Band VTI.
I. Abschnitt: Vorkommen traumatischer Epilepsie.
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viele andere an. Sommer 1871 wurden die Krämpfe seltener.Diese Verbesserung währte aber nicht lange. Nach und nachuntergrub das Leiden die Kräfte des Mannes in dem Maasse,dass im September 1878 M. hochgradig anämisch und starkabgemagert war.
XLTII. Kontusion der Wirbelsäule und Einknickung der
5. und 6. rechten Rippe in der Mammillarlinie. Epileptische
Krampfanfälle.
Der am 15. Dezember 1869 bei der 2. Kompagnie Branden-burgischen Jäger-Bataillons No. 3 in den Dienst gestellte JägerWilhelm Heinrich Volkmann fiel am 19. September 1870 beimAlarm in seiner Hast von einer hohen Treppe und kontundirtedabei die Wirbelsäule in der Gegend der unteren Brustwirbel;ausserdem hatte eine Einknickung der 5. und 6. rechten Rippein der Mammillarlinie stattgefunden. In Folge der Läsionder Wirbelsäule entwickelte sich eine Lähmung der unterenExtremitäten; auch wurde er im weiteren Verlaufe von Krämpfenbefallen, welche sich in der ersten Zeit regelmässig in Intervallenvon 5 Tagen wiederholten und im Reservelazareth der Garde-Dragoner-Kaserne zu Berlin ärztlich beobachtet und als epileptischerkannt wurden. Solche Anfälle fanden statt: 1871 am 16.,22., 25., 29. Januar; 1., 5., 10., 15., 28. Februar. Druck aufden 6. und 7. Hals- sowie den 11. und 12. Brustwirbel riefSchmerz hervor. Ende 1871 bestehen noch eine lähmungsartigeSchwäche der Beine, Steifheit im Kreuze, chronischer Schwindel,Engbrüstigkeit und Stiche in der linken Brustseite. Danebenleidet Patient seit der Verwundung an einer derartigen Ver-dauungsschwäche, dass er nur ganz leicht verdauliche Speisengeniessen kann und selbst solche häufig wieder ausbricht.Therapeutische Versuche gegen das Intestinalleiden bliebenerfolglos.
XLVIII. Contusio medullae spinalis durch Sturz mit demPferde. Lähmung der Rückenstreckmuskeln. Epilepsie.
Gustav Liebermann, hereditär neuropathisch nicht be-lastet, in der Jugend und während der aktiven Dienstzeit von1866 —1869 von Nervenkrankheiten frei, rückte als Gefreiterdes Brandenburgischen Husaren-Kegiments No. 3 in den Krieg,hatte aber schon am 4. August 1870 vor Weissenburg das Unglück,mit dem Pferde zu stürzen. Bei dem Fall vornüber schlug dasHintertheil des Pferdes auf die Lendengegend des Mannes auf.Der Verletzte wurde bewusstlos aufgefunden und ins Feld-lazareth geschafft. Hier konstatirte man eine Fraktur der7. und 8. linken Kippe. Das Bewusstsein kehrte nach einigenTagen wieder, die Paralyse der Unterextremitäten, der Blaseund des Mastdarms, welche zuerst eine vollkommene gewesen,machte einem paretischen Zustande, der noch einige Wochenanhielt, Platz. Am 20. August 1870 kam L. in dem Lazarethin der Barnim-Strasse zu Berlin mit einer linksseitigen Lungen-entzündung an. Von der Pneumonie genas er schnell. Als ernun aufzustehen versuchte, konnte er den Oberkörper nichtgerade halten, er sank vornüber. Deswegen musste er sich,schon um zu stehen, zweier Krücken bedienen. Ausserdemsuchten ihn in diesem Lazarethe epileptische Krampfanfälleheim, die auch in dem Depotlazareth III später beobachtetwurden. Am 2. Oktober 1871 war die Lähmung der Rücken-strecker nicht im Geringsten gebessert. Der Kranke trug, umsich gerade zu halten, eine Bandage. Ohne dieselbe fiel derRumpf nach vorne, mit derselben vermochte sich Patient nurlangsam und mühevoll fortzubewegen.
