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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
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Band I.

II. Abschnitt: Sanitätsmaterial der Truppen. Preussen.

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Igehilfen der berittenen Truppen führten dergleichen Arznei-

lund Bandagenvorrath in Taschen, welche an Stelle der

I Pistolenhalfter vorn am Sattel des Pferdes befestigt waren.Daneben war theil weise auch schon die erst längere Zeitnach dem Kriege zu allgemeiner Einführung gelangte neue

Lazaretligehilfentasche (vom Jahre 1878) in Gebrauch.

Auf Grund der Erfahrungen in den Kriegen 1864 und 1866war vorgeschlagen worden, eine einzige, für Arznei- undVerbandmittel zugleich bestimmte, an einem breiten Kiemenüber die linke Schulter zu hängende Ledertasche mitBlecheinsätzen für die Lazarethgehilfen aller Waffen ein-zuführen. Nach günstigem Ausfall der Probeversuche warauch im Frühjahr 1870 befohlen worden, bei Neube-schaffungen nur dieses Modell zu berücksichtigen; die Zeit

bis zum Ausbruch des Krieges war jedoch zu kurz, alsdass die Einführung eine irgend ausgedehnte hätte seinkönnen.

Die erste Füllung der Taschen geschah in den

^Dispensiranstalten der Garnisonlazarethe; die Ergänzung

I wurde aus den Medizin- und Bandagenkasten vorgenommen.Der Inhalt dieser Medizin- und Bandagenkasten,welche nebst ihren Geräthen und Gefässen während desFriedens in den Dispensiranstalten der Garnisonen auf-bewahrt standen, repräsentirten den eigentlichen Stammder Arznei- und Yerbandausrüstung der Truppen. JedesInfanterie- oder Jäger-Bataillon, desgleichen jedes Kavallerie-Eegiment erhielt 1 Medizin- und 1 Bandagenkasten, 1 ) jedesHauptquartier einer Armee oder eines Armeekorps, jedeGeneral-Etappeninspektion, Pionier-Kompagnie, Batterie,Artillerie- oder Train-Kolonne 1 kleineren (21" langen,16'V' hohen, 15'/V breiten) Medizinkasten, 2 ) welcher zu-gleich die Bandagen aufnahm (siehe Tafel II).

Die innere Eintheilung und Einrichtung der Medizin-kasten war eine etwas verschiedene. Alle besassen zurAufnahme des Inhaltes einen oberen und einen unterenEinsatz; bei denjenigen älterer Konstruktion war der obereEinsatz (gleich dem unteren) ungetheilt, bei denjenigennach einem neueren Modell in zwei Hälften zerlegt, wo-iurch eine bequemere Handhabung des oberen und leichtere Zugänglichkeit des unteren Theils erreicht war (vergl. dieTafel II). Der Inhalt war bei beiden Konstruktionen imWesentlichen der gleiche.

Die erste Füllung sowohl der Medizin- wie derBandagenkasten hatten die Dispensiranstalten der Garnison-lazarethe aus den lediglich für diesen Zweck stets vor-räthigen und gesondert verwahrten Beständen zu besorgen;nur die für die Medizin- und Bandagenkasten der Haupt-quartiere und Train-Kolonnen bestimmten Verbandmittelwurden bei den Traindepots vorräthig gehalten und mitden für die Sanitätsanstalten bestimmten gleichartigenGegenständen aufbewahrt. Auf dem Kriegsschauplatze

') Den Inhalt derselben siehe Beilage 26. Das Gewicht beidergasten zusammen in gefülltem Zustande betrug 236 Pfund.2 ) Siehe ebenfalls Beilage 26.

blieb die Ergänzung durch direkte Beschaffung au Ort

und Stelle Requisitionen oder aus den Beständen der! Sanitätsanstalten, namentlich der Feldlazarethe, zu bewirken.Zur Fortschaffung der Sanitätsausrüstung der kleinerenTruppenkörper (Batterien u. s. w.) lag die Notwendigkeitbesonderer Fahrzeuge nicht vor: das Sanitätsmaterial der-selben wurde vielmehr lose auf den Gepäckwagen mit-geführt. Die Beförderung der beiden .Medizin- und Bandagen-kasten der grösseren Einheiten (Bataillon u. s. w.) bezw. ihresInhaltes e-'\dgte auf den Truppen-Medizin-Wagen oderKarren. Bei den Karren nach einem älteren Modell (C/1859)wurden auf besonders dazu angebrachte Untersätze die nurvon oben zugänglichen Kasten aufgeschraubt. (SieheTafellll.)Um Letztere vor Nässe zu bewahren, war der Karren miteinem wasserdichten Plan verseilen, welcher mittels einerlängs über die Mitte desHintertheils verlaufenden Eisen-stange dachartig erhoben gehalten werden konnte. Diebeiden mitzuführenden Tragen Hessen sich in der unter demKarren hängenden Schosskelle anbringen.

Neben diesen einspännigen Medizinkarren älterer Kon-struktion waren auch zweispännige nach einem neueren.Modell (0/1861) in Gebrauch (siehe Tafel IV), welche imäusseren Ansehen den früheren Packkarren der Kavalleriedurchaus glichen, 'im Innern aber eine Schubkasten-Ein-richtung besassen. Die mit diesen neueren Karren aus-gestatteten Truppentheile bedurften keiner Medizin- nochBandagenkasten, da die bei der älteren Konstruktion inLetzteren vertheilten Gegenstände bei der neueren in denSchubladen Aufnahme fanden. Beide Arten von Karrenbesassen die Normalspurweite von 52 Zoll (= 143 Centi-meter) und wurden vom Bocke her gelenkt. Endlich wurdennoch im Verlaufe des Feldzuges einzelne Bataillone undKavallerie-Regimenter statt der Karren mit Medizinwagenneuester Konstruktion (C/1870) ausgestattet (siehe Tafel V),welche in Form und Bau mit dem Kompagnie-Packwagenübereinstimmten, im Uebrigen dem Sanitätswagen derSanitätsdetachements (vergl. dritter Abschnitt) ähnelten.Diese Medizinwagen waren bei Ausbruch des Krieges nochnicht thatsächlich eingeführt, kamen jedoch bei Beschaffungenfür Neuformationen sowie als Ersatz für abgängig gewordeneMedizinkarren ausschliesslich zur Verwendung.

Sämmtliche Sanitätsfahrzeuge waren gemäss den Be-stimmungen der Genfer Konvention mit der Neutralitäts-flagge und ebenso wie der sogleich zu erwähnendeBandagentornister mit dem Genfer Kreuz versehen.

Für diejenigen Fälle, in welchen der mit dem Sanitäts-material beladene Wagen oder Karren aus irgend einemGrunde dem Truppentheil nicht folgen kann, wurden aufden betreffenden Fahrzeugen Bandagentornister (sieheTafel I) mitgeführt, welche sich überallhin nachtragenliessen und zwar für jedes Bataillon u. s. w. zwei, für jedeBatterie u. s. w. einer.') Desgleichen standen auf den

x ) Betreffs des Inhaltes siehe Beilage 25.

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