elterlichen Anwesen durch Kiuderin der Regel die die Eltern und anderen Geschwister treffenden Ver-mögensanteile hypothekarisch versichert oder hinausbczahlt. In letzteremFalle werden gewöhnlich Hypotheken errichtet.
Nach den Hypothckauszügen sind nur 17,5 °/n der Gesamthypothek-schulden in der Gemeinde „Familienschulden". Dieses Verhältnis istso gering und die „Darlehens"-Hypotheken (58,2 °/o) so groß, daß manmit Sicherheit schließen kann, viele Anteile an Elternvermögen sind durchAufnahme von Darlehen hinausbezahlt worden.
Die meisten Besitzungen sind seit dem Jahre 1870 in andere Hände,größtenteils aber innerhalb der Familien übergegangen. Die hohenWerte, welche die Güter in den siebziger Jahren allgemein angenommenhaben, waren Veranlassung teurer Übergaben oder teurer, weit über denErtragswert hinausgehender Käufe. Diefe hohen Werte waren teils