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ÍV. Kapitel: Erkrankungen des Central-Nervensystems und nervöse Störungen nach Verletzunge
Band VE Band VII.
Name
und
Regiment
Art, Ort und
Tag derVerletzung
Krankheitssymptome
gleich nach der
Verletzung
Diagnose
Verlauf
Quelle
TS
a
III.
IV.
Hermann Drevs,
Schützen-(Füsilier-)Regiment No. 108.
Gewehrschuss.2.
Dezember
1870.
Zerschmetterung desletzten Lendenwirbels.
Fractura D. wurde zunächst im 4. Feldlazarethvertebrae XII. Armeekorps zu Pomponne belumbal. V. handelt. Am 13. Dezember 1870 kamer nach Landshut in Bayern und bliebdort im Lazareth bis 4. März 1871.Vom 4. März bis 9. Mai 1871 lag der Mann in einem Lazareth zu Lübeck, kam von da am 11. Mai in das1. Reserve-Lazareth zu Dresden, gebrauchte dann vom 17. Mai bis 17. Juli eine Badekur in Teplitz. Vomletztgenannten Tage an befand er sich im Garnisonlazareth zu Dresden bis Mitte Dezember. Die Behandlungbestand hier in ruhiger Lagerung, kräftiger Ernährung und vorsichtigen aber erfolglosen Versuchen, den Ober-körper gerade zu richten.
Ein um diese Zeit aufgenommener Status ergab: Entsprechend der Vereinigung des Kreuzbeins mit derLendenwirbelsäule eine 12 cm lange und 4 cm breite Narbe, sich nach links von der Mittellinie aus in flachemBogen hinziehend. Die Narbe glatt, wenig vertieft, mit dem Knochen verwachsen, übrigens aber nur lockerangeheftet. An der Stelle, wo man unter der Narbe den Grätenfortsatz des letzten Lendenwirbels fühlen sollte,lässt sich die Narbe tief eindrücken, ohne dass man auf Knochenunterlage trifft. Der Mann klagt überSchmerzen im linken Bein. Oberkörper fast rechtwinklig nach vorne gebeugt, Wirbelsäule etwas nach hintenausgebogen und in der Weise um ihre Achse gedreht, dass die Wirbelkörper der unteren Brustwirbel, sowiedie Lendenwirbel etwas nach rechts, die Grätenfortsätze nach links gerichtet sind. Das linke Bein im Hüft-gelenke aktiv gar nicht, passiv sehr wenig beweglich, im Kniegelenke sehr wenig Beweglichkeit, linker Unter-schenkel in halber Beugestellung fixirt. Ausserdem linkes Bein adduzirt, lässt sich nicht in Grad- undAbduktionsstellung bringen. Rechtes Bein kann gleichfalls im Hüftgelenke nicht vollkommen gestreckt werden.Am linken Bein das Unterhautzellgewebe fettreicher, während am rechten Bein die Haut dünner, dagegen dieMuskulatur kräftiger entwickelt ist.
Das Gehen ermöglicht der Mann nur dadurch, dass er den nach vorne gebeugten Oberkörper durch Krückenstützt, das linke Bein durch Verschiebung des Beckens etwas nach vorne beugt und darauf das rechte Bein hebt,wobei er sich auf dem linken Bein dreht. Stuhlgang träge. Urinabgang erschwert. Eine Besserung desUebels scheint unmöglich, da die Verkrümmung der Wirbelsäule sich nicht heben lässt und das Rückenmark beider Verletzung nicht unbetheiligt geblieben ist.
Kranken-Journale
undInvaliden-Akten.
V.
Franz Kores,
SchlesischesFestungs-Artillerie-Regiment No. 6.
Granatschussund Verschüttet-werden von einer
einstürzendenMauer.
Enghien,25. Januar 1871.
DieGranatsplitter tra-fen den Nacken. 3 tägige
Besinnungslosigkeit.Lähmung des rechtenArmes, Fieber, Kopf-schmerzen, Appetitlosig-keit.
Nach späteren An-gaben auch Blutung ausMund, Nase und Ohren.
Verletzung
derHalswirbel-säule.
12. Februar 1871: Schmerzen inder Halswirbelsäule, vermehrt durchDruck. Kopf nach rechts geneigt.Wird der Kopf eine kleine Zeit an-gestrengt — länger ist unmöglich— gerade gehalten, so fällt erplötzlich nach rechts. Eine Kon-traktur in den Nacken- und Hals-muskeln der rechten Seite bestehtnicht.
Von Professor Berg er notirt:„Halswirbelsäule und Kopf besonders am Tuber pariet. sehr schmerzhaft. Gehör rechts schlechter, Augenschwächer — Diplopie. Zungenvorstreckung langsam und schwierig. Rechter Arm in den Bewegungen allerGelenke behindert und kraftlos. Sensibilität am Arm, an der rechten Hälfte des Halses, des Nackens und der Brustherabgesetzt. Faradokontraktilität des m. sternocleidomast. links herabgesetzt. Alle diese Symptome besserten sichallmälig, doch blieben die Kopfschmerzen in der Parietalgegend, besonders häufiger Schwindel und die nichtzu überwindende Neigung des Kopfes nach rechts."
21. August 1871: Kräftiger muskulös entwickelter Mann. Lähmungserscheinungen im Gebiete der Kopf-nerven fehlen. Nur das rechte Ohr ist bei intaktem Trommelfelle und bei vollkommen auf-gehobener Knochenleitung fast taub. Der Kopf steht schief nach rechts und vorne gebeugt, ohnedass Muskelkontrakturen zu entdecken wären. Die Halswirbelsäule macht in ihrer Totalität, der Kopfstellungentsprechend, eine Wendung nach rechts, ebenso die Lendenwirbelsäule, so dass die ganze Wirbelsäule einenflachen Bogen darstellt, dessen Enden nach rechts gerichtet sind. Die Bewegung der Wirbelsäule ist nachkeiner Richtung sichtbar behindert, nur die der Halswirbel fast absolut aufgehoben. Druck auf den 4. bis 7. Hals-wirbel sehr empfindlich. Der rechte Arm ist nicht abgemagert, auch seine Temperatur nicht abweichendvon der des linken, dagegen die Muskelkraft sehr geschwächt und die Sensibilität sehr herabgesetzt, so dass
Kranken-JournaleundInvaliden-Akten.
SumUts-Beric]