Mulenm lür preuhilche VaterlandsKunde.
Band II«
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Geschichtlicher Rückblick auf dieRheinprovinz.
Die Rheinprovinz, welche 1815 in die Pro-vinz Iülich-Cleve-Berg und das GroßherzogthumNiederrhein zerfiel, von den Niederlanden, West-falen, Nassau, Rheinhessen, Rheinbaiern, Frank-reich, Luxemburg und Belgien begränzt, ist ebenso interessant in den Jahrbüchern der Völker- undNaturgeschichte, in den Volkssagen und romantischenErzählungen, als ausgezeichnet durch Kunst- undNaturmerkwürdigkeiten aller Art, und zwar seit denZeiten des Alterthums, durch die Jahrhunderte desMittelalters hindurch, bis auf die Tage der Gegen-wart. Sie hat wahrend dieser Zeit einen merkwür-digen Wechsel der Herrschaft erfahren: sie war nachund nach ein Theil des römischen, fränkischen, lo-tharingischen und deutschen Reiches, der französischenRepublik, des napoleonischen Kaiserthums und desRheinbundes, der preußischen Monarchie und desdeutschen Bundes. Einige ihrer vornehmsten Städtewaren zu Zeiten Sitze römischer Kaiser, fränkischerund deutscher Könige, wie Trier, Andernach undAachen, und gehörten im Mittelalter zur Hansaund zum rheinischen Städtebund, in der republika-nischen Periode zur vorübergehenden cisrhenanischenRepublik unter französischem Schutze. —- Unter denRömern war diese Gegend ein Theil der belgischenProvinz, und führte seit dem Kaiser Augustusden Namen des unteren oder zweiten Germaniens.Hier wohnten aus dem linken Rheinufer die Tre-virer und Ubier; hier blüheten die Städte Trier,Koblenz, Andernach, Bonn, Köln und andere, wäh-rend auf dem rechten Ufer, wo Deuz und Mühl-heim, schon zu Cäsars Zeiten, beträchtliche Städteder Ubier waren, die Mattiaker, die Sigambrer,die Trenchterer, die Usipeter und Marsen an einan-der gränzten. Das römische Germanien schützten8 Legionen in ihren verschiedenen Lagerstätten,zu denen D rusus (11—9 v. Chr) noch 50 Ka-stelle auf den Anhöhen längs dem Rheine und sei-nen Nebenflüssen fügte. Nichts desto weniger dran-gen, seit dem Anfange des 3. Jahrhunderts, dieFranken und Alemannen über den Rhein und setz-ten sich in dieser römischen Provinz fest. Endlichvernichtete Klodwig 486 den letzten Rest der rö-mischen Herrschaft in Gallien, unterwarf sich 496,durch seinen Sieg bei Zülpich, die Alemannen undward hierauf der Stifter des mächtigen Franken-reiches. Nach ihm war diese Gegend der nordöst-liche Theil Australiens. Der Theilungsvertrag vonVerdun 843 trennte sie von der fränkischen Mon-archie, und schlug sie zum lotharingischen Reiche,dessen Hauptstadt Aachen war; darauf kam sie 889mit Lothringen wieder zu Deutschland, wo sie seit1512 Theile des oberrheinischen, burgundischen, kur-lheinischen und westfälischen Kreises ausmachte. Im
Revolutionskriege und luneviller Frieden 1891 rißsie Frankreich an sich, und bildete die DepartementsSaar, Ruhr, Rhein und Mosel daraus, welche es bis zurVertreibung der Franzosen aus Deutschland behauptete.
Zur Zeit der fränkischen Monarchie war dasLand in Gaue eingetheilt, welche unter Gaugrafenstanden. Als die Gauverfassung in Deutschlandaufhörte, traten an die Stelle der Gaugrafen, seitder Mitte des 11. Jahrhunderts, Grafen und Her«ren, welche sich nicht mehr von den Gauen, son-dern nach ihren Burgen nannten, und sich durchdas Erblichwerden der Lehen zu Gerichts- und Lan-desherren, zu Fürsten und Herzogen erhöbe«. Mitihnen strebten die geistlichen Herren und Stifternach dem Besitze von Ländereien. Schon am Endedes 11. Jahrhunderts gab es mehre solche Grafenund Herren, unter denen die Grafen von Vir»nenburg, Wied, Iülich, Cleve, Luxemburgund Isenburg, die Herren von Kempen ichund Ollbrücken und andere; im 12. Jahrhun-derte die Grafen von Are (an der Ahr), von Nur«bürg, von Hogsteden, von Rheineck, vonSann, von Bonn, von Treiß, von Altenaund Berg, von Sponheim und von Arden-nen, denen die Grafschaft Saarbrück gehörte; dieWild-, Rauh- und Rheingrasen, die Dy-nasten von Braunshorn und Covern, auf demMaienfelde (an der Moselmündung) die Pfalzgrafen,deren frühester Sitz Aachen war, und andere ge-nannt werden. Die Besitzungen der Erzbischöfe vonMainz, Trier und Köln lagen, mit anderen Stif-tern zerstreut, unter den hier entstandenen Gras-und Herrschaften und Dynastien. Außerdem warenauch Kammergüter, Reichsvesten, Burgen, Städte undDörfer dem Kaiser und Reiche unmittelbar unterworfen.
Von diesen Gebietstheilen und ehemaligenReichslanden begreift die Rheinprovinz folgende:die Herzogthümer Iülich, Cleve, Berg und Gel-dern, welche bereits im 1?. Jahrhunderte, mit Aus-nahme von Berg und Geldern, aus der cleve'schenErbschaft an Preußen sielen; das FürstenthumMors, welches 1792 preußisch wurde; Theile derKurfürstenthümer Mainz, Trier, Köln und Psalz;die Fürstenthümer Simmern und Veldenz; die Graf-schaften Aremberg, Vlankenheim, Gerolstein, Gim»born, Kerpen, Lommersum, Nieder-Isenburg, Neu-stadt, Saarbrück, Sann-Altenkirchen, Schleiden,Solms, Sponheim und Virnenburg; die Herrschaf-ten Wickenrad, Schwanenberg, Winnenturg, Beil-stein, Reichenstein ?c,; die Abteien Essen, Ellen,Werden, Laach, Prüm, Malmedy, Stablo undCornelimünster; endlich die Reichsstädte Aachen,Köln und Wetzlar, im Ganzen über 90 verschiedene'Gebietstheile. Im Jahre 1834 kam noch durchStaatsvertrag mit dem Herzog von Gotha das Für-stenthum Lichtenberg als Kreis St. Wendel imRegierungsbezirk Trier dazu.