Die Marienklage. Einzelne Szenen aus den Oster- und Passionsspielen 569
soll ein Spiegel der Seele sein, darinne man Gottes Minne erkennt. Die KlageMariae ist der Rahmen für den Grundgedanken, die Liebe zu Gott, zu Jesus.Die Einleitung beginnt mit einem Gebet zu Christus und Maria (V. 1-82); dannAngabe der lat. Quelle (V. 83-114, es ist die Interrogatio Sancti Anshelmi depassione Domini); 1 Anrede an die Leser (115-36). — Vor dem eigentlichenThema wird berichtet: Vom Hohen Lied Salomos und den Töchtern vonSyon, Salomo ist symbolisch gleich Jesus (137-375). — Das Buch hebt an(V. 376) mit einer demütigen Ansprache des Verfassers der Quelle, der Inter-rogatio, an Maria und der Bitte, ihm den Vorgang von Christi Marter undKreuzigung zu erzählen (376-481); Maria, seine Bitte erhörend, erzählt ihmden Hergang der Mißhandlungen ihres Kindes Jesus und der Kreuzigungbis zu der Fürsorge Jesu um seine Mutter und Johannes (482-915); nach denWorten der Mutter Gottes folgt ein Bericht des Verfassers der Interrogatio,bzw. des übersetzenden Dichters, über die weiteren Ereignisse am Kreuze;Joseph von Arimathia; Nikodemus; als Grundton zieht sich der Schmerzund die Klage der Maria durch das Ganze (916-1587); Gebet zu Maria (1588—1657). - Der Verfasser des wohlgebauten deutschen Gedichtes ist unbekannt;aus den wenigen beweiskräftigen Formen ist auf niederalemannische Heimatzu schließen; Abfassungszeit wahrscheinlich zweite Hälfte des 13. Jahrhun-derts. Das Gedicht ist in einer großen Zahl von Handschriften überliefert(15), was auf Beliebtheit schließen läßt. Sie zerfallen in zwei Klassen, diestark voneinander abweichen, also zwei Fassungen darstellen.
Einzelne Szenen und Personen aus den Oster- und Passionsspielen
Der Teufel. Max Dreyer, Der Teufel in der dt. Dichtg. d. MA.s, Rost. Diss. 1885; E. J.Haslinghuis, De duivel in het Drama der middeleeuwen, Diss. Leiden 1912; Jos. MaximilianRudwin, Die Teufelsszenen im geistl. Drama d. dt. MA.s, Diss. Ohio, Göttingen 1914; Ders.,Die Teufel in den dt. geistlichen Spielen, 1915; Gust. Binz, Ein Basler Fastnachtspiel aus d.15. Jh., ZfdPh.32, 58-63 (Bruchstücke); Creizenach, Reg. S. 623; s. Fastnachtspiel; Holl,Gesch. d. dt. Lustspiels, 1923, 21-28.31-34. — Pilatus. Schönbach, Anz. 2, 169 u. ö.; Creize-nach, Legenden u. Sagen von Pilatus, Beitr. 1,89-107. — Petrus. Fritz Cullmann, DerApostel Petrus in d. älteren dt. Lit. mit besonderer Berücksichtigung seiner Darstellung im Dra-ma, 1928; Otto Schüttpelz, Der Wettlauf der Apostel aaO. — Lazarus. Max Voigt, Pas-sionsspiel von Lazarus, Beitr. z. Gesch. d. Visionslit. im MA., Pal. 146, 1924, S. 21. — MariaMagdalena. Rügamer, Lehre von den drei Wegen aaO. S. 62-70; Marie Rath, Untersuch,des Johannesspiels, der Blindenheilung u. der Maria-Magdalena-Szenen in d. dt. Passionsspielen,Marbg. Diss. 1919; Maria Norberta Hoffmann, Die Magdalenenszenen im geistl. Spiel desdeutschen MA.s, Würzb. Diss. 1933, dazu Skopnik, Anz. 53, 78-80; F. O. Knoll, Die Rolleder Maria Magdalena im geistl. Spiel des MA.s, 1934. — Salbenkrämer. Konr. Dürre, DieMercatorszene im lat.-liturgischen, altdeutschen u. altfranz. relig. Drama, Gott. Diss. 1915;A. Bäschlein, Die ad. Salbenkrämerspiele, Basl. Diss. 1929; W. Seelmann, Das Berliner Bruch-stück einer Rubinszene, ZfdA. 63,257-67. — Judas Ischarioth in Legende u. Sage des MA.s;Creizenach, Beitr. 2, 177-207. — Erich Krüger, Die komischen Szenen in den dt. geistl.Spielen des MA.s, Hamburg. Diss. 1931.
1 Hgb. Schade, 1870, dazu Karl Schröder, Germ. 17, 233-35; weitere Lit. s. Milchsack,Beitr. 5, 294 Anm. 1; s. auch oben.