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3 (1842)
Entstehung
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den Klippen zu vermeiden verstehst, nur dann sindwahre nützliche Verbesserungen gerathen.

Die Armee ist jetzt in einem seltenen gutenZustande; sie hat seit ihrer Reorganisation MeineErwartungen wie im Kriege, so auch im Friedenerfüllt. Möge sie stets ihre hohe Bestimmung vorAugen haben, möge aber auch das Vaterland nim-mer vergessen, was es ihr schuldig ist.

Versäume nicht die Eintracht unter den eu-ropäischen Mächten, so viel in Deinen Kräften, zubefördern; vor allen aber möge Preußen, Rußlandund Oesterreich sich nie von einander trennen, ihrZusammenhalten ist als der Schlußstein der großeneuropäischen Allianz zu betrachten.

Meine innig geliebten Kinder berechtigen MichAlle zu der Erwartung, daß ihr stetes Streben da-hin gerichtet sein wird, sich durch einen nützlichen,thätigen, sittlich reinen und gottesfürchti^en Wandelauszuzeichnen; denn nur dieser bringt Wegen, undnoch in Meinen letzten Stunden soll dieser GedankeMir Trost gewähren.

Gott behüte und beschütze das theure Vater-land! Gott behüte und schütze unser Haus, jetztund immerdar!

Er segne Dich, Mein lieber Sohn, und DeineRegierung, und verleihe Dir Kraft uno Einsichtdazu, und gebe Dir gewissenhafte, treue Rätheund Diener und gehorsame Unterthanen. Amen!

Berlin, den I.Dez. 1327.

(Gez.) Friedrich Wilhelm.

Die Huldigung nahm der König zuerst in Kö-nigsberg an, wo ihn die Stände, da mit so vielenanderen Hoffnungen und Wünschen auch die frü-heren nach einer Verfassungsurkunde und allgemei-ner Volksvertretung wieder erwacht waren, auf demvorausgehenden Pcovinziallandtage, an die theuernWorte seines verewigten Vaters vom 22. Mai 1815erinnerten, und darauf zur Antwort erhielten:Wasdie Bitte um künftige Erweiterung der ständischenVerfassung betrifft, .so finden wir uns bewogen, zurHebung jedes künftigen Zweifels und Mißverständ-nisses, uns über diesen Gegenstand mit dem gan-zen, offenen Vertrauen auszusprechen, welches dasVerhältniß deutscher Fürsten, ihren deutschen Stän-den gegenüber, von Alters her bezeichnet hat. DieErgebnisse, welche unser in Gott ruhender Herr Va-ter, bald nach Erlaß der Verordnung vom 22. Mai1815 in anderen Ländern wahrnahm, bewogen ihn,wie wir auf das Unzweifelhafteste unterrichtet sind,die Deutung, welche mit seinen königlichen Wortenverbunden wurde, in reifliche Erwägung zu ziehen.In Erwägung der heiligen Pflichten seines von Gottihm verliehenen königlichen Berufes beschloß er, seinWort zu erfüllen, indem er, von den herrschenden Be-griffen sogenannter allgemeiner Volksvertretung, umdes wahren Heils seines Volkes willen, sich fernhaltend, mit ganzem Ernste und mit innigster Ueber-zeugung den naturgemäßen, auf geschichtli-cher Entwickelung beruhenden, un» der deut-schen Volksthümlichkeit entsprechenden Weg einschlug.Das Ergebniß seiner weisen Fürsorge ist die allenTheilen der Monarchie verliehene Provinzial-und treisständische Verfassung. Sie hat eineauf deutschem Boden geschichtliche Grundlage,die Grundlage ständischer Gliederung, wie diese durchdie überall berücksichtigten Veränderungen der Zeit

gestaltet worden. Sorgfältig ist ein die freie, or-ganische Entwickelung hinderndes Abschließen dernatürlichen Stände des Volks auf der einen, undein Zusammenwerfen auf der anderen Seite ver-mieden worden. Uns ist die Ehre zu Theil gewor-den, an diesem Werke zu helfen, und es hat vonseiner Entstehung an bis auf diesen Augenblick un-seren lebendigsten Antheil in Anspruch genommen.Dieses edle Werk immer treu zu pflegen, einer fürdas geliebte Vaterland und für jeden Landestheilimmer ersprießlicheren Entwickelung entgegenzuführen,ist uns, die wir entschlossen sind, auch in dieser gro-ßen Angelegenheit, den von unserem in Gott ruhen-den Herrn Vater betretenen Weg zu verfolgen, eineder wichtigsten und theuersten Pflichten unsers kö-niglichen Berufes."

Was hierauf weiter geschah, schien auf eineVermittelung der Extreme und eine Ausgleichungder politischen Ansichten hinzudeuten. Es folgte dieWiederanstellung mehrer unter der vorigen Regie»rung entfernter oder zurückgetretener Slaatsdiener,als des Prof. Moritz Arndt an der UniversitätBonn, des Generallieutenants Hermann vonBoyen im Staatsrathe, die Zurückführung desErzbischoss von Dunin nach Posen, die BerufungHassenpflugs und des Prof. Stahl an desverstorbenen Gans Stelle nach Berlin. Dahinrief der König auch die Gebrüder Jakob und Wil-helm Grimm, die Dichter Tieck und Rückert,den Maler Cornelius und den Philosophen Schil-ling von München. Zum Nachfolger Altensteins,des Ministers der Kirchen-, Schul- und Medicinal-angelegenheiten, ward Eichhorn ernannt.

In Bezug auf die äußeren Verhältnisse betriebFriedrich Wilhelm lV. die weitere Verbreitungdes deutsch-preußischen Zollvereines; auch unterzeich-nete er den bekannten Quadrupeltraktat mit Oest-reich, Rußland und England zur Erhaltung der In-tegrität und Selbstständigkeit des osmanischen Rei-ches. Endlich gelang ihm auch das wichtigeWerk der Wiederherstellung des Friedens mit der katho-lischen Kirche, welches durch die Aussöhnung mit demabgesetzten Erzbischof Droste von Vischering unddurch die Berufung des Bischofs von Geißel alsKoadjutor nach Köln glücklich zu Stande kam.Die Rheinländer erfreute er außerdem besonders durchdie Wiederherstellung der rbeinischen Gesetze, welcheseit 1834 durch theilweise Einführung der altländi-schen Gesetzgebung wesentlich verändert worden wa-ie. Die großen Verdienste seiner Ahnherren umdie evangelische Kirche außerhalb Preußen vermehrteFriedrich Wilhelm lV. (im Sept. 1841) durchdie Stiftung eines evangelischen Visthums zu Je-rusalem (mit einem Veitrage von 15,000 PfundSterling), in Verbindung mit England, mit dessenKöniginn Victoria er durch Uebernahme einer Pa-lhenstelle und seine Anwesenheit bei der Taufe desbritischen Thronerben (25. Januar 1842) in Lon-don, wo er zugleich mit dem Hosenband-Orden fei-erlich bekleidet und zum Mitgliede der königlichenSocietät der Wissenschaften aufgenommen wurde,in ein besonderes freundschaftliches Verhältniß trat. Seine landesväterliche Sorge für die evangelischeKirche im Lande selbst bethätigte er durch den Be-schluß, zur Vervollkommnung der Seelsorge und zurVerbesserung der Lage der Geistlichen jährlich 12.000Thaler, nämlich 6000 am Neujahrstage und 6000