Morbidität und Mortalität bei den Deutschen Heeren und bei den in Deutschland internirten kriegsgefangenen Franzosen. Band LT,]
Band
Erscheinungen, welche mit solcher Regelmässigkeit inallen Truppenverbänden sich wiederholen, müssen auf über-all regelmässig wiederkehrenden Ursachen beruhen. Alssolches periodisch sich allerorts einstellendes Moment,welchem a priori ein ausschlaggebender Einfluss auf dieKrankenbewegung wohl zugeschrieben werden kann, bietetsich der Prüfung zunächst die in der Preussischen Armeealljährlich mit sehr grosser, nur geringe zeitliche Ver-schiebungen zulassender Gleichmässigkeit betriebene Dienst-ausbildung der Mannschaften dar.
Betrachtet man auf Zeichnung 2, wie der im All-gemeinen im November stattfindenden Einstellung derRekruten alsbald eine Erhöhung des Krankenzugangesfolgt, welcher nicht lange danach (im Januar) sein ab-solutes .Maximum erreicht, um alsdann mit alleiniger Aus-nahme der Juli-Steigerung von Monat zu Monat sich zuvermindern und während der Herbstübungen sowie währendder Diensterleichterung, welche zwischen dem Schluss derManöver und der Einstellung des neuen Ersatzes Platzgreift, sein Minimum zu erreichen, so dass die Kranken-bewegung im Laufe eines Jahres, wenn der Oktober dasAnfangsglied bildet, als vollständiger Kreislauf erscheint,indem die Zugangslinie im September fast genau auf den-jenigen Punkt zurückkehrt, von welchem sie im Oktoberausging; erwägt man zugleich die aus jedem der gedrucktenArmeelierichte, ja selbst aus jedem Spezialrapporte aus-nahmslos sich ergebende höhere Morbidität der Mann-schaften des ersten Dienstjahres gegenüber denen deszweiten und dritten, — so kann es in der That nichtWunder nehmen, wenn eine in der Armee sehr verbreiteteVorstellung den Krankenzugang überwiegend abhängigglaubt von der jeweiligen Dienstbeschäftigung derMannschaften und speziell die Rekruten-Einstellungals den eigentlichen Angelpunkt ansieht, um welchen dieErscheinungen sich drehen.
Eine eingehendere Prüfung der Thatsachen ist gleich-wohl dieser Anschauung nicht günstig. Zunächst mussauffallen, dass die der Rekruten-Einstellung unmittelbarfolgende November-Steigerung nicht eben beträchtlich ist,während das starke Emporschnellen der Zugangsziffer imJanuar nicht nur durch einen verhältnissmässig langenZeitraum, sondern auch durch einen Monat (Dezember)geringer, jedenfalls inkonstanter Erkrankungsneigung vonjenem als entscheidend angesprochenen Momente entferntist; desgleichen entbehrt die sehr konstante Juli-Steigerungbei solcher Annahme jeder erkennbaren Begründung. Ge-wichtiger noch stellen einige andere Betrachtungen jenerVorstellung sich entgegen.
Der Zufall hat es gefügt, dass die Beobachtungsreihevon 1867 bis 1872 Jahrgänge umschliesst, in denen dieRekruten-Einstellung — wie aus der nachstehenden Ueber-sicht hervorgeht — zu ungewöhnlich verschiedenen Zeitenstattgefunden hat.
Termine der Rekruten-Einstellung bei der PreussischenArmee in den Jahren 1867 bis 1872.
Truppengattung
11867 j 1868 ■ 1869
1870 1871
1872
Garde - Infanterie-Regimenter . . .
Die übrige Infanterieeinschl. Jäger . .
Kavallerie ....
Reitende Artillerie.
Fuss-Artillerie . .
Pioniere ....
Train-Stamm . . .
3.11.
2.1. 691.11. 15.10.15.10.2.1. 692.1. 693.11.
3.11.
16.12.15.10.15.10.16.12.16.12.3.11.
—
15. 11.
15.11.11. 9.15.11.15.11.15.11.15.11.
4.11.
27.11.
4.11.
4.11.27.11.27.11.27.11.
krutiKav;die
18(58
klein
zur
Den
Janu
fteki
Der Gesammt-Krankenzugang gestaltete sich in deneinzelnen Jahren während der zunächst in Betracht kommen-den Monate wie folgt:
Gesammt-Krankcnzugang bei der Preussischen Friedens-
Armee in den Monaten Oktober bis April während der
einzelnen Jahre in der Zeit von 18G7 bis 1872 (Ä K.)
Monat
1867/18681868/1869
1869/18701871/1872
1872
Oktober . . .
87.5
97.3
88.8
122.0
86.2
November . .
103.3
114.9
105.9
111.2
92.o
Dezember. . .
96.3
100.1
98.*
111.7
89.o
Januar ....
181.8
153.5
138.7
138.9
—
Februar . . .
153.4
138.0
141.8
126.2
—
März ....
154.3
130.7
133.7
106.0
—
April ....
122.o
134.5
109.4
104.0
—
Die Krankenbewegung war danach in den fünf Jahreneine prinzipiell ziemlich vollkommen übereinstimmende; diekleinen, in einzelnen Jahrgängen hervortretenden AIweichungen vom Mittel sind offenbar nicht aus dem ver-schiedenen Datum der Rekruten-Einstellung 1 ) zu erklären.Insbesondere fehlt die November-Steigerung nur im Jahre1871 2 ), obwohl gerade in diesem Jahr sämmtliche Ee-
te;1.
reufliessjähri:jähriandejPreuBcheiwillijentsj! ) Dabei ist zu beachten, dass der Termin der Einstellung bei der i'lS82Linien-Infanterie als der entscheidende angesehen werden muss, weil „ ies sich bei diesem um die Hauptmasse der Rekruten handelt, welchergegenüber der Rest nicht allzusehr in Betracht kommt, namentlickda letzterer in den Jahren 1868 und 1869 sich noch auf verschiedeneTermine zersplitterte, während gleichzeitig mit der Linien-Infanteriein allen Jahrgängen noch andere Truppengattungen ihren Ersatz zu-getheilt erhielten.
2 ) Dieses Fehlen ist allerdings nur ein scheinbares, nicht durcleine niedrige Krankenziffer im November (dieselbe ist höher als im jMittel), sondern durch eine besonders hohe im Oktober bedingt'Vwelche letztere, wie überhaupt die hohen Krankenziffern von Juli- SteigOktober 1871, als eine Nachwirkung des Krieges anzusehen sein dürfte eine
[das -allgeMini:
■ Novenicht
s«