Ms. B3
stellenweise Randergänzungen und Federproben von weiteren Händen des 9.-11. Jh. • kleinedunkel- oder hellrote und grüne Capitalis- und Unzial-Initialen; Überschriften, Initien und Lemmatain Hell- bzw. Dunkelrot und Grün, Farbe Zeilen-, wort- oder buchstabenweise wechselnd; 240 r , 252 r6-zeilige schwarze Flechtbandinitialen F, E; 272 v auf dem linken Rand als GriffelzeichnungZiermajuskeln ENNA (10./11. Jh.; Name ?).
Heutiger Einband von 1987: weißer Schweinslederbezug über Holz; zwei Schließen • in Düsseldorfals Ms. fragm. M 002 separat verwahrt werden zwei Teile desselben Blattes eines zweispaltigen lat.Pergament-LEKTIONARS des 15. Jh. (erhalten: Teile der Lektionen Apc 18-21, zur Woche nach demdritten Sonntag nach Ostern), ehemals aufgeklebt auf den in Düsseldorf nach 1819/20 gefertigtenfrüheren Einband der Hs., dessen Aussehen u.a. demjenigen von Ms. B 80 entsprach (s. dort).Ehemaliger Einband gehörte zu einer Gruppe von Einbänden von 13 Hss. Essener Provenienz in derULB Düsseldorf, die mit Fragmenten dieses Lektionars ausgestattet sind bzw. waren, vgl. Karpp,Handschriften Essen, S. 185-189, mit Taf. 14.
Ausweislich des Schriftstils, des sog. Corbie ab-Typs (vgl. bes. Chroust 1917; Lowe 1959; Gasparri1966; Ganz 1990; Bischoff, Hss. 9. Jh., 1998; s. jeweils unten), müßte die Hs. in oder nahe Corbiegeschrieben worden sein, könnte jedoch auch an einem nicht bestimmbaren entfernteren Ort, an demdieser Stil gepflegt wurde, entstanden sein. Die enthaltene Textsammlung ist auf eine persönlicheVerwendung ausgerichtet und betont die Bedeutung biblischer bzw. heiliger Frauen, weshalb die Hs.vielleicht das Auftragswerk einer hochgestellten Frau war oder für einen Frauenkonvent bestimmtgewesen bzw. in einem solchen hergestellt worden sein könnte, vgl. Bischoff (1965, in: Kat. Karl derGroße; s.u.); Kahsnitz (1970; s.u.); Jullien (1989; s.u.) S. 105; Ganz (1990; s.u.); Stofferahn (1999;s.u.) S. 82-88; Bodarwe, Kontakte (2001; s.u.), S. 53 f. Da die Hs. Exzerpte aus dem 811 verfaßtenGenesiskommentar des Claudius Taurinensis enthält (l v -24 v ), entstammt sie frühestens dem 2.Jahrzehnt des 9. Jh., wenn nicht den 820er Jahren (so Bullough, Texts, Chant, 1991, s.u., bes. S. 248;vgl. Gorman 1997, s.u., S. 299). Sie dürfte von nicht mehr als einer oder zwei Händen geschriebenworden sein (ohne die Nachtragshände; gegen Bishop 1990, s.u., S. 526 f., der acht Hauptschreibersieht); Duktusschwankungen, die auf weitere Hände schließen lassen könnten, sind verursacht durchOberflächenunterschiede des Beschreibstoffs (Haar-, Fleischseite) bzw. durch Federwechsel im
Besitz des Essener Kanonissenstifts befand sich die Hs. frühestens seit dessen Gründung um 850,spätestens seit etwa 900, wie dorthin lokalisierbare Namenseinträge (bes. 305") und der Brief einerEssener Kanonisse (305 v ) zeigen. Von späteren Essener Händen stammen die Texte 83 v -84 r , 304 v -305 r sowie l r das Inhaltsverzeichnis (außer Z. 1-3 „Bibliothekarshand B"; vgl. Karpp, HandschriftenEssen, S. 200) und ein Besitzvermerk des 17. Jh. („Bibliothekarshand C I"; ebd. S. 199 f.): Biblioth.Canon. Essendiensium. Eine erstmals von T. J. Lacomblet in seinem 1850 vollendetenhandschriftlichen „Katalog der Handschriften der Königlichen Landesbibliothek zu Düsseldorf'geäußerte Überlegung, die Hs. sei über den hl. Liudger nach Werden und von dort nach Essengekommen, entbehrt der Grundlage. Die Hs. ist in zwei 1819 von Lacomblet erstellten EssenerBücherverzeichnissen aufgeführt, der frühere Einband (s.o.) entspricht formal denjenigen Einbänden,die für die meisten der 1819/20 aus dieser Bibliothek in die Königliche Landesbibliothek Düsseldorfgelangten Hss. angefertigt wurden, vgl. Karpp, Handschriften Essen, S. 165-170, 173, 185-189 •Düsseldorfer Rückenschild des früheren Einbandes (nach 1819/20; s.o.) bei Restaurierung in denVorderdeckel eingeklebt: Sententie de li<bro Genesis et> plura alia <...>.
Wattenbach S. 747 • W. M. Lindsay, The old Script of Corbie. Its Abbreviation Symbols, in: Revuedes Bibliotheques 22, 1912, S. 405^29, hier 413 • W. M. Lindsay, Notae Latinae. An Account ofAbbreviation in Latin Mss. of the Early Minuscule Period (c. 700-850), Cambridge 1915 (Repr.Hildesheim 1963), S. 455 • A. Chroust, Monumenta palaeographica. Denkmäler der Schreibkunstdes Mittelalters, II. Serie, 3. Band, Lief. 24, Taf. 3, München 1917: Abb. und Transkription 25 r , 205 r ,279 v (heutiger Zählung) • H. Dausend, Die ältesten Sakramentarien der Münsterkirche zu Essen,literar-historisch untersucht, I. Teil: Das älteste Sakramentar, Essen 1920 (Liturg. Texte und Studien,1), S. 28-35, Nr. 30 • A. Wilmart, Un nouveau temoin de l'ecriture ab de Corbie, in: RevueBenedictine 42, 1930, S. 269-272, hier 272 • K. Löffler, Das Erbe der Stifts- undKlosterbibliotheken in den öffentlichen Bibliotheken Deutschlands, in: Sankt Wiborada 1, 1933, S.55-92, hier 75 • L. W. Jones, The Scriptorium at Corbie: II. The Script and the Problems, in:Speculum 22, 1947, S. 375-394, hier 377 • Drögereit S. 23, Nr. 4 (Rezension: B. Bischoff, in:
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