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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
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IV. DIE GESCHICHTLICHE LITERATURDES 14 UND 15. JAHRHUNDERTS 1

Durch die vorwiegend realistische Gestimmtheit der bürgerlichen Kulturwar das Interesse auch für die geschichtlichen Tatsachen sehr rege. Für dieWeltgeschichte hatten Rudolfs v. Ems Weltchronik: (s. oben) und die Christ-herre-Chronik (aus denen die Historienbibeln hervorgingen) die Grundlagegegeben, auf der dann in Hss. des 14. u. 15. Jahrhunderts und in dem WerkeHeinrichs von München im 14. Jahrhundert aufgebaut wurde, einige Hss.gehen bis auf die Zeit der staufischen Kaiser. Auch später noch er-schienen solche Universalgeschichten, so hat Heinrich' Steinhöwel (s. unten,Humanisten) eine solche bis auf Kaiser Friedrich III. geführt (gedruckt 1473),und der Nürnberger Schreiber Georg Alt übersetzte den zeitgenössischenLiber cronicarum des Hartmann Schedel alsBuch der Chroniken und ge-schichten mit figuren", gedr. 1493. 2 Auch das Geschichtswerk, in welchemderBasler Alexander" 3 einen Teil bildet, ist eine Weltchronik bis auf Karl IV.,die, mehr und mehr in Prosa übergehend, lokale, speziell baslerische Verhält-nisse berücksichtigt.

Eigentlich war damit die Universalgeschichte und ebenso die Kaiser-geschichte erschöpft, um so üppiger schoß die Lokalgeschichte auf in, meistprosaischen, Stadt- und Landeschroniken. Aber in vielen dieser auf einen be-stimmten Raum beschränkten Geschichtsquellen sind die Ereignisse als Teiledes gesamten historischen Geschehens aufgefaßt und auf dem mittelalter-lichen Schema der Welt- und der Papst-Kaiser-Geschichte aufgebaut. Inden Chroniken der deutschen Städte 4 ist das außerordentlich reiche Lebenniedergelegt, in dem sich die Kulturgeschichte, Wirtschaft und Politik desBürgertums abspielten und nicht zuletzt der Charakter der Menschen selbstsich offenbart. Die Darstellung in diesen Schriftwerken ist natürlich sehrverschieden; sie beschränkt sich entweder auf bloße Aufzählung der Vor-kommnisse, alltäglicher und einschneidender, oder sie gibt sich mehr gelehrt.Freilich bleibt es bei der Geschichtenerzählung, und zu einer entwickelndenMethode mit eigener Geschichtsauffassung ist es nicht gekommen.

Während die geschichtlichen Werke des 13. Jahrhunderts (außer der säch-sischen Weltchronik) schon durch ihre äußere Form, die gebundene Rede unddie Behandlung der Sprache, den engen Zusammenhang mit der epischen

1 Ottokar Lorenz, Deutschlands Geschichts- 1, 236. Die ganze Weltgeschichte ist auchquellen im MA. seit der Mitte des 13. Jh.s, Gegenstand inein bündlin der zyt", von einem3. Aufl. 1887. Goedeke S. 275ff. 460ff.; Ungenannten, 1481 (1492), eine ÜbersetzungWackernagel, LG. I 2 , 444-47. Die betr. Ver- des Fasciculus temporum des Werner Rol-fasser s. auch in d. ADB. fink.

2 Stammler, Von der Mystik zum Barock 4 Prosachroniken von Nürnberg, Augsburg,S. 69f. u. Anm. S. 472f. Die niederdeutsch Regensburg, Straßburg, Mainz, Köln, Braun-geschriebenen Weltchroniken s. unter Nd. Lit. schweig, Dortmund, Soest, Magdeburg, Bres-

3 Martha Julie Deuschle, Die Verarbei- lau, Lübeck; hgb. von der Bayer. Akademietung biblischer Stoffe im dt. Roman des Ba- der Wissenschaften 1862-1917, 32 Bde.rock, Amsterd. Diss. 1927 S. 13-19. LG. II,

34 Deutsche Literaturgeschichte IV