Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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Muleum lür preuhitche llaterlandskuttde.

Band KZ«

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Lief. 34.

Friedrich Wilhelm«!.,

König von Preußen.(Beschluß.)

Auch öffentliche Turnanstalten wurdenin mehrern Städten der Monarchie errichtet. Inseinem frommen Sinne war der König besondersfür die religiöse Erhebung seines Volkes durchzeitgemäße Veredlung der äußeren Formen desöffentlichen Cultus besorgt. Es wurden dazu Pres-byterien, Kreis-, Provinzial- und Generalsyno-den seit 1817 angeordnet, und bereits seit 1816 waren,zur Belohnung ausgezeichneter Dienste im geistlichenStande, zwei Bischöfe zu Berlin und Königsbergernannt worden. Auch die Vereinigung der luthe-rischen und refoimirten Kirche, seit der Reforma-tionsjubelfeier 1817, welche Friedrich Wilhelmdurch seine persönliche Theilnahme an der Grund-steinlegung des Luther-Denkmals zu Wittenbergverherrlichte, ist vorzüglich als sein Werk zu betrach-ten, wiewohl schon 1812 der Hofprediger Sack ineiner kleinen Schrift dringend dazu aufgefordert hatte.An demselben Tage, an welchem Luther vor 300Jahren seine 95 Sätze in Wittenberg angeschlagenhatte, erließ Friedrich Wilhelm, selbst Reformir-ter, den Aufruf zur Vereinigung der beiden Kir-chen.Es soll nicht die reformirte Kirche zur lutheri-schen," hieß es darin,noch diese zu'jener übergehen, son-dern beide sollen eine neubelebte, evangelisch-christ-liche Kirche im Geiste ihres Stifters weiden, undes wird das früher durch den unglücklichen Sekten-geist vereitelte Gelingen dieser Sache gehofft, unterdem Einflüsse eines besseren Geistes, der das Au-ßerwesentliche beseitigt, und die Hauptsache im Chri-stenthume, worin beide Konfessionen eins sind, fest-hält."

Die glückliche Verbindung der ältesten Prin-zessinn Charlotte mit dem Großfürsten, jetzigemKaiser Nie o laus, am 13, Juli 18l7, führte denhocherfreueten Vater, nach der Geburt des ersten En-kels, den 29. April 1818, zum zweiten Male nach Pe-tersburg, um persönlich seine Pathenstelle zu vertre-ten. Bei dieser Gelegenheit sah er auch das ver-jüngte Moskau. Hierauf folgten die Reisen zu denFriedens-Kongressen: im Oktober 1818 nach Aachen,von wo aus derKönig nochmals Paris besuchte; im Ok-tober 1820 nach Troppau, und gegen Ende des Jah-res 1822 nach Verona, von wo aus er Vene-dig, Rom, wo er auch den Papst sah, und Neapelbesuchte, und am 4. Januar 1823 wieber in Pots-dam eintraf.

Unterdessen schritt die Entwickelung des Staa-tes immer weiter fort. Das Ministerium der Po-lizei ward 1819 mit dem des Innern vereinigt, undein Re visions- und Ka ssotionshof für dieRheinprovinz errichtet, deren Rechtsinstitutionen derKönig mit der Erklärung aufrecht zu erhalten be-

fahl:Ich will, daß das Gute aufgesucht und bei-behalten werde, wo es sich auch finde, und gleich viel,welchen Ursprungs es auch sein möge." Wegender demagogischen Umtriebe ward 1819 nicht nureine Central-Untersuchungs-Kommission niedergesetzt,sondern auch zugleich die Schließung der Turn-plätze befohlen. Auch eine neue Censur-Verordnungerschien, nach welchereine ernste und bescheideneUntersuchung der Wahrheit" gestattet ward. 'DieVerordnungen des Jahres 1820 betrafen die ver-zinsliche Staatsschuld und die Verhältnisseder mediatisirten Reichsstände. In Berlin ward,unter dem Vorsitze des Kronprinzen, eine Reichsver-fassung entworfen, und das Museum der Alterthü-mer gestiftet. Wie 1821, in Folge der begonne-nen Vereinigung der lutherischen und reformirte«Konfessionen, die neue Kirchen-Agende in's Le-ben trat, so wurden auch die Verhältnisse der katholi-schen Kirche in Preußen durch ein Konkordat geregelt.

Höchst erfreulich für den König war, nachdemer den Staat so ruhmvoll und glänzend wiederher-gestellt hatte, am 17. November 1822, das 25 jäh-rige Regierungsjubelsest, welches von derMe-mel bis zur Mosel mit großer Freude gefeiert, durchHandlungen der Wohlthätigkeit verherrlicht, unddurch nützliche Stiftungen verewigt wurde, und dießmit allem Rechte, da jetzt in Preußen unter Fried-rich Wilhelm Ackerbau und Gewerbe, Kunstfleißund Handel, Wissenschaften und Künste so herrlichblühten. Der König selbst feierte den denkwür-digen Tag durch Vermählung der Prinzessinn A le-randrine mit dem Erbprinzen Paul Friedrichvon Meklenburg-Schwerin (-j-den 7. März, 1842).Noch größere Freude machte ihm am 29. November1823 die Vermahlungseines lieben Fritz" mit derreichbegabten Prinzessinn Elisabeth von Baiern.Außerdem ward dieses Jahr durch die Einführungder Provinzialstände in den Provinzen Preu-ßen, Brandenburg und Pommern für den Staatwichtig; im folgenden Jahre erfolgte sie in Schle-sien, Sachsen, Posen, der Rheinprovinz und West-falen, während in Berlin, Stettin und Königsbergdie ersten Landtage gehalten wurden.

Seit dem allgemeinen Frieden besuchte derKönig, zur Befestigung seiner Gesundheit, alle Jahreim Juni und Juli Teplitz, wo er wegen seiner kö-niglichen Freigebigkeit als zweiter Landesvater ge-liebt und verehrt wurde. Da lernte er die gebil-dete und edle Gräfinn Auqusta von Hariach(geboren den 30. August 1800) kennen, schätzenund lieben, und reichte ihr als Fürstinn vonLiegnitz und Gräfinn von Hohenzollern, am 9. No-vember 1824, in der Schloßkapelle zu Charlotten-burg, zur morganatischen Ehe die Hand. Die kö-nigliche Familie, wie das ganze Volk, war über dieseglückliche Verbindung hoch erfreut. Als solche be-währte sie sich besonders 1827, da den König ein

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