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auch Steige in seinen „Denkwürdigkeiten vonBolkenhain" Hirschberg, 1795, davon erzählt. Nurso viel weiß man mit Bestimmtheit, daß der er-wähnte Thurm, als Warte schon seit der Mitte des11. Jahrhunderts, unter dem Namen „Hunger-thurm" vorhanden war. Wie bei ahnlichen Thür-men in anderen Gegenden, führt keine Thüre indenselben, sondern Sachen und Personen wurden,vermittelst eines Räderwerkes, hinaufgezogen. Erstin einer gewissen Höhe führen, innerhalb der di-cken Mauern, Treppen weiter hinauf. Durch jeneOesfnung sieht man eine schaudervolle, dunkle Tiefe,wo vor Zeiten das Burgverließ war. Ueber dem-selben erblickt man eine kleine Oesfnung, welche einstmit einem eisernen Deckel bedeckt war, und durchdiese wurden die unglücklichen Opfer der Grausam-keit hinabgestürzt.
Nach Einigen ließ Boleslav der Langedas bis auf den Thurm verwüstete Schloß 1165wieder herstellen, nach Anderen Heinrich II. vonBreslau neben dem Thurme erst eine feste Burgerbauen, und ernannte Stephan von Reichenbergzum Burggrafen. Bei derselben entstand der Fle-cken Hain. In demselben ließen sich 1206 auchTempelherren nieder. Als die Mongolen 1241 vonLiegnitz her auch in diese Gegend kamen, branntensie am 29. April den Flecken nieder, und durch ei-nen heftigen Wind, welcher gerade wehete, gingauch die Burg in Flammen auf. Boleslav derKahle, Heinrichs II. Sohn und Nachfolger, ließnur für den Burggrafen eine kleine Wohnung bau-en, und erst Bolko I. von Löwenberg (5 1303)die Burg 1292 wieder herstellen, indem er sie zurGränzveste gegen Böhmen bestimmte. Auch befestigteer den Flecken Hain und verlieh ihm zugleichStadtgerechtigkeit. Den Tempelherren, welche inder Schlacht bei Wahlstatt so tapfer gefochten hat-ten, daß nur 6 wieder zurückkehrten, bauete er1294 die Propstei zum heiligen Geist, und der hei-ligen Hedwig zu Ehren 1298 die Pfarrkirche.Sein Sohn Bernhard nannte 1312, ihm zu Eh-ren, Stadt und Burg nach seinem Namen. UnterBolko II. mußte die Burg eine harte Belagerungaushalten, da König Johann von Böhmen denHerzog nicht nur zur böbmischen Lehnshoheit zwin-gen, sondern auch die Burg, in welcher sich derherzogliche Schatz befand, gern einnehmen wollte.Es gelang ihm aber nicht. Nach dem Aussterbender herzoglichen Familie 1392 siel die Burg anBöhmen, und der König Wenzel ließ hieraus dieherzoglichen Schätze nach Prag abführen. — ImJuli 1428 erschienen die Hussiten vor Bolken-hain, und da sich die Stadt nicht mit ihnen ge-gegen den Kaiser Sigismund verbünden wollte,begannen sie die Belagerung, welche am 29. Augustdie Erstürmung beider und die Einäscherung derStadt zur Folge hatte. Nach dieser Zeit befestigtesie der Burggraf Niksch von Warnsdorf 1462wieder, und bewog auch die Bürger, mit ihm ge-gen Georg Podiebrad, dem man nicht huldigen
wollte, gemeinschaftliche Sache zu machen. Als da-her die Böhmen 1463 anrückten, flüchteten sich dieBürger in die Burg, und Warnsdorf vertheidigtesich tapfer und glücklich, bis sie Georg selbst mitUebermacht durch nächtlichen Uebersall nahm. Erernannte hierauf Hans von Ezirna zum»Buig-voigt, und dieser trieb, gleich anderen Burgherren,Raubfehden. Daher verbündeten sich 1468 Bres-lau, Schweidnitz und Iauer gegen ihn, erstürmtennach 8 Tagen, am 23. Juni, Stadt und Burg undbestraften den gefangenen Raubritter mit dem Todeam Galgen.
Nach dem Tode des Königs Matthias vonUngarn 1490 löste sich das sogenannte schwarzeHeer in Schlesien in Räuberbanden auf, und einedieser bemächtigte sich unter vielen anderen Burgenauch Bolkenhains. Der Herzog Kasimir vonTeschen wollte sie daraus vertreiben, mußte abernach 6monatlicher Belagerung ihren Abzug erkaufen.Es folgten hierauf, unter dem König Wladis-lav II. mehre Burgvoigte, unter denen Michaelvon Tzschirnhaus, von 1506 bis an seinenTod 1528, die Stadt sehr drückte. Nach aberma-ligem Wechsel mehrer Burgvoigte ward sie 1599 Ei-genthum eines Jakob von Zedlitz auf Nimmer-satt, und von diesem hatte die Stadt wieder vielzu leiden. Neue Drangsale trafen Stadt und Burgim 30jährigen Kriege, indem zuerst die Kaiserlichen1632 in der Osterwoche einen verderblichen Brandveranlaßten, dann 1633 die Pest die unglücklichenEinwohner heimsuchte, und endlich die Schweden,seit 1646, sie mehrmals den Kaiserlichen zu ent-reißen suchten. Am 19. September 1644 stürmtenund plünderten die Schweden die Stadt, und be-rannten auch die Burg, aber vergeblich. Endlichmußte sich die bis auf 51 Mann zusammengeschmol-zene Besatzung, den 26. September nach hartnackigerVertheidigung, an den schwedischen General Wit-tenberg ergeben, und die Bürger sich Mann fürMann mit 8 Dukaten loskaufen. Dazu mußtensie die Kirchenglocken verkaufen. Seitdem blieb esim Besitze der Schweden bis zu ihrem Abzüge am5. August 1650. — Von der Familie von Zed-litz kaufte die Burg, nebst Zubehör, das grüssauerStift für 142,060 schlesische Gulden, und behieltsie bis zur Aufhebung der Klöster 1810. Seit demTode des letzten Burggrafen Karl Heinrich vonZedlitz ward nichts für ihre Erhaltung gethan,und sie verfiel mehr und mehr durch Ungewitter.Am 4. August 1720 schlug der Blitz in das höl-zerne Schloßthürmchen, welches dadurch in Flammenaufging, und diese verzehrten zugleich die Zimmerdes vorderen Schloßfiügels. Ein zweiter kalterSchlag, der am 13. Juni 1724 erfolgte, richtete neueZerstörung an. Seit dieser Zeit sank die Burg im-mer mehr in Trümmer, und ist seit 1810 ganzverödet. Noch am 16. Okt. 1814 stürzte, bei einemheftigen Sturme, ein beträchtlicher Theil zusammen.Als eine Zierde der Gegend verdiente sie wohl, vorgänzlicher Zerstörung bewahrt zu werden.
Hierzu als Beilagen:1) Graf Neidhard von Gneisenau. 2) Glogau. 3) Volkenhain mit der Bolkoburg.
Veilag von Edu»rd Pietzsch u, C»mp, in Dresden, — Druck von B. G, Teubnei in Dresden,