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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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551
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Die Stoffkreise der Volkslieder 551

ten, ZfdPh. 47, 93 f.; Uhland, Rath der Nachtigall, Germ. 3, 129-46; Bartsch, Volkslieder desXV. Jh.s, ebda 27, 225-28; Wilh. Jürgensen, Martinslieder, Kiel. Diss. 1909; Ernst Rosen-müller, Das Volkslied: Es waren zwei Königskinder, Leipz. Diss. 1917, dazu Reuschel, Lbl.1918, 356-58; Schröder, Das ist das Anderlant, Volkslied vom Niederrhein, 15. Jh., Gott.Nachr. 1927, 114 f.; F. W. E. Roth, Volkslieder, ZfdA. 26, 62 f.; F. P. Schmidt, Ein Volksliedaus d. 15. Jh., Beitr. 57, 298-300. Form, Stil: Krejci, D. charakterist. Merkmal d. Volks-poesie, ZfVölkerpsychol. 19, 1889, 115-41; Graber, Das Sprunghafte im dt. Volkslied, Progr.Klagenfurt 1907; Karl Hoeber, Beiträge z. Kenntnis d. Sprachgebrauchs im Volksliede desXIV. u. XV. Jh.s, 1908; Alb. Daur, D. alte dt. Volkslied nach seinen festen Ausdrucksformenbetrachtet, 1909; H. Wentzel, Symbolik im dt. Volksl., Marbg. Diss. 1915; Renata Dessauer,Das Zersingen, Beitr. z. Psychologie d. dt. Volksliedes, 1928;Cornelis Brouwer, D.Volkslied inDeutschland, Frankreich, Belgien u. Holland, Untersuchungen üb. d. Auffassung des Begriffes, üb.traditionelle Zeilen, die Zahlen- usw. Symbolik, Diss. Groningen 1930. Metrik: G. Pohl, DerStrophenbau im dt. Volkslied, Pal. 12, 1921, dazu Götze, Anz. 41, 193.

Das Volkslied ist ein Lied, 1 das im Gesang der Unterschicht eines Kultur-volks in längerer, gedächtnismäßiger Überlieferung eingebürgert ist, dessenindividueller Urheber keine Rolle spielt und das gewisse stilistische Merk-male trägt. Dieser Stil ist gegenständlich, typisch formelhaft; gleiche Worteund Wendungen, Epitheta ornantia treten auf, statt Eigennamen allgemeineApellativa: der Knabe, Geselle, Bürger, Reiter, Ritter, Graf, der Liebste, dasMägdlein, die Jungfrau, das Fräulein; Pflanzen: Rose, Lilie, Hasel, Baum,Bäumlein; Tiere: Nachtigall, Kuckuck. Der Gesamtausdruck der Sprache istEinfachheit, ja Knappheit, so daß oft Zwischenglieder weggelassen sind, dieErzählung schreitet dann gleichsam auf den Höhenpunkten dahin und läßtdie Niederungen unberücksichtigt. Da die Überlieferung meist bloß mündlichist, so unterliegt sie schrittweise stark der Veränderung. Sie ist demZer-singen" unterworfen: Worte oder ganze Sätze werden nicht recht verstandenund zu ähnlich lautenden umgedeutet, auch werden ganze Strophen ver-gessen. Die Metrik ist sehr einfach.

Das Volkslied ist echte Gelegenheitsdichtung, hervorgegangen aus wirk-lichem Erleben, eine unmittelbare Auswirkung der Seele des Volkes. 2 ImVolkslied hat der der Zeit eigene naturwüchsig volksmäßige Zug seinen poeti-schen Ausdruck gefunden; das Volkslied ist nach der Mystik die bezeich-nendste Offenbarung des deutschen Geistes und der deutschen Poesie im14. 15. Jahrhundert.

Die Stoffkreise der Volkslieder

Inhalt, nach der Einteilung der fünf Bücher in Uhlands Volksliedern.1. Buch: Sommer und Winter (Naturlieder, Tanzlieder, Abschiedslieder);

Definition im Anschluß an Götze, D. dt. Handwerksbursch, der Liebende u. der Schlem-

Volkslied S. 29. Stil: Reuschel, Reallex. mer, sie singen von ihrem Sehnen u. Wünschen,

3, 489; Metrik, ebda S. 490 f. Das Wort von den Schicksalen der Verfolgten u. der

Volkslied" stammt von Herder, Reuschel Raubritter, vom Sommer u. vom Winter, von

S. 487. den Blümlein in der Aue u. schneebeschneiten

2 Das vielgestaltige Leben ist der Schauplatz Wegen, lustig u. wehmütig, sittsam u. leicht-

dieser Lieder. Hier singt das ganze Volk, der fertig (Ehrismann, Deutschkundl. Bücherei,

Edelmann u. der Bürger, der Student u. der 1925).Soldat, der Bergmann u. der Jäger u. der