Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
165
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Glogau, wo sich Boleslav aufhielt, wagte aberauch dieses Mal keinen Sturm auf die verschanzteSmdt. Nicht glücklicher war Kaiser Heinrich V.im Kriege gegen Boleslav lll., welcher in derErbtheilung Schlesien erhalten hatte, bei seiner Be-lagerung Glogau s 1109; die Glogaucr verthei-digten sich, auf Befehl ihres Herzogs, so tapfer, daßder Kaiser, als Boleslav zum Entsatze heran-rückte, die Belagerung mit großem Verluste aufhe-ben mußte. Doch hatte die Stadt durch die Be-lagerung so gelitten, daß sie Boleslav hierauf amlinken Odcrufer neu aufbaute, während der BischofHaimo um 1120 den Dom errichtete. Auch derdänische Graf Peter Wlast machte sich damalsdurch Erbauung einer Kirche um Glogau verdient. Im Kriege Boleslavs IV. mit dem KaiserFriedrich I. ward die Stadt von den Polenselbst angezündet, aber auch bald wieder aufge-baut.

Seit dem Jahre 1163, wo Schlesien an dieSöhne WladiSlavs II. kam, wechselten häusigGlogaus Besitzer. Zuerst besaß es Boleslavder Lange, dann seit 1178 sein Bruder Konrad I.,und nach dessen Tode nahm es der Erstere wiederin Besitz. Unter der Regierung Heinrichs I. undHeinrichs II., seines Sohnes, verstrichen, bis zumRaubzuge der Mongolen, 1241, glückliche Jahredes Friedens, aber erst 1252 erschien für Glogaueine bessere Zeit, als Konrad II. (1252 1273),Heinrichs II. 3. Sohn, die Stadt zu seiner Re-sidenz machte, sie von der geistlichen Gerichtsbar-keit loskaufte, und ihr deutsches Recht gab. Aucherbaute er auf einer Oderinsel die Domkirche undüberließ die bisherige Kollegiatkirche in der StadtDominikanermönchen, zu denen sich später nochFranziskaner gesellten. Seitdem nahm Glogaubald eine Stelle unter den großen Städten Schle-siens ein. Schon bisher hatten der Bischof vonVreslau und die Stiftsherren in Glogau bedeu-tende Einkünfte aus den Fleischbänken, Gasthöfenund Märkten gezogen. Mit Kon rad II. begannauch die fortlaufende Reihe der plastischen Herzogevon Glogau, welche mit Johann (Hans) II.von Priebus und Sagan 1564 ausstarben. Hein-rich III. folgte auf seinen Vater Kon rad II. von 1273bis 1368. Herrschsüchtig und roh, wie sein Zeit-alter, ließ er, durch schändlichen Ueberfall, seinenVetter Heinrich V. von Breslau, den 9. Oktober1293, gefangen nehmen, und zu Glogau in ei-nen mit Eisen beschlagenen Kasten sperren, in wel-chem dieser weder stehen, noch liegen, und nurdurch eine Oeffnung Speise und Trank erhaltenkonnte. Erst am 9. April 1294 gab er ihm seineFreiheit wieder, als ihm Heinrich V., mit Ver-wesung am lebendigen Leibe bedroht, namhafte Län-dereien abgetreten hatte. Heinrich lll. regierteübrigens seine Länder gut, und steuerte durch Strengeden Räubereien des Adels, so daß man in seinemGebiete sicher reisen konnte. ^

Von seinen 5 Söhnen erhielt Przimislausoder Primko Glogau. Er widersetzte sich stand-haft, des Königs Johann von Böhmen Vasallzu weiden, und sagte endlich zu dessen Abgeordne-ten:Ich will lieber als freier Fürst am Bettel-stäbe aus Schlesien gehen, als meine Freiheit ver-kaufen, und unter einem fremden Könige dienstbarwerden." Indessen starb er schon 1331, ohne

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Leibeserben, wie man sagt, an Gift. Seine Brü-der und Erben waren bereits böhmische Vasallen,und so kam auch Glogau schon 1332 unter Böh-mens Hoheit. Noch schlimmer war es, daß dieStadt mit ihrem Gebiete halb an Heinrich IV.(^ 1338) von Sagan, unter dessen Regierung 1336eine Schule an der Pfarrkirche errichtet wurde, undhalb an Johann von Steinau siel, da der Letz-tere seinen Antheil an den König von Böhmenverkaufte, und dieser sich hierauf, als jener die gut-willige Abtretung der anderen Hälfte verweigerte,mit Waffengewalt in den Besitz setzte. KaiserKarl IV. gab jedoch seinem Sohne HeinrichV. dem Eisernen das Entrissene zurück. DenBeinamen erhielt er von seiner eisernen Strenge,mit welcher er gegen den rohen Adel verfuhr. ImAlter warb er blind, und dieß benutzten die er-bitterten Adlichen, um Rache an ihm zu nehmen.Einige fingen den blinden Greis auf, mißhandeltenihn, steckten ihn zuletzt zu Iakobskirche bei Glo-gau in einen Keller, aus welchem ihn >edoch dieGlogauer, auf die Anzeige des Dorfschulzen, wiederbefreiten. Nach seinem Tode 1369 theilten sichseine 3 Söhne, Heinrich VI,, VII. und VIII., indie Besitzungen; der jüngste überlebte die älterenund vereinigte 1389 die getheilten Länder wieder.Von seiner zahlreichen Nachkommenschaft erhielt erden Beinamen Sperling. Sein Sohn Hein-rich IX. übernahm die eine Hälfte von Glogau,während die andere, seit 1383, durch kaiserlicheVerleihung, einem Herzoge von Teschen gehörte.Heinrich IX., welcher von 1397 bis 1423 regierte,folgte sein Bruder Heinrich X. (1423 1461)von Freistadt, und zeichnete sich durch Weisheitund Staatsklugheit aus. Während des Hussiten-krieges gewann Glogau, mit den übrigen großenStädten, an Macht und Ansehen. Denn Hein-rich war der einzige schlesische Fürst, welcher seinGebiet vor den Einfällen der Hussiten, wie vorinneren Fehden, zu bewahren wußte. Sein SohnHeinrich XI. hinterließ 1476 eine 12jährige Ge-mahlinn, die Tochter des Kurfürsten AlbrechtAchilles von Brandenburg, welcher hierauf, krafteines Testaments, worinHeinrich seine Gemahlinnzur Erbinn eingesetzt hatte, das Land in Besitz nahm.Allein die Könige von Böhmen und Ungarn, sowie der Herzog Johann II. von Sagan, mach-ten es ihm streitig, und ein mehrjähriger verheeren-der Krieg war davon die Folge. Endlich schloß1481 Johann mit Matthias Eorvinus vonUngarn zu Glogau einen Vergleich, worin dieserihn mit Glogau lc. belehnte. Johann machtesich aber nicht nur durch Grausamkeit und Hartebei seinen Unterthanen verhaßt, sondern zerfiel auch,da er nach dem Besitze von ganz Schlesien strebte,zuletzt mit Matthias Eorvinus. Um sich zuverstärken, vermählte er 1488 zu Glogau seine3 Töchter mit den 3 Söhnen Heinrichs von Mün-sterberg. Es kam nun im Mai 1488 zum Kriege,in welchem Glogau eine harte Belagerung, beiwelcher Johann die Vorstädte und die Dominselabbrannte, ausstehen mußte. Vorher hatte er denalten Rath ab« und einen neuen aus lauter ein-fältigen und unwissenden Leuten eingesetzt. Als derneue Bürgermeister, ein Gerber, ihm erklärte, erfühle sich nicht geschickt zu diesem Amte, antworteteJohann:eben solche Pinsel will ich haben, die