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Muleum für preuhilche llaterlandskunde.
Band III
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Lief. 31.
Geschichtliches über die ProvinzWestfalen.
Derjenige Landstrich, welcher seit Jahrhunder-ten den Namen Westfalen führt, hatte sonst einenweit größeren Umfang, als das spätere Herzogthumdieses Namens. Die ersten geschichtlich bekanntenEinwohner des Landes waren die Brukterer undCherusker. Hermann, der Cheruskerfürst, wardunter dem Kaiser Augustus durch seinen Siegim teutoburger Walde, im 9. Jahre nach ChristiGeburt, der Befreier Deutschlands vom Römer-joche. Seit dem 5. Jahrhunderte breiteten sich dieSachsen, welche vorher an der Ost- und Nordseewohnten, zwischen der Elbe, Weser und dem Rheineaus, und nannten sich, nach den beiden Falen(Völkern) im Osten und Westen der Weser, Ost-und Westfalen, im teutoburger Walde und Weser-thale Engern, und jenseit der Elbe Nordalbingier.Von diesen hat sich nur der Name der Westfa-len, so wie ihre Nationalität, am meisten erhalten.Das alte Herzogthum Westfalen, ursprünglich mitEngern das Gebiet Wittekinds, später zumHerzogthum« Sachsen gehörig, kam 1189, nach derAechtung Heinrichs des Löwen, an Kurköln.Hier hatten, während des Mittelalters, die soge-nannten heimlichen Gerichte, die heilige Veme,ihren Sitz (s. Bor. Bd. II. S. 97), und führtendaher auch den Namen der westfälischen Gerichte.Der Herzog von Westfalen war der oberste Stuhl-richter der berüchtigten Freistühle; im Baumhofevor dem Schlosse zu Arensberg, wie zu Dortmundauf rother Erde, versammelten sich die gefürchtetenRichter aller Freistühle, welche 190,999 Wissendezählten. — Auch der westfälische Kreis erhielt,bei der Eintheilung Deutschlanos in 10 Kreise durchMaximilian!. 1512, ob er gleich nicht dasHerzogthum Westfalen mitbegriff, welches als Zu-behör von Köln zum turrheinischen Kreise gerechnetwurde, von demselben seinen Namen, umfaßte da-gegen mehre Landstriche jenseit des Rheines, undward deßhalb auch der niederrheinisch-westfälische ge-nannt. Zu demselben gehörten die HerzogthümerIülich, Cleve, Berg und Oldenburg, die Bistbü-mer Münster, Osnabrück, Paderborn, Minden, Lüt-tich, Verden, die Abteien Corvei, Stablo und Mal-medy, die Fürstenlbümer Mors und Ostfriesland,Siegen :c., die Grafschaften Oldenburg, Ravens-berg, Mark, Hoya, Diepholz, Schauenburg, Lippe,Bentheim, Tecklenburg, Lingen, Steinfurt, Rittberg,und viele kleinere weltliche und geistliche Herrschaf-ten, nebst den 3 Reichsstädten Dortmund, Kölnund Aachen, überhaupt mehr als 69 einzelne Be-standtheile. — Der geistlichen Herrschaft in Deutsch-land gab der westfälische Friede, von 1645—1648 zwischen den Hauptmächten des 39jährigenKrieges, Oestreich, Schweden und Frankreich, zu
Osnabrück und Münster unterhandelt und geschlos-sen, durch die Sekularisation den ersten Stoß, sowie er auch das heilige römische Reich deutscherNation selbst in seinen Grundfesten erschütterte. —Nachdem durch den lüneviller Frieden auch nochdie 3 geistlichen Kurfürstenthümer sekularisirt wordenwaren, ging 1892 das Herzogthum Westfalen vonKöln auf Hessen-Darmstadt über und blieb beidemselben bis 1816. — Nach dem tilsiter Frie-den 189? errichtete Napoleon, der gern seineneuen Staaten mit alten Namen schmückte, ausalten westfälischen und anderen Gebietstheilen dasKönigreich Westfalen. — Nach der Vertreibungder Franzosen aus Deutschland 1813 besetzte Preu-ßen zuerst seine alten westfälischen Besitzungen undbildete daraus 1815 die Provinz Westfalen, welche1816 durch das Hessen-darmstädtische Herzogthumnoch vergrößert wurde und nun mit desto größeremRechte diesen Namen führte.
Diese Provinz oder das Herzogthum Westfa-len liegt größtentheils im ehemaligen westfälischenKreise und ist aus sehr verschiedenartigen Landes-theilen, wie dieser, zusammengesetzt. Zu den alt-preußischen Besitzungen gehören zuerst die mit derjülich-cleveschen Erbschaft, unter dem KurfürstenJohann Sigismund, 1699 an Brandenburggefallenen Grafschaften Mark und Ravensberg; danndas 1648 im westfälischen Frieden als Entschädi-gung für das schwedische Pommern als Fürstenthumüberlassene Hochstist Minden, ferner ein Theil derGrafschaft Lingen, 1792 aus der oranischen Erb-schaft, die Grafschaften Tecklenburg 1797 undLimburq 1713 durch Kauf erworben. Dazu ka-men 1892 durch den Reichsentschädigungs-Rezeßdie Bisthümer Münster und Paderborn. DieseLandestheile wurden 1897 von Napoleon theilsdem Königreiche Westfalen, theils dem Großherzog-thume Berg einverleibt, bei welchen sie bis zu des-sen Sturze blieben. Von Nassau-Oranien erhieltPreußen 1815 die 1794 zum Bisthum erhobene, und1891 sekularisirte Abtei Corvei, die Grafschaft Dort-mund und das Fürstenthum Siegen. Außerdem wurdedie Provinz seit 1814 durch Tausch, Abtretungund Mediatisirung verschiedener Herrschaften vergrö-ßert, welche jetzt die zahlreichen Standesherrschaftender Provinz bilden.
Jeder dieser einzelnen Landestheile hat seinebesondere Geschichte, welche aber kein allgemeinesInteresse darbietet. Merkwürdiger ist das ganzeLand als Schauplatz der Kriege, welche die Römervor Christi Geburt unter Drusus und nach derNiederlage des Varus unter des Ersteren Sohne Ger-maniens (14 — 16) zur Wiederherstellung ihrerHerrschaft mit den Einwohnern führten; eben soals Schauplatz des 39jährigen Krieges Karls desGroßen mit den Sachsen unter Albion und Wit-tetind (772 — 893). Karl der Große führte