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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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III. Kapitel: Traumatische Reflexneurosen, sekundäre traumatische und Drucklähmung.

Band Yl

aus seinem Leiden Kapital zu schlagen. Gestützt auf dievom Patienten selbst angegebenen anamnestischen Datenhat man hierbei allgemein versucht, die Venenausdehnungin direkte Beziehung zu dem in der Bauchhöhle vermeint-lich liegen gebliebenen Geschosse zu bringen. DenSchwierigkeiten, welche sich mit dieser Annahme für dieErklärung der doppelseitigen Aifektion ergeben, istman meist aus dem Wege gegangen.

Der Zufall hat es gefügt, dass die Entwickelungs-geschichte der Krankheit gerade dieses Invaliden aus einerAnzahl übersichtlich geführter Lazare th- Journalblätter mitziemlicher Bestimmtheit zu verfolgen ist. Dabei ergiebtsich zunächst, dass manche Angaben des Patienten, wiesie z. B. in der von Senator der Berliner MedizinischenGesellschaft am 21. März 1881 gegebenen Auseinander-setzung enthalten sind, verbessert werden müssen. Be-sonders ist dai - auf hinzuweisen, dass von einer unmittelbaran die Verwundung sich anschliessenden Lähmung desrechten Fusses in dem Journalblatte aus dem Lazarethezu Pont à Mousson nicht die Rede ist. Auch eine Lungen-entzündung hat Jüch weder in diesem noch in anderenLazarethen überstanden.

Thatsächlich ist Folgendes:

Der Verletzte hustete zwei Tage nach der erlittenen Schuss-wunde Blut aus, hatte ein geringes Fieber und ein sparsamesExsudat in der rechten Pleurahöhle, war im Uebrigen bei leid-lichem Appetit und befriedigendem Allgemeinbefinden, gingzeitweilig umher.

Am 8. September 1870 war er fieberfrei, die Flüssigkeits-ansammlung im rechten Thorax ziemlich bedeutend.

Vom 12. September ist erwähnt, dass die Kugel undeutlichin der Nähe der rechten Inguinalgegend zu fühlen ist.

In gutem Allgemeinbefinden wird am 15. September dieUeberführung des Verwundeten in die Heimath ins Werk gesetzt.

Am 18. September kam J. in dem Lazarethe zu Görlitzan. Der Eisenbahntransport hatte ihn stark mitgenommen.Er hustete viel und expektorirte Blut, war appetitlos. Standdes Exsudats bis zur dritten Rippe.

Unter einem einfachen Okklusionsverbande und internemGebrauche von Plumb, acet. besserte sich der Zustand schnell,und der Patient befand sich bei regem Appetit und regel-mässiger Verdauung ziemlich wohl bis zum 2. Oktober.

An diesem Tage war die Morgentemperatur 40.2° C.Patient hatte in der Nacht vorher zehn wässerige Ausleerungengehabt und klagte über heftige Schmerzen im rechten Arme.

Es bildete sich unter Fortbestehen der Durchfälle amrechten Oberarm ein Erysipelas aus, an dessen drittem Tagedie Steigerung der Eigenwärme Abends 41.5° C. betrug.

Nachdem der Rothlauf abgeblasst war, fand am 15. Oktobereine Sondirung des Schusskanals statt. Man stiess auf einenharten Gegenstand, vermuthete die Kugel, erweiterte die Wunde,fand das Geschoss aber nicht.

Vier Tage darauf schwoll der rechte Oberarm unter Fieberan. Vom 23. Oktober begann eine Phlegmone des Vorderarms.Im Verlaufe derselben traten verschiedene Frostanfälle mitnachfolgender Temperaturerhöhung bis nahezu 42° C. auf. DasFieber, die Schmerzen, der konsekutive Magen-Darmkatarrh,die profusen Diarrhöen hatten das Allgemeinbefinden in hohemGrade verschlechtert. Der Puls wurde klein und frequent.Mitte November zeigte sich auf dem rechten Schulterblatte ein

bedeutender Dekubitus. Er heilte jedoch ziemlich rasch, mder Allgemeinzustand fing schon an, wieder etwas besser ¡werden, als am 4. Dezember über ziehende Schmerzen im recht.Oberschenkel geklagt wurde. Anderen Tages fand sich dganze rechte Bein schmerzhaft und geschwollen. Trotz 0.einreibung und Watteeinwickelung nahm diese Schwellung ¡und war am 7. Dezember sehr umfangreich. Die Schmer»quälten den Kranken namentlich Nachts. Es wurden nun warmFomentationen gemacht, hierdurch kam wenigstens sofort etNachlass der Schmerzen zu Stande. Am 10. Dezember saman auf dem rechten Fussrücken eine Abhebung der Haut,Blasen. Am nächsten Morgen erschienen auch das linke Beiund das Skrotum angeschwollen. Auch diese Partie wurde nwarmen Umschlägen bedeckt. Vierzehn Tage später war ,.beiderseitige Schwellung vollkommen rückgängig gewordedie Schmerzen hatten ganz nachgelassen. Patient verliess i:5. Januar 1871 das Bett.

Erst im März des Jahres, als J. nach Berlin evakiiwurde, bemerkte er das Venennetz an den Beinen und dtUnterleibe.

In der Verbreitung und Grösse der varicösen Y«erweiterung kann man, nach der kurzen Schilderung jdem Jahre 1871 zu urtheilen, zwischen damals und jetkeinen grossen Unterschied erkennen. Die ausgedehnteGefässe finden sich bei einer zuletzt im Mai 1883 togenommenen Untersuchung an der vorderen Bauch- iBrustwand und an allen Theilen beider Unterextremitättihier vorn und, obwohl in geringem Grade, auch hintAm stärksten sind sie an der Innenseite der Oberschentund an der Unterbauchgegend. An den Seitenflächen *Rumpfes nimmt ihr Kaliber ab, und auf dem Rücken fehltsie gänzlich. Ihre Konfiguration wird aus der beigegebetAbbildung (Tafel I, Figur 3) deutlich. Nirgends enthaltesie Konkretionen. Frei von Venenerweiterung ist der Penund das Skrotum; von Hämorrhoidalknoten ist Nichts :entdecken. Urin quantitativ und qualitativ ohne Verändere

Von der Verwundung restirt am oberen Rande àSchlüsselbeins in seinem Aussendrittel die von der Schiseingangsöffnung herrührende in einer Knochenlücke ffverwachsene Narbe. Das rechte Schultergelenk ist artlotisch, der rechte Arm in massigem Grade atrophiseAuf der Mitte des rechten Schulterblattes haftet eine eigezogene, mit der Skapula verwachsene, fünfmarkstückgrosNarbe in einem Knochendefekt.

Jüch klagt über Brennen und Stechen in den Unteextremitäten, wenn die erweiterten Venen am stärkstegefüllt sind, d. h. beim Stehen. Im Liegen werden dunAbschweifung der Gefässe die Beschwerden geringer. 1Folge der Blutstauung hat sich an beiden Unterschenkeüber dem Fussgelenke ein handtellergrosses nässendEkzem gebildet. »

Für seine Behauptung, dass er an periodischem Bitharnen leide, hat er den Beweis der Wahrheit zu erbring!versprochen, aber nicht erbracht. Schmerzhaft soll iHarnentleerung nicht sein.

Nach den angeführten Thatsachen ist es am waitscheinlichsten, dass die Venenausdehnung durch eine Vi

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