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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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Band I.

IV. Abschnitt: Kämpfe links der Mosel und Einschliessung von Metz.

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grösseres aus Wohnhaus und 3 Scheunen bestehendes Ge-liöft und die Mairie in Anspruch genommen. Ein Kom-mando des Ostpreussischen Pionier-Bataillons No. 1 stelltefür das Lazareth eine Reihe von Bettstellen, Tischen undStühlen her.

Das 6. Feldlazareth I. Armeekorps erhielt am Morgendes 1. September Befehl, sich in dem Dorfe Avancy einzu-richten. In acht Bauerngehöften brachte das Lazareth338 Verwundete nothdürftig unter, von denen es indessenalsbald 193 evakuirte. Auch in Avancy sorgten die Ost-preussischen Pioniere für Herstellung von Bettstellen.

In Montoy, welcher Ort 24 Stunden lang von denFranzosen besetzt blieb, hatten Preussische Verwundetein dem dort bestehenden von der 1. Sektion Lazareth-Reservepersonals I. Armeekorps übernommenen LazarethAufnahme gefunden. Siebzig Leichtverwundete wurden vondort als Gefangene weggeführt. Das Lazareth war fort-dauernd heftigem Granatfeuer von beiden Armeen ausgesetzt(vergl. Seite 109).

Ergebniss:Die Verluste in der Schlacht bei Noisseville am31. August und 1. September sind folgende gewesen: 1 )todt oder in Folge

Verwundung gestorben 32 Offiziere, 646 Mann,verwundet .... 94 1961

vermisst ..... 2 ,, 243 ,,

128 Offiziere, 2850 Mann.Summe 2978.

Die erste Hilfe leisteten während der Schlacht 6 Sani-tätsdetachements und 6 Feldlazarethe mit zusammen 72etatsmässigen Aerzten, so dass auf je 1 Arzt 41 DeutscheVerwundete entfallen.

Da drei bereits in der Nähe thätige FeldlazaretheVerwundete aufnahmen, so gelangten in Folge der Schlachtnur noch 4 Feldlazarethe zur Etablirung.

Einschliessung von Metz bis zur Uebergabeam 27. Oktober 1870. 2 )

Die Verwendung der Feldlazarethe des Einschliessungs-Heeres gestaltete sich im Verlaufe des September folgender-maassen:

Zunächst wurden die drei noch etablirten Feldlazarethedes Gardekorps das 6. und 7. in Ste. Marie aux Chenes,das 10. in Pont ä Mousson am 2. bezw. 6. Septemberdurch Lazareth-Reservepersonal des IX. und Gardekorpsabgelöst. Des Weiteren aber traten für die Sanitäts-Leitunghinsichtlich der Verwendung der Feldlazarethe nachstehendeGesichtspunkte in den Vordergrund der Erwägungen.

>) Generalstabswerk I, Anlage 58.

2 ) Generalstabswerk L, S. 1389; II S. 264 ff.

Unter der Ungunst der äusseren Verhältnisse littenmit der Armee auch ihre in die Feldlazarethe aufgenom-menen, durch die Verwundung erschöpften, in ihrer Wider-standskraft geschwächten Verwundeten, und letztere um somehr, als die Etablirung zahlreicher Feldlazarethe rechteigentlich auf der Wahlstatt hätte erfolgen müssen. Trotzaller Bemühungen, gesonderte Ruhr- und Typhuslazarethezu errichten, hatten daher beide Krankheiten schon imAugust angefangen, auch eine grosse Anzahl derjenigenFeldlazarethe zu durchseuchen, welche vornehmlich derVerwundeten-Pflege dienten.

Zahlreiche Schwerverwundete, deren Zustand zu denbesten Hoffnungen auf Wiederherstellung berechtigte, wurdenOpfer der Seuchen. Starben doch allein in dem 1. Feld-lazareth X. Armeekorps zu St. Apolline 30 Verwundetean Ruhr. In einer Reihe von Feldlazarethen erkranktedas gesammte Personal entweder an Ruhr oder an Typhus;es gab daher Feldlazarethe, in denen das ursprünglichePersonal vollständig ersetzt werden musste, zunächst ausden nicht etablirten Feldlazarethen und den Sanitäts-detachements, weiterhin aus dem Sanitätspersonal derTruppen.

In Würdigung dieser Sachlage beschloss die Sanitäts-leitung: Entfernung möglichst aller Verwundeten aus demBereiche der Einschliessungs-Armee durch Evakuation, voll-ständige Schliessung wenigstens der besonders ungünstig ge-legenen Feldlazarethe, soweit die betreffenden Ortschaftennicht bereits im August hatten geräumt werden können, Etabli-rung weiterer Feldlazarethe thunlichst in seuchenfreien,hygienisch günstigeren und, wo möglich, vom Schlacht-felde entfernteren Ortschaften.

Für den Transport der Kranken nach rückwärts wares von wesentlichem Vortheil, dass den grossen Schlachtenum Metz eine Zeit verhältnissmässiger Ruhe folgte, dienur am Schlüsse des August und im Beginn des Sep-tember durch die Schlacht bei Noisseville noch einmalunterbrochen wurde.

Allmälig ermöglichten ausgedehntere Verbindungenmit der Ileimath und die Beendigung der Truppen-Transportenach dem Kriegsschauplatze mehr und mehr die Ueber-führung der Verwundeten in die heimathlichen Lazarethe;insbesondere gestattete die ausgedehnte Benutzung derseit dem 25. August eröffneten Bahnstrecke NancyArssur Moselle 1 ) eine schonende Rückbeförderung selbst derSchwerverwundeten.

Bei der Nothlage um Metz musste der Evakuation derVerwundeten eine Ausdehnung gegeben werden, welcheunter anderen, nur einigermaassen günstigeren Verhältnissensicherlich vermieden worden wäre.

Wo daher in den vornehmlich für Verwundete be-stimmten Feldlazarethen etwa von Mitte September ab sich

>) Die Ende September hergestellte Feld-Eisenbahn Pont äMoussonRemilly kam für den beregten Zweck erst im Oktober zurGeltung. Vergl. im Uebrigen das KapitelKrankenzerstreuung".