Am 20. Mai 1883 fand Stabsarzt Dr. Stricker den L. vongesundem frischen Aussehen, mit kräftiger Muskulatur derExtremitäten, wohlgenährt. Er trug einen Stützapparat. Der-selbe bestand in einer gebogenen, starken, gepolsterten Schienevon Eisen, die auf dem Hüftbeinkamm ruhte und die Lenden-gegend umgab. Zu beiden Seiten liefen von dieser drei Quer-finger breiten Platte zwei Eisenschienen in der Axillarlinie in dieHöhe, an deren oberen Enden sich gepolsterte Krücken zur Stützeder Arme in der Achselhöhle befanden. Diese beiden Schienenwaren in der Mitte des Rückens durch einen breiten Gurt ver-bunden. L. weigerte sich, den Apparat abzulegen, da er sofort„wie ein Taschenmesser nach vorne zusammenklappe". DerKopf wurde gerade gehalten und war nach allen Richtungenfrei beweglich. Die Oberarme wurden in Adduktiousstellungfixirt, jede Erhebung derselben vermied der Kranke aus Furcht,mit dem Rumpfe einzuknicken. Seinen Hut konnte er voneinem Wandriegel selbst nicht fortnehmen. Vorderarm undHand führten alle Bewegungen aus. Mit dem Stützapparatging der Invalide so vortrefflich, dass ihm Niemand bei ober-flächlicher Betrachtung etwas Krankhaftes hätte ansehen können.Epileptische Krämpfe befielen ihn in den letzten Jahren seltener,seit 6 Monaten war er sogar ganz von ihnen verschont geblieben.Die früheren Anfälle wurden durch psychische Erregungeninscenirt. L. hat aus seiner Ehe nach dem Feldzuge einen11jährigen Knaben sehr erregbaren Charakters, der häufigNachts in dem Bette aufspringt und verwirrte Sätze spricht.
XLIX. Epilepsie, wahrscheinlich als Folge eines Kolben-schlages ins Genick.
Jakob Jösel, Füsilier der 11. Kompagnie 3. BadischenInfanterie-Regiments No. Ill, wurde am 26. November 1870bei Daix von einer Kugel getroffen, welche den rechten Ober-arm dicht unter dem Schultergelenk zertrümmerte und nacherfolgter Heilung eine vollkommene Steifigkeit dieses und desEllenbogengelenks hinterliess. Als J. auf dem Schlachtfelde lag,erhielt er noch einen Kolbenschlag ins Genick. Von diesemrührte eine bei der militärärztlichen Untersuchung am 7. Sep-tember 1871 sichtbare, diffuse, flache Geschwulst in der Höhedes 3. und 4. Halswirbels her. Leichter Druck auf dieselbesollte angeblich Schwindel und Konvulsionen hervorrufen. Ausdiesem Grunde unterblieb eine genauere Exploration. DerPatient trug den Kopf nach rechts geneigt und vermochte nicht,ihn nach rückwärts zu beugen. Es bestand rechtsseitigeFacialislähmung. Periodische Krampfanfälle mit Verlust desBewusstseins bewiesen, dass J. an Epilepsie litt. Vor der Ver-wundung hatte er diese Krankheit nicht gehabt.
Vernarbte, durch Kriegswaff en erzeugte Wunden desRumpfes waren nach den eingesehenen Invalidenakten nichtin einem einzigen Falle als Ursachen der Epilepsie an-zuschuldigen. Einmal — Hermann (LX.) — hielt man dieKrankheit von dem zurückgebliebenen und einen Inter-kostalnerven drückenden Geschoss abhängig. Auch auf dieSpärlichkeit der Fallsucht im Anschluss an Schussverletzungender Extremitäten ist schon an anderer Stelle aufmerksamgemacht.