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3 (1842)
Entstehung
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geliefert, eine gegen den Harz offne Halle, wo sicheine schöne Thallandschaft, mit reichen Dörfern über-deckt, welche der Riese des Harzes, der Brocken,begränzt, vor den Blicken des Beschauers ausbreitet.

Die neue friedlich - werdersche Kirchein Berlin.

Mitten unter Prachtgebäuden, nicht nur eineherrliche Zierde der kunstreichen Königsstadt, sondernauch ein schönes Denkmal des religiösen Sinnes,mit welchem FrieorichWilhelm III. so viel fürden äußeren Cultus gethan hat, steht die neuefriedrich-werdersche Kirche da, und ist zugleichinteressant als ein Seitenstück zu den altgothischenDomen, da sie im modern gothischen Style aufge-führt ist. Die alte Kirche war baufällig geworden,und die Gemeinde hatte nicht Mittel genug, sichein würdiges Gotteshaus zu erbauen; da ließ dereben so landesväterlich als religiös gesinnte Königauf derselben Stelle, wo die alte Kirche stand,diese neue, nach der Zeichnung des O. B. Dir.Schinkel, von 1821 bis 1830, aus gebranntenSteinen aufführen und sie im Aeußeren und In-neren würdig ausschmücken. Der Bau ward, unterSchinkels Oberaufsicht, vom Baurath Moserund Kondukteur Hesse geleitet.

Das Gebäude hat eine Länge von 199 Fuß,während die Breite 60 Fuß beträgt. Die Haupt-fronte zieren 2 viereckige Thürme, welche, in glei-cher Linie mit dem Dache sich erhebend, 2 Stock-werke über demselben hervorragen und eine Höhevon 134 Fuß erreichen. Sie sind, wie die obereGesimslinie der ganzen Kirche, mit einer durchbro-chenen Galerie und mit kleinen Tpitzthürmchen ver-ziert, die in Knöpfe mit Spitzen auslaufen. Eineähnliche Galerie verbindet beide Thürme über demKranzgesimse, welches den Raum zwischen den bei-den Thürmen schmückt, worin das Hauptfenster an-gebracht ist. In den Thürmen, von welchen maneine schöne Aussicht auf Berlin genießt, befindensich die Glocken und das Uhrwerk. An der Uhrist bemerkenswerth, daß die Weiser an den beidenKreisen sich nicht auf einem Zifferblatte, sondernauf der blosen Mauer bewegen, und daß sie sowohlals die Ziffern nur durch den Glanz der Vergol-dung hervortreten, Der Hauptemgang in dieKirche ist unter dem Hauptfenster zwischen den Thür-men, und besteht aus 2 Thüren, welche mit Spitz-bogen überwölbt sind, die auf Pfeilern mit Kapi-tälern ruhen. Wo die Bogen an einander stoßen,ist die 10 Fuß hohe Statue des Erzengels Mi-chael, wie er den Drachen bekämpft, als Zierrctthund Ruhepunkt für's Auge angebracht. Sie istvon E. Wichmann modellirt, und in der berli-ner Ofen-Fabrik Feilners gebrannt worden. Ausdieser sind auch die Thüren - und Fensterrosettenund die Verzierungen in dem großen Bogenfensterüber den Eingangsthüren. Das nördliche Ende

der Kirche lauft in ein Fünfeck aus, welches dasChor bildet. Jede der beiden Seiten wird ebenfallsdurch 5 hohe Fenster erhellt, die in gleicher Höhemit dem Gesimse des unteren Stockwerkes der Thürmebeginnen. Eben so viele, aber nicht so breite Fen-ster befinden sich im Fünfeck. Im oberen Theileder Fenster sind die Spitzbogen mit reichen, aus ge-branntem Thone gefertigten Verzierungen versehen.Der Seiteneingang in der Niederlage-Wallstraßehat, wie der Haupteingang, gußeiserne, bronzirteThürflügel, welche Engel und andere heilige Ge-stalten, von Tieck modellirt, vorstellen. Das Dachist mit Zink, nach der neuen Methode des Bauin-spektors Bürde, gedeckt.

Das Innere der Kirche, 51 Fuß breit, 189 Fußlang und 77 Fuß hoch, ist einfach erhaben, ohneprunkende Verzierungen. Bis zum Gewölbe, wel-ches von 14 Pfeilern getragen wird, ist sie mitgrauer Sandsteinfarbe, im Gewölbe selbst mit ro-ther Farbe des gebrannten Thones angestrichen.Hinter den Pfeilern, zwischen welchen die Breitedes Schiffes 35 Fuß 6 Zoll mißt, befinden sich4^ Fuß breite Gänge; über denselben sind die Chor-logen, eben so schön gearbeitet, als die hölzernenTreppen, welche auf beiden Seiten, am Ende derGänge, zu denselben führen. Die Kirchenstühle,die Kanzel und die Emporkirche sind von Eichen-holz, mit glänzendem Firniß überzogen. Die Or-gel, zuerst von dem berühmten Orgelbauer Wag-ner verfertigt, dann von dem berliner OrgelbauerBuchholz vergrößert, hat 33 klingende Register,3 Manuale und 1 Pedal, und ist so aufgestellt,daß das große Bogenfenster, vor dem sie über demHaupteingange steht, nur wenig von seinem Lichteverliert. Die 5 Chorftnster im Fünfeck, mitGlasmalereien verziert, welche 7 Fuß hohe Engels-siguren, vom Maler Müller, darstellen, verbreitendurch ihre Farben ein angenehmes Licht über denAltar und das ganze Chor. Eben so prangen undleuchten die bunten Scheiben der 19 Fenster desSchiffes, besonders das Hauptfenster, mit den pracht-vollsten Farben in den Rosetten. Das Altarge-mälde,die Auferstehung Christi" ist eine großar-tige, imposante Komposition von Begas. Zu bei-den Seiten desselben befinden sich die lebensgroßenBilder der 4 Evangelisten von dem jüngeren Scha-de w. An der Chorbrüstung, unter der Orgel,erblickt man ein allegorisches Bild von Wach:Glaube, Liebe und Hoffnung. Der Tauf-stein, von carrarischem Marmor, auf einer pris-matischen Säule aus schwarzem Marmor ruhend,deren Fuß ein Kranz von weißem Marmor mit ei-ner eckigen Grundlage bildet, ist ein Werk Rauchsund ein Geschenk des Banquier Schulze, währenddas Taufbecken, eine mit Gold plattirte Schüs-sel, von den H. H. Hensel und Schumann ge-schenkt wurde. So macht diese Kirche, durchihre natürliche, aber erhabene Einfachheit, Helle undFreundlichkeit, auf den Eintretenden einen wahrhafterhebenden Eindruck.

Hierzu als Beilagen:

1) Friedrich Wilhelm III., König von Preußen. 2) Aeußere Ansicht der neuenfriedr ich-werderschen Kirche in Berlin. 3) Innere Ansicht derselben.

Verlag von Eduard Pi«tzsch u, Comp, in Dresden, Druck von N. G. Teubner in Dresden,