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stungen zuerst vor Glogau, welches seit dem 21.Okt. unter dem Kommandanten von Marwitz inVertheidigungszustand gesetzt worden war, aberschon den 2. Dezember unvertheidigt von ihm über-geben wurde. Da die Festung, auch nach dem til-siter Frieden, im Besitze der Franzosen blieb, underst den IN, April 1814 durch Kapitulation über-ging; so mußten die Einwohner den Leidenskelchbis auf die Neige leeren, indem sie nicht nur denharten Druck der französischen Herrschaft, sondernauch die schweren Leiden einer langen Belagerungzu erdulden hatten. Am IN. April 1812 kam derKönig Ierome nach Glogau, und sein 36stün-diger Aufenthalt kostete der Stadt in baarem Gelde1191 Thlr., während die Kosten für den Aufenthaltdes Herzogs von Abrantes vom 8. April biszum IN. Mai auf 2256 Thlr. stiegen. Dagegenwar Napoleon, auf seiner Flucht aus Rußland,sehr bescheiden. Er kam am 12. Dez. Abends um8 Uhr, unter dem Namen des Herzogs von V i-cenza, nach Glogau, genoß nur etwas Speise,schlief 3 Viertelstunden, und setzte um IN Uhr sei-nen Weg nach Dresden fort. -— Ihm folgtenbald Ueberbleibsel der großen Armee durch dieStadt zu Fuße, zu Pferde und zu Wagen, in denabenteuerlichsten Auszügen, mit Fellen von Katzen,Hunden, Schafen, Bären und Füchsen, so wie mitWeiberröcken, Tapeten und Shawls sich gegen dieKälte schützend. Den 2N. Febr. 1813 wurde dieFestung in Belagerungszustand erklärt, und biszum 6. Mai war das Elend schon so hoch gestie-gen, daß 4NN Einwohner aus Mangel an Lebens-mitteln die Stadt verlassen mußten. (S. GlogausSchicksale von Dietrich, Glogau, 1815). — Sehrverderblich waren auch für Glogau die Jahre1825, 1827,1829,183N und 1831 durch Ungewitter,Schloßen, Hagel, Wolkenbrüche und Überschwemmun-gen. Noch ein Unglück traf Glogau 1831 den 7.Sept., indem der 118 Fuß hohe Thurm der Dom- undPfarrkirche einstürzte; doch ward die Stadt von derdarauf auch in Schlesien ausbrechenden Cholera nichtheimgesucht, und blühete seitdem innerlich und äu-ßerlich immer schöner auf. — Glogau ist derGeburtsort der Dichter Andreas Gryphius(geb. 1616, als Landsnndicus des Fürstenthums da-selbst gest. 1664;) und Paul Winklcr (geb. 1630,gest. 1686 zuVreslau;), des Prälaten von Felbi-ger, welcher sich große Verdienste um das katho-lische Schulwesen in Schlesien und Oestreich er-warb, geb. 1724, gest. 1788 in Preßburg; des be-rühmten Bibliographen und Mitbegründers der all-gemeinen Encyclopädie, Ersch, geb. 1766, gest. 1828inHalle, und des Professors der Medicin L.W. Sachsin Königsberg, geb. 1787.
Bolkenhain mit der Bolkoburg.
Beide haben eine eben so angenehme undselbst romantische Lage, als freundliche und merkwür-dige Umgebungen. Bolkenhain, eine kleine, wohl-gebauete, mit hohen Mauern umgebene, Kreisstadt,mit 2 Vorstädten und 2 Thoren, 1 evangelischenKirche seit 174N und 2 katholischen Kirchen, liegtim Regierungsbezirk Liegnitz, 2^ Meile von Iauer,4 Meilen von Liegnitz und IN Meilen von Bres-lau, an der wüthenden Neiße, über welche eine
steinerne Brücke führt, und am Fuße des Berges,von welchem die Trümmer der Bolkoburg überdie Hauser der Stadt in das volkreiche Thal vonNimmersatt und über Schweinhaus in dieEbene von Iauer schauen, und zählt in mehr als2NN Hausern über 16NN Einw. (worunter ungefähr3N0 Katholiken), welche sich hauptsächlich von Garn-und Getreidehandel, Tuchmachern, Band- undLeinweberei, Bierbrauerei und Gerberei nähren.Man hält mehre Jahr- und stark besuchte Wochen-,Garn- und Getreidemärkte. Auch hat die Stadt1 Steueramt, 1 Stadt- und Landgericht, und ist derSitz des Landralhamtes. — In der Sakristei derkatholischen Pfarrkirche zu St. Hedwig befindet sichein geheimnißvoller Kalender, vom Erzpriester Jo-hann Langer 15NN verfaßt, und mit buntenTinten geschrieben. >—
Historisch und physisch merkwürdige Oerter inder Nähe von Bolkenhain sind die Dörfer:Nimmersatt mit gartenähnlichem Kirchhofe undenglischen Anlagen um die Burg, mit älterem undneuerem Theile; Schweinhaus mit der gleichna-migen Burgruine, einer der weitläufigsten in Schle-sien, einst Sitz der Herren von Schweinichen,unter denen der bekannte liegnitzische Rath Hansvon Schweinichen durch Büschings Schrift:„Lieben, Lust und Leben der Deutschen des 16.Jahrhunderts, in den Begebenheiten des schlesischenRitters Hans von Schweinichen" ein geschicht-liches Denkmal erhalten hat; Wiesau, 1 Stundevon Bolkenhain, hat seit 1833 einen kaltenSchwefel-Salzbrunnen; die Stadt Hohenfriede-berg, 1^ Meile von Bolkenhain, zwischen wel-cher und Striegau, Friedrich II. am 4. Juni1745 einen glänzenden Sieg über den Herzog Karlvon Lothringen erfocht, u. a.
Aus der Stadt führt der Weg zum Oberthorhinaus auf die Bolkoburg, welche doppelte Mau-ern mit runden Thürmen umgeben, deren äuß«emit der Stadtmauer in Verbindung steht. Durch einenges Gäßchen gelangt man zur Kapelle, und hier-auf zum Häuschen des Führers beim Burgthore.Die innere Mauer umschließt einen großen Hof,auf welchem sich ein tiefer Brunnen befindet. Da-selbst erblickt man in den wüsten, aber festen Ba-saltmauern die Gemächer, Gewölbe und Keller.Halb verfallene Treppen führen in die bis 1810von einem Beamten bewohnten Zimmer. Ueber we-nige Reste des größtentheils herabgestürzten Estrichs,über morsche, zerfallene Balken und unter einertheilweise herabgefallenen Decke steigt man zur Fen-stermauer, wo man eine schöne Aussicht genießenkann. Zu demselben Zwecke kann man auch, mitHilfe einer angelegten Leiter, den 15N Fuß hohen,halb runden und halb viereckigen Thurm besteigen.Die Russen haben 1813, in der Hoffnung, ver-borgene Schätze daselbst zu finden, in die 16 Fußdicke Mauer desselben eine Oeffnung gemacht undüberhaupt bei dieser Gelegenheit Manches, was sichnoch erhalten hatte, so wie auch die wenigen Ge-mächer, welche von den grüssauer Aebten bis 181Nnoch dürftig unterhalten wurden, vollends zerstört.
Die Geschichte der Burg und Stadt ist ganzverflochten, und die letztere theilte die Schicksaleder ersteren so sehr, daß sie durch dieselbe mehr-mals in die größte Noth geriech. Die Erbauungder Burg ist aber dunkel und ungewiß, so viel