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henzoller in Brandenburg, welcher die Macht desräuberischen und rebellischen Adels gebrochen, undgesetzmäßige Ordnung, Ruhe und Sicherheit im Landebegründet Halle; 1540 feierte Joachim II. zuerstdas heilige Abendmahl unter beiderlei Gestalt, undführte die Reformation ein; 1640 trat der großeKurfürst Friedrich Wilhelm die Regierung an,und erhob Brandenburg zu einem Hauptstaate inDeutschland; 1740 endlich bestieg Friedrich derGroße den preußischen Thron, und gab dem Staatedurch sein großes Feldherrntalent, durch seine hoheStaatsweisheit und durch seine landesväterliche Re-gierung ein europäisches, selbst schiedrichterliches An-sehen. In dieser Beziehung erklärte man es auchfür eine gute Vorbedeutung, daß der neue KönigSanssouci, Friedrichs Lieblingsaufenthalt, zu sei-nem Sommersitze erwählte.
Die erste Regentenhandlung Friedrich Wil-helms IV. war die Bestätigung der bisherigen Mi-nister und der höchsten von ihm zunächst abhängigenStaatsbehörden, denen er schon um deßwillen seinesVaters Vertrauen schenkte, und mit ihnen in einemgleich freundschaftlichen Verhältnisse bleiben konnte,als unter diesen mehre seiner Jugendfreunde waren,zu denen namentlich der Minister von Rochowgehörte. Als die Minister den Eid leisteten, sprachder König die merkwürdigen Worte: „Ich dankeIhnen, daß Sie auch mir Ihren Eifer, IhreDienste widmen wollen. Wir sind bisher vielleichtnicht immer einer Ansicht gewesen, doch ich warstets überzeugt, daß Sie Ihre Meinung im In-teresse der Sache, nicht der Person, ausgesprochenhaben. Ich wünsche, daß Sie stets dabei bleiben.Es wird mir lieb sein, überall die Wahr-heit zu hören, auch da, wo sie Unange-nehmes für mich enthalten sollte." — Einebesondere Aufmerksamkeit erregten 2 Urkunden, wel-che der König gleich in den ersten Tagen seinesRegierungsantrittes, aus dem „letzten Willen"seines Vaters bekannt machte, nebst einer Prokla-mation, worin es unter Anderem heißt: „Ich bitteGott, den Lenker der Herzen, daß er die Liebe desVolkes, die Friedrich Wilhelm!!!, in den Ta-gen der Gefahr getragen, ihm sein Alter erheitert,und die Bitterkeit des Todes versüßt hat, auch aufmich, seinen Sohn und Nachfolger, übergehenlasse, der ich mit Gott entschlossen bin, in denWegen des Vaters zu wandeln. Mein Volk betemit mir um Erhaltung des segensreichen Friedens,des theuern Kleinods, das er uns im Schweißeseines Angesichts errungen, und mit treuen Vater-händen gepflegt hat. Das weiß ich, sollte diesesKleinod je gefährdet weiden, was Gott verhüte, soerhebt sich mein Volk, wie ein Mann auf meinenRuf, wie sein Volk sich auf seinen Ruf erhob.Solch Volk ist es werth und fähig, königliche Wortezu vernehmen, wie die, welche hier folgen, und wirdeinsehen, daß ich den Anfang meines Regimentsdurch keinen schöneren Akt, als die Veröffentlichungderselben bezeichnen kann." — Sie lauten also:
Mein letzter Wille.
Meine Zeit mit Unruhe, Meine Hoffnungin Gott!
Ln Deinem Segen, Herr, ist Alles gelegen!Verleih Mir ihn auch jetzt zu diesem Geschäfte,
Wenn dieser Mein letzter Wille Meinen in-!
nigstgeliebten Kindern, Meiner theuern Auguste undübrigen lieben Angehörigen, zu Gesichte kommenwird, bin ich nicht mehr unter ihnen, und gehörezu den Abgeschiedenen. Mögen sie dann bei demAnblicke der ihnen wohlbekannten Inschrift: —Ge-denke der Abgeschiedenen! — auch Meiner liebevollgedenken!
Gott wolle Mir ein barmherziger und gnädi-ger Richter sein, und Meinen Geist aufnehmen, denich in seine Hände befehle. Ja, Vater, in DeineHände befehle Ich Meinen Geist! In einem Jen-seits wirst Du Uns alle wieder vereinen, möchtestDu Uns dessen in Deiner Gnade würdig finden,um Christi, Deines lieben Sohnes, Unsers Heilan-des willen, Amen.
Schwere und harte Prüfungen habe Ich nachGottes weisem Rathschlusse zu bestehen gehabt, so-wohl in Meinen persönlichen Verhältnissen (insbe-sondere, als er mir vor 1? Jahren das entriß, dasMir das Liebste und Theuerste war), als durch dieEreignisse, die Mein geliebtes Vaterland so schwertrafen. Dagegen aber hat mich Gott: ewiger Danksei Ihm dafür! auch herrliche, frohe und wohl-thuende Ereignisse erleben lassen. Unter die ersternrechne Ich vor allen die glorreich beendeten Kämpfein den Jahren 1813, 1814 und 1815, denen das Va-terland seine Restauration verdankt. Unter die letz-tem, die frohen und wohlthuenden, rechne Ich ins-besondere die herzliche Liebe und Anhänglichkeit, unddas Wohlgelingen Meiner geliebten Kinder, so wiedie besondere unerwartete Schickung Gottes, Mirnoch in Meinem fünften Decennium eine Lebensge-fährtinn zugeführt zu haben, die ich als ein Mu-ster treuer und zärtlicher Anhänglichkeit öffentlichanzuerkennen, Mich für verpflichtet halte.
Meinen wahren, aufrichtigen und letzten DankAllen, die dem Staate und Mir mit Einsicht undTreue gedient haben, — Meinen wahren, aufrich-tigen und letzten Dank Allen, die mit Liebe, Treueund durch ihre persönliche Anhänglichkeit Mir er-geben waren. — Ich vergebe allen Meinen Feinden:auch denen, die durch hämische Reden, Schriftenoder durch absichtlich verunstaltete Darstellungen, dasVertrauen Meines Volkes, Meines größten Schatzes,(doch Gottlob nur selten mit Erfolg) mir zu entzie-hen bestrebt gewesen sind.
Berlin, den I.Dez. 1827.
Gez. Friedrich Wilhelm.
Auf Dich, Meinen lieben Fritz, geht die Bürdeder Regierungsgeschäfte mit der ganzen Schwereihrer Verantwortlichkeit über. Durch die Stellung,die ich Dir in Beziehung auf diese angewiesenhatte, bist Du mehr als mancher andere Thronfol-ger darauf vorbereitet worden. An Dir ist es nun,meine gerechten Hoffnungen und die Erwartungendes Vaterlandes zu erfüllen — wenigstens darnachzu streben. Deine Gesinnungen und Grundsätzesind mir Bürge, daß Du ein Vater Deiner Unter-thanen sein wirst.
Hüte Dich jedoch vor der so allgemein um sichgreifenden Neuerungssucht, hüte Dich vor unprak-tischen Theorien, deren so unzählige jetzt im Um-schwünge sind. Hüte Dich aber zugleich vor einerfast eben so schädlichen, zu weit getriebenen Vorliebefür das Alte, denn nur dann, wenn Du diese bei»