»
i
>
152
«
weilen mit 18 Dörfern umfaßte. Daher bestanddenn auch, seit 1371, der Rath aus 4 Abtheilun-gen. — Wichtig wurde der Leder- und Tuchhan-del mit der Bierbrauerei. Die Tuchmacher, welcheihre eigene Walkmühle hatten, handelten mitihren Tüchern durch die Hansa bis nach Ruß-land, und das mühlhäuser Vier war so gutund geschätzt, daß im Umkreise von 8 — 9 Meilenkeine Hockzeit, kein Fest ohne dasselbe gefeiert wer-den konnte. Die Braugerechtigkeit ruhte auf 441Häusern und brachte der Kämmerei viel ein. Da-her bestand auch eine Raths-Kommission, welche dasMalz und Bier untersuