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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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II. Kapitel: Trophoneuroseii nach peripheren Verletzungen.

Band VII.

II. Atrophie der Haut.

Dass Reizerscheinungen bei der Entstehung der Haut-atrophien nach peripheren Nerventrauinen eine hervor-ragende Rolle spielen, scheint auch aus den neun nächsten,den militärärztlichen Berichten entnommenen Kranken-geschichten hervorzugehen. Zur Entscheidung der Frage aber,wie lange das irritative Moment wirken muss, um die Ver-dünnung der Haut zu bewirken, fehlt jeder Anhalt. Es istmöglich, dass sich unter den Reizsymptomen zunächst eineVerdickung und grössere Derbheit der äusseren Bedeckungenausbildet, die erst allmälig in den entgegengesetzten Zustandübergeht. Schiefferdecker, der, wie erwähnt, sechs Ver-wundete im Winter 1870/71 etwa vier bis sechs Monatenach dem Tage der Verletzung untersuchte, fand dieHaut dick, derb und bräunlich. Bei denjenigen Kranken,betreffs deren sich in den lnvalidenakten bezüglicheAeusserungen vorfinden, war die Haut dünn, welk,runzlich, aber in diesen Fällen lag zwischen der Ver-wundung und dem Nachweis der Gewebsveränderung einweit längerer Zeitraum. Angaben über das Wachsthumder Haare nach Diaphysenschüssen enthalten die Invaliden-akten mit einer einzigen Ausnahme gar nicht. WeirMitchell sah bei glossy skin auffallenden Haarverlust,Schiefferdecker dagegen stärkere Behaarung. Eine solchewurde auch bei Weinert (XXVII) gefunden. Die Gestalt-veränderung der Nägel und ihr abnorm schnelles Wachs-thum muss als ein schon frühes und fortbestehendes Phä-nomen angesehen werden. Haut- und Muskelatrophiengehören nicht nothwendig zusammen, sondern kommen auchisolirt vor, wofür in der Kasuistik mehrere Beispiele ent-halten sind. In dem XL Falle dürfte neben der Muskel-atrophie noch eine nicht unbedeutende Atrophie der Knochenanzunehmen sein, da die erhebliche Umfaugsdifferenz umdas Handgelenk, einen von Muskeln fast ganz freien Theil,nur so eine ausreichende Erklärung findet.

III. Schuss durch die Weichtheile des Vorderarms.Schmerzhaftes Reissen. Hautatrophie der Hand hei ge-ringer Abmagerung des Vorderarms. Zustand his 1873unverändert. 1883 gesund.

JohannSchwank, Füsilier im Mecklenburgischen Füsilier-Regiment No. 90, verwundet am 2. Dezember 1870 bei Loignydurch einen Gewehrschuss.

Schusskanal durch die Weichtheile der Volarfläche desVorderarms im oberen Dritttheil von der Radial- gegen dieUlnarseite. Knochen nicht getroffen. Vernarbung im Januar1871 beendet.

26. September 1871 : Ganz geringe Abmagerung des Vorder-arms, Sensibilitätsverminderung an demselben. Faradocontrac-

tilität der Muskeln gut erhalten. Schmerzhaftes Reissen imVorderarm und der Hand, welche letztere sich auch kühler ¡in-fühlt. Druck der Hand schwach. Röthung und Verdünnungihrer Haut.

26. Juli 1873: Zustand unverändert.

26. Juli 1883: Kräftige Ernährung, starke Muskulatur desVorderarms und der Hand. Keine Klagen, keine Fuuktions-beeinträchtigung.

IV. Schuss durch die Achselhöhle. Periodische Schmerz-

anfalle. Atrophie der Haut an Hand und Vorderarm und

geringe Ahmagerung des Armes.

Ludwig Otto, Gefreiter im 6. Brandenburgischen In-fanterie-Regiment No. 52, verwundet am 16. August 1870 beiMars la Tour; Gewehrprojektil durch die Weichtheile der Innen-fläche des linken Oberarms dicht unter der Achselhöhle.

19. November 1870: Vollkommene Lähmung der Hand undFinger, gegen welche eine vierwöchentliche elektrische Kur er-folglos blieb.

5. Oktober 1871: Die Hand paralytisch und abgemagert.Flexionskontraktur sämmtlicher Finger mit Ausuahme desDaumens.

September 1883: Patient behauptet, dass nach der Ver-wundung und bis 1872 Hand und Vorderarm der verletztenSeite gefühllos waren, da durch die Haut gesteckte Nadeln nichtempfunden wurden. Jetzt zeigt sich die Sensibilität an diesenTheilen abgestumpft. Die Finger stehen in halber Beugestellung,können zur Hand eingeschlagen aber nicht gestreckt werden.Die Haut an Vorderarm und Hand roth, dünn und glänzend.Subjektives und objektives Kältegefühl an diesen Stellen.

Umfang des Oberarms rechts 31, links 29 cm, Vorderarms 28, 26'/»

der Hand 23, 22

0. will auch im Jahre 1871 vier Wochen lang vergeblichelektrisirt sein und behauptet, periodische Schmerzanf alleim ganzen verwundeten Gliede zu haben.

V. Schusshruch des Oberschenkels. Causalgie. Atrophieder Haut am Fussrücken. Heilung der Causalgie.

Karl Gustav Scholz, Feldwebel im 2. NiederschlesischcuInfanterie-Regiment No. 47, am 6. August 1870 bei Wörth durchGewehrschuss verwundet.

29. September 1871 : Schussbruch des rechten Oberschenkelsdicht über dem Knie. Furchtbare beständige Neuralgie.Patient verweigert die Amputation.

Attest vom 18. Oktober 1873: Rechter Oberschenkel imunteren Drittel zerschmettert. Zuerst im Feldlazareth zu Dieffen-bach (bei Wörth), dann in den Lazarethen zu Oppersheiin,Mannheim, Wiesbaden, Metz und Strassburg. Am rechten Ober-schenkel oberhalb der Kniebeuge eine verschiebbare Narbe(Eingangsöffnung). Zwei andere Narben 7 cm unterhalb derSchenkelbeuge. Diese sind in der Richtung der grossen Gefässe