Druckschrift 
Johann Pet. Brinckmanns Bemerkung über die neuerdings vorgeschlagene, und an einer Kreissenden verrichtete Operation der Durchschneidung der Symphyse der Schaambeinen
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

dem so viele Wege der Kunst vergeblich warenversuchet worden. Es geschahe hier dieses auchnicht bey dem nahe seyendem Tode, als zu wel-cher Zeit, oder selbst wohl nachher, schon nachden Erfahrungen eines Levrets und anderer, sehroft die Kreissenden auf einmal ohne Hülfe einigerKunst entbunden werden. Es waren hier nichtdie letzten Bewegungen der Natur, sondern eswaren noch Kräfte genug vorhanden; denn dieMutter lebte, ohngeachtet aller ausgestandenenSchmerzen und erhaltenen Verletzungen der Ge-bährmutter noch bis den zehnten Tag, nach ihrerEntbindung. Es scheinet zwar freilich in diesemFall, bey der vorhin beschriebenen gewaltigen En-ge des Beckens unmöglich gewesen zu seyn, daßdie Natur, ohne Hülfe der Kunst, das Kind vonder Mutter so fortgetrieben hätte. Die Abreis-ſung des Fußes des Kindes, die Oefnung undAusleerung desselben Kopfes haben wohl wahr-scheinlicher Weise diese Art der Entbindung wonicht ganz, doch um ein vieles möglicher gemacht,indem der Umfang des Kindes dadurch vermin-dert worden. Denn, da nach dem Tode der Per-son, das Becken untersuchet wurde, sahe man ganzdeutlich, daß die Erweiterung des Durchmessersvon den Schaam⸗ nach dem heiligen Bein, beygetrennten und so viel wie möglich wieder anein-ander gebrachten Schaambeinen, höchstens nur einpaar Linien betruge. Es bleibt alſo auch hiernoch gewisser Maßen unbegreiflich wie durch diesenſo geringen Durchmeſſer des Beckens von vornenach hinten, die Brust und Bauch des Kindeshaben durchkommen können. Die Natur scheinetauf sonderbahre Weise sich dabey zu helfen. Wieoft