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Morbidität und Mortalität bei den deutschen Heeren und bei den in Deutschland untergebrachten kriegsgefangenen Franzosen
Entstehung
Seite
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Band II

1. Abschnitt: Priedensmorbidität der Preussischen Armee in den Jahren 1867 bis 1872.

'.)

Ikruten mit Ausnahme der schon früher eingestelltenIKavalleristen Mitte November in das Heer traten. Selbstdie Höhe der November-Steigerung fällt in den Jahren1868 und 1869, in welchen nur ein verhältnissmässigkleiner Bruchtheil des Ersatzes im Oktober und November

zur Einkleidung gelangte, keineswegs geringer aus, als inden übrigen Jahren. Ebenso ist in den Verhältnissen des»Januar eine entschiedene Beziehung zum Datum der

Itekruten-Einstellung nicht zu erkennen.

Wenn diese Thatsaehen bereits ausreichend erscheinen,um der Vorstellung, dass speciell die Rekruten-Ein-Ißtellung für die Art der Gesammt-Krankenbewegung in

der Armee entscheidend sei, den Boden zu entziehen, so[sind sie doch an sich noch immer allenfalls verträglich mitder Annahme, dass der Gang der Dienstausbildung{»überhaupt das An- und Abschwellen der Krankenziffern[beherrsche. Auch diese Vorstellung aber wird ganz und

gar hinfällig durch den Nachweis, dass die Kranken-Ibewegung in der Civilbevölkerung derjenigen inder Armee auf das Vollkommenste entspricht.

Bei Beurtheilung der Krankenbewegung im Civil warman bisher entweder auf die Sterblichkeitsziffern, beiwelchen offenbar noch besondere Momente hinzutreten, oderauf die kleinen, durch mannigfache Zufälligkeiten theils wirk-lich beeinflussten, theils wegen solcher wenigstens nicht be-weiskräftigen Erkrankungsziffern enger Kreise angewiesen.Ein Material in grossem Stil ist nach dieser Richtung erstneuerdings durch die umfassenden, sämmtliche allgemeinenHeilanstalten im Preussischen Staate berücksichtigendenErhebungen des Königlich Preussischen StatistischenBureaus zu Stande gekommen. Für die Jahre 1878 und1879 sind die bezüglichen Daten im Heft LXV derP'reussischen Statistik bereits veröffentlicht. Da für diediesseitigen Zwecke es wünschenswert!» erschien, dem fünf-Ijährigen Mittel der Armee-Krankenziffern ein ebenfalls fünf-jähriges Mittel für das Civil wenn auch nothgedrungen ausuideren Jahrgängen gegenüberzustellen, hat das KöniglichPreussische Statistische Bureau auf Ansuchen des Preussi-Ischen Kriegsministeriums mit dankenswertester Bereit-Iwilligkeit aus seinem bisher noch ungedruckten Materialentsprechende Berechnungen für die fünf Jahre 1878 bis1882 anstellen lassen und die Veröffentlichung derselbenan dieser Stelle (siehe Tabellen VI und VII) gestattet.

Aus den eben genannten Tabellen geht hervor, dassdas Maximum des Gesammt-Krankenzuganges auch in denallgemeinen Heilanstalten ausnahmslos in den Januar, dasI Minimum ausnahmslos in den September fiel, dass derNovember auch für die Civilbevölkerung ausnahmslos einenicht unbeträchtliche, der Juli minder konstant eine geringereI Steigerung aufwies, dass von Januar bis einschliesslich JuniI eine absteigende, jedoch durch kleine Steigerungen im März

Sanitäts-Bericit über die Deutschen Heere 1870/71. II. Bd.

und Mai') unterbrochene Bewegung herrschte und dass diegrösste zwischen je zwei Monaten wahrnehmbare Differenzzwischen Dezember und Januar obwaltete; endlich erscheintauch in den Tabellen VI und VII das Verhältniss zwischenDezember und November als das am wenigsten bestimmte.Alle diese, den Vorgängen in der Armee durchausanalogen Erscheinungen stellen sich in ganz derselbenWeise dar, gleichviel ob man in den Tabellen IV und Vdie den Gesammtzugang überhaupt (Männer, Frauen undKinder) oder die lediglich den Gesammtzugang an Männernberücksichtigenden Rubriken ins Auge fasst. Dass die Ver-hältnisse sich auch nicht ändern, wenn lediglich die denMannschaften der Armee entsprechende männliche Alters-klasse von 20 bis "25 Jahren in Betracht gezogen wird,dafür spricht nachstehende, dem oben erwähnten Heft LXYder Preussischen Statistik entnommene Zusammenstellungfür das Jahr 1878. In diesem Jahre gingen von der vor-erwähnten männlichen Altersklasse den Heilanstalten zuim Monat

(absolute Zahlen)

Januar...... 221)4

Februar...... 2160

März....... 2 254

April....... 2 012

Mai........ 2 043

Juni....... 1722

Juli....... 1851»

August...... 1814

September..... 1 716

Oktober...... 1825

November..... 1904

Dezember..... 1976

Summe 23 579

Wie fest die Regel ist, nach welcher diese Vorgängesich gestalten, mag daraus erhellen, dass dieselben sichbereits in den relativ so kleinen Zahlen einzelner Kranken-häuser aus beliebigen Jahrgängen mit geringen Modifika-tionen ausprägen. Als Beispiel seien die Zugangszifferndes Königlichen Charite-Krankenhauses zu Berlin währendder Jahre 1874 bis 1878 hier eingeschaltet.*)

') Dies zu konstatiren ist deshalb von Interesse, weil geradeauch die Neigung zu kleinen Frühjahrssteigerungen in der Kranken-bewegung der Armee von den Berichterstattern fast regelmässig zuder Einreihung der Rekruten in die Kompagnien etc. und der darauffolgenden Veränderung der dienstlichen Beschäftigung in Beziehunggesetzt wird.

2 ) Vergl. Charite-Annalen, herausgegeben von der Direktion desKöniglichen Charite-Krankenhauses zu Berlin. Für die Jahre 1867bis 1873 liegen derartige Veröffentlichungen nicht vor.

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