Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
183
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allein durch seine Theilnahme an öffentlichen Bau-ten bewährt, da seit Jahren nicht leicht ein öffent-licher Bau unternommen wurde, über dessen An-lage und Ausführung er nicht vorher sein Kunstur-theil abgegeben und zum Vortheil der Kunst ent-schieden hätte, sondern auch in dem reizenden Ehar-lottenhof, seinem Lustschlosse bei Potsdam, inder alterthümlichen Wiederherstellung der ehrwür-digen Marienburg in Preußen und des Schlos-ses Sto lzenfels am Nheine, so wie in der Sorgefür andere Meisterwerke des Mittelalters seinem edlenKunstgcschmacke redende Denkmaler gesetzt. Undwie er sich der vaterländischen Kunst in der Wie-derherstellung und Erhaltung ihrer alterthümlichenWerke und Ueberbleibsel als ein huldvoller Gönnerannahm, so ließ er auch seinen vielvermögendenSchutz den vaterländischen Alterthumsvereinen edel-müthig angedeihen: er schenkte seine Protektiondem thüringisch-sächsischen Alterthumsvereine, wardVorsteher der Gesellschaft für pommersche Geschichteund Alterthumskunde, Protektor des in Rom 1828gegründeten Instituts für archäologische Korrespon-denz :c.

Seine eigne Erfahrung vor Augen habend, undden Erben seines Thrones unabhängiger von allenRathgebein wünschend, damit er einst selbst sein er-ster Minister sein könne, führte der König den Kronprin-zen frühzeitig in alle Zweige der Staatsverwaltung ein,und wies ihm einen umfassenden Wirkungskreis an,welcher ihn in jeder Hinsicht für seinen künftigenRegentenberuf befähigen könnte. Er mußte in ein-zelnen Zeiträumen zugleich kommandirender Gene-ral des II. Armeecorps in Pommern, dessen Statt-halter und Mitglied des Staatsraths und des Staats-ministeriums sein, und allen Sitzungen dieser Cen-tral- und Gesetzgebungs-Instanzen beiwohnen. Mitder größten Anstrengung und Ausdauer arbeitete erin diesem umfassenden Berufskceise, sich jede Erho-lung versagend, und oft die späten Abendstundennoch wichtigen Betrachtungen widmend. So großwar aber auch das Vertrauen des Königs in seineEinsicht und Gesinnung, daß selten etwas Wichti-ges ohne seinen Rath zur Ausführung kam. Alsder König 1822 die Berathungen über die Art befahl,wie das Gesetz vom 22. Mai 1315 und der bezüg-liche Artikel der Bundesacte erfüllt werden sollten,ernannte er den Kronprinzen zum Vorsitzenden derKommission für Errichtung derProvinzialstände, undbei seiner Abreise zum Kongreß von Verona zuseinem Stellvertreter während seiner Abwesenheit.Wie der König den Kronprinzen sich gedacht undgewollt, spricht sein letzter Wille am beßten aus.In Pommern gewann er eben so sehr durch Wohl-wollen und Herablassung, als durch seine gemüth-lichen Reden, und überhaupt durch sein seltnes Red-nertalent, bei feierlichen Gelegenheiten, die Herzenaller Unterthanen. Ueber diese eifrige und anhal-tende Hingebung, mit welcher der Kronprinz inden Staatsgeschäfcen arbeitete, versäumte er keines-wegs die Angelegenheilen des Heerwesens, sondernschenkte auch diesem seine ganze Aufmerksamkeit,und nahm an den jährlichen Manövern, ohne sichzu schonen, den thätigsten Antheil. Er theilte da-bei alle Mühseligkeiten mit den Truppen, ließ sichsein Zeltgerälh nachkommen, und brachte mit sei-nem Eorps die Nächte in den Kantonirungcn undVivouacqs zu. Voll Freuden vernahm das preu-

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ßische Volk dieses Alles von so guter Vorbedeutungfür die Zukunft, ward davon mit hoher Begeiste-rung erfüllt, und begrüßte ihn daher, so oft er dieProvinzen seines künftigen Reichs bereiste, nicht nurmit allgemeinem, herzlichem Jubel, sondern gabihm auch die sprechendsten Beweise patriotischer An«hänglichkeit und Liebe. Am häufigsten besuchte erPommern, Preußen und Schlesien.(Beschluß folgt.)

G i s l e b e n,

einst Hauptstadt der Grafschaft Mannsfeld, jetztKreisstadt im mannsfelder Seekreise, Regierungsbe-zirk Merseburg, an der Klippe (Böse) und einerAnhöhe, unweit zweier Seen, gelegen, 1^ Meile vonMannsfeld, 4 Meilen von Halle, 5 Meilen vonMerseburg und 12 Meilen von Wittenberg entfernt,und als Luthers Geburts- und Sterbeort (geb. d.10. November 1483, -j- d. 18. Februar 1546) be-sonders merkwürdig, besteht aus der Alt- und Neu-stadt mit 5 Vorstädten und 5 Thoren, ist derSitz eines Landrathamtes, 1 Landgerichts 1. Klaffe,1 Berggerichts und des vereinigten mannsfelder-thü-ringischen Vergamtes, 1 Superintendentur, 1 Bibel-gesellschaft und 1 Postamtes, und zählt in 950 Häu-sern ungefähr 76l)l) Einwohner. Die Stadt hat 5Kirchen, 1 Gymnasium, 1 Bergschule, 1 Schullehrer-seminar, 1 Armcnfreischule, 2 Hospitäler :c. DerBergbau auf Silber und Kupfer, Landwirthschaft,bürgerliche Gewerbe und Kleinhandel nebst 4 Iahr-und Viehmärkten und lebhaftem Verkehr durch diedurchgehenden Landstraßen, sind die vornehmstenNahrungsquellen. Das beliebte, starke Bier, wel-ches die hiesige Brauerei ehemals unter dem Na-men Krabbe! an der Wand, (Krappel, voncr->r,»l», Rausch) lieferte, hat in neuern Zeiten seineBerühmtheit und Ausfuhr verloren. Auch die Sal-peter- und Potaschsieoereien sind eingegangen, nur1 Tabacksfabrik besteht noch.

Unter den Kirchen ist die Markt- oder An-dreas-Kirche dadurch merkwürdig, daß Luther inderselben Sonntags, den 14. Februar 1546, zum letz-ten Male predigte, vor seiner Abführung nach Wit-tenberg auf dem Paradebette lag, und sich die le-bensgroßen Bildnisse, die bronzenen Büsten Lu-thers und Melanchthons von Schadow aufPiedestalen vor dem Altare, und viele Grabmälerder Grafen von Mannsfeld befinden, so wie die inneuester Zeit schön und würdig hergestellte Peters-Kirche dadurch, daß sie den Taufstein noch auf-bewahrt, über welchem Luther getauft wurde, und3 Bildnisse desselben, ferner die seiner Aeltern, derKatharina von Vora und Melanchthons be-sitzt, und endlich die Nikolai-Kirche, daß siegleichfalls, außer 4 anderen merkwürdigen Gemäl-den, Luthers und Melanchthons Bildnisse ent-hält. Nach alter kirchlicher Observanz wird Lu-thers Geburtstag alljährlich in einer der hiesigenKirchen gefeiert.

Das hiesige Gymnasium hat Jahrhunderte hin-durch einen ausgebreitetenRuf behauptet. Schon 1525gründete Luther, im Auftrage des Grasen Al-brecht, bei der Andreaskirche 2 Schulen, unterdem 1592 hier geborenen bekannten i>l. Agricola,gewöhnlich Kl. Eis leben genannt. Als Luther

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