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Morbidität und Mortalität bei den deutschen Heeren und bei den in Deutschland untergebrachten kriegsgefangenen Franzosen
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Band 11.

I, Abschnitt: Friedensmorbidität der Preussischen Ar

den Jahren 1867 bis HS? - -'.

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Auch hierbei verdient der Umstand Beachtung, dass

die höhere Morbidität neu eingestellter Mannschaften sichnahezu auf alle Erkrankungsformen erstreckt. Wenn sieauch bei einigen Formen, für welche demgemäss der Aus-druckRekrutenkrankheiten" seine spezielle Berechtigunghat, besonders hervortritt 1 ), so muss doch als eigentlichsteRekrutenkrankheit die höhere Erkrankungsneigungüberhaupt bezeichnet werden.

Die durchschnittliche Höhe de* Krankenbestandesleowie die Behandlungsdauer ergeben sich aus nach-stehender Uebersicht:

Durchschnittlicher Krankenbestand und durchschnittliche

Zahl der Behandlungstage in der Preussischen Friedens-

Arinee während der Jahre 1867 bis 1872.

Durch-schnitt-

Unter dem Gesammt-

Durchschnittliche Zahl

1 »'stände befanden

der

licherGesammt-

sich

Behandlungstage

1 a h r

kranken-bestand

Lazareth- Revier-kranke kranke

einesKranken

eines

eines

Revier-

ab- ,;\,

ab-

0 «ili- 9

über-

zareth " kranken

solut 1 K.

solut

K. solut K.

haupt

kranken

1867 .

10 260 40.5

7541 29.7 2719 10.8

12.7

18.7 6.i;

1868 .

11116 1 44.3

7232 28.8

3884 15.5

10.0

19.0 5.7

1869 .

10382 41.3

6424 | 25.8

3958 15.r,

10.6

18.« 6.8

1870 71

11 860 48.3

6976 28.4 4884 19.s

11.3

20.3 | 6.9

1872 .

9 736 43.8

6223 28.il 3513 , 15.8

12.2

23.3 ; 6.7

Bitte]

10 671 43.7

6879

28.o

3792 15.6

11.5

20.2 ' 6.t

B. Einzelne Erkrankungsformen.

Das Verhältniss, welches die einzelnen Krankheits-gruppen zu einander und zur Gesammtmorbidität einnehmen,.ist ein durchaus festes, und selbst dasjenige der wichtigeren

fliehen Periode bezieht. Wie weit die Höhe der Morbidität über-shaupt (welche am zweckmässigsten durch die Jahressumme aus-gedrückt wird), mit militärischen Einrichtungen zusammenhängt, istIpine andere Frage. Für einen Vergleich mit der Civilbevölkerungjfehlt es in dieser Beziehung durchaus an Material. Dass aber dieHöhe der Morbidität überhaupt bis zn gewissem Grade der mensch-lichen Einwirkung eben so zugängig ist. wie der Ablauf der zeitlichen

Schwankungen sich nach Obigem derselben entziehen dürfte, wird;dnrch die zahlreichen Beispiele von dauernder Herabsetzung der

Morbidität durch hygienische Maassnahmen bei unverändertem^Fortbestehen der zeitlichen Schwankungen ausreichend

erwiesen.

] ) Weiteres hierüber siehe unter I. B. (S. 21) dieses Abschnittes.

einzelnen Krankheitsformen') zu einander schwankt inverschiedenen Jahren nur innerhall) verhältnismässig engerGrenzen. Das mittlere Verhältniss der Gruppen ist ausdem auf die gesammte Armee bezüglichen Kreise aufTafel XVI dieses Bandes ohne Weiteres ersichtlich. 2 )Desgleichen ist aus den Tabellen 1 und 11 leicht zuerkennen, dass die zeitlichen Schwankungen der einzelnenErkrankungsformen mindestens der daselbst in Betrachtgezogenen sich ebenso wie diejenigen der Gesammt-

morbidität mit sehr grosser Regelmässigkeit vollziehen.Dieselbe tritt auch bei solchen Krankheitsbildern deutlichzu Tage, welche - - wie Pocken, 3 ) Typhus, Ruhr etc. wohlzweifellos auf Infektion durch nachgewiesene oder nichtnachgewiesene Mikro-Organismen beruhen. Ob dabei einwechselnder Einfluss der Jahreszeit auf die Entwickelungdieser Krankheitserreger oder eine verschiedene Beeinflussungder individuellen Disposition die Hauptsache ist, oder obBeides zusammenwirkt, kann hier dahingestellt bleiben.Als Thatsache aber verdient festgehalten zu werden, dassbei denjenigen Erkrankungsformen, welche durch Ein-wanderung von Mikroben verursacht werden, eine ganzeben so enge Abhängigkeit von der Jahreszeit besteht,wie bei solchen, bei denen andere nähere Ursachen voraus-gesetzt werden müssen.

Wie die zeitlichen Schwankungen der wichtigerenKrankheitsgruppen und einzelner Krankheitsformen imMittel sich darstellen, zeigen Tabelle 111 und Tafel XVdieses Bandes. Das, worauf es hauptsächlich dabei an-kommt, ist die Lage der Maxima und Minima, namentlichaber der (vorzugsweise konstanten) Maxima. In dieserHinsicht ergiebt sich für die in den mehrerwähntenTabellen berücksichtigten Erkrankungsformen nachstehendeUebersicht:

J ) Unter dem Ausdruck ,Krankheitsform" wird in dem Nach-stehenden überall die einzelne Krankheit (z. B. Lungenentzündung)im Gegensatz zu denKrankheitsgruppen" (z. B. Krankheiten derAthmungsorgane) verstanden, während der Ausdruck .Erkrankungs-form" sowohl die einzelnen Krankheiten als die Krankheitsgruppenumfasst.

2 ) Für einen Vergleich mit den Erkrankungen der Civilbevölkerungliefert Tabelle VII in dieser Beziehung nur einen sehr bedingtenAnhalt, da die Militärstatistik alle, auch die leichtesten, Erkrankungenumfasst, während die Civilstatistik sich nur auf die in den Kranken-häusern Behandelten bezieht. Von den vier in Tabelle VII einzelnersichtlichen Gruppen nehmen demnach übrigens auch im Civil dieKrankheiten der äusseren Bedeckungen die erste, die mechanischenVerletzungen die zweite Stelle ein, während die Krankheiten derAthmungs- und diejenigen der Ernährungsorgane im Vergleich zurMilitärstatistik ihre Stellen vertauschen.

3 ) Für die Pocken erscheinen im Mittel der Jahre 1867 bis 1872die Verhältnisse etwas verschoben dadurch, dass das 1. Halbjahr 1870und das 2. Halbjahr 1871 zu einem Jahrgang zusammengefasst sind.Die Nachwirkung der Kriegsepidemie macht sich im 2. Halbjahr 1871immerhin merklich geltend. (Vergl. 1. Kapitel im VI. Bande diesesBerichtes.)