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allgemein geschätzte Hoftath und Oberamtmann E i-senhuth, sowie auch der altstädter Stadtrath, andessen Spitze 2 Stadtvoigte standen, seit den ältestenZeiten seine um die Stadt verdienten Männer hatte.Unvergeßliche Armenväter der Stadt waren der Hof-rath von Kuntsch, der gräfliche Kassirer Langeund der Senator Zeißing (-1/1824).
Eis leben litt in früheren Zeiten häusig undviel durch die Pest, namentlich 1547, 1576, 1577,1585, wo 80U0 Einwohner mit allen 14 Geistli-chen starben, 1625 und 1681, wie durch Brand1498, 1562, 1594, 1601, wo mit dem Rathhausealle Urkunden der Stadt verbrannten, 1645, 1653,1671, 1689 und 17N1. Seit den großen Brän-den im 17. Jahrhunderte ist die Stadt nie wiederin ihrem alten Umfange und Glänze hergestellt wor-den. Denn auf den Plätzen, wo jetzt Gärten undSchuppen sind, standen vorher große und schöne Ge-bäude, wovon noch die vorhandenen großen Kellerzeugen. Auch hatte Eisleben, vom I.Vierteldes 16. Jahrhunderts bis zu Ende des 18., stetsseine geschickten und berühmten Künstler, nament-lich Maler, Bildhauer, Steinmetzen, Goldschmiedeu. a. Die Grafen von Mannsfeld rieft», so langesie noch in blühenden Umständen waren, Künstlerund Gelehrte nach Eisleben, um den Glanz ihresHofstaates zu erhöhen. Im 39jährigen Kriege ver-armten viele, sonst reiche Leute, durch Kriegssteuern,Plünderungen, Einquartierungen und den Verfallaller Nahrung.
Nachdem die Bürger das Lutherhaus, beiden früheren Bränden, durch große Sorgfalt immergerettet hatten, brannte es bei der großen Feuers-brunst, welche am 9. August 1689 die Andreaskircheund den größten Theil der Stadt verzehrte, bis aufden unteren Theil nieder, wurde jedoch durch Bei-träge aus allen Landern wieder hergestellt, und 1693den 31. Oktober zu einem Almosenhause mit einerRechen- und Schreibeschule eingeweiht. So bliebes bis 1772, wo es der Rath in eine mit einerArbeitsanstalt verbundene Armenschule verwandelte.Im Jahre 1898 mußte der König Friedrich Au-gust von Sachsen seinen Antheil an Mannsfelddem Königreiche Westfalen überlassen, und unter derwestfälischen Regierung geschah nicht nur nichts zuGunsten des Lutherhauses, sondern die Schulekam selbst dem Eingehen nahe, und ward nurdurch einen mildthätigen Verein, welchen der ver-dienstvolle Senator A. F. Zeißing stiftete, biszum Reformationsjubiläum 181? erhalten. Als aberEisleben 1815 an Preußen kam, welches dieStadt bereits 1813 besetzt hatte, ward das Luther-hllus ein Gegenstand besonderer Aufmerksamkeitder königlichen Regierung in Merseburg. Auf de-ren Verwendung befahl Friedrich Wilhelm III.nicht nur durch die Kabinelsordre vom 27. Feb. 1817,das Lutherhaus, mit gänzlicher Beibehaltung sei-ner äußeren Gestalt und inneren Einrichtung, aufKosten der Regierung, im baulichen Stande zu er-
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halten, sondern stattete auch, durch die Kabinels-ordre vom 5. April 1817, die Armenfreischule indiesem denkwürdigen Hause mit einem festen Ein-kommen aus, und ließ hinter demselben ein neuesHaus für 2 Klassen nebst Wohnung für den Ober-lehrer aufführen. Den 31. Oktober 1819 wurdedas neue Haus eingeweiht. Mit dieser Anstalt hatman ein kleines Schullehrer-Seminar aus 16 Zög-lingen bestehend verbunden.
Das Luther Haus besteht aus 2 Stockwerken.Ueber der Hausthüre ist Luthers schlecht getroffe-nes Bildniß in Stein mit der Ueberschrift:„Gottes Wort ist Luthers Lehr,Drum vergeht sie nimmermehr."
Wenn man zum Hause hineintritt, erblickt man dieStube, in welcher Luther geboren wurde, und inwelcher sich jetzt die Elementarklasse befindet. Ueberderen Thüre stehen die Worte: „Die Stätte,wo ein großerManndie Welt betrat, bleibteingeweiht für jetzt und immerdar." —Rechter Hand in der Hausflur sind in dem Fenster,welches auf die Gasse geht, 2 Glasgemälde, Lu-ther und Melanchthon vorstellend. — Seit1816 und 1817, wo damals die Jubelfeier derReformation besonders glänzend in Eisleben gefei-ert wurde, enthalt das Lutherhaus, durch die Be-mühungen des Superintendenten Berg er (-5/ 1829),eine höchst interessante Sammlung von Denkwür-digkeiten, welche sich auf Luther« und die Re-formationbeziehen, als: Luthers Schwan, ein ova-ler Tisch mit einem Pulte, das auf einem Schwaneruht; Luthers Trauringe in Kopien, seltene Bü-cher, Handschriften, Denkmünzen, Gemälde, Kupfer-stiche, Büsten ic. Darunter sind auch 4 Original-Ablaßbriefe aus Rom auf Pergament, aus denJahren 1497 und 1516 von den Päpsten Alexan-der VI. und Leo X., und alte Bibelübersetzungenaus den Jahren 147? und 1483. Ueberhaupt gabes vor Luther« schon 14 vollständige Vibelaus-gaben in hochdeutscher Mundart, welche in Mainz,Straßburg, Augsburg und Nürnberg erschienen wa-ren, und 3 niederdeutsche, die kölnische, zwischen1470 und 148N, die lübecksche 1494, und dieHalberstädter 1522 herausgegeben. Luther hataber selbstständig aus dem Grundierte übersetzt, ohneseine Vorgänger zu benutzen. Siehe die interes-sante Schrift: Berg er, kurze Beschreibung derMerkwürdigkeiten, die sich in Ei sieben und inLuthers Hause daselbst, besonders aus die Refor-mation und auf Dr. Martin Luther beziehen «.Merseburg 181? und 1827. — Das Jubelfest derUebergabe der augsburgischen Konfession ward gleich-falls 1830 besonders glänzend gefeiert und dasLutherhaus mit neuen, interessanten Geschenkenbereichert.
Berichtigung. In einigen Eremvlaren von Liefei. 23.S. 180. Sv.?. Z. 12 v. u. ist anstatt „Felherien" „Feldherren"zu lesen.
Hierzu als Beilagen:
1) Elisabeth, Königinn von Preußen. 2) Friedrich Wilhelms III. Denkmal
in Teplitz. 3) Luthers Geburtshaus in Eisleben.
Verlag von Eduard Pietzsch u. Lomp. in Dresden. — Druck von B, G. Teubner in Dresden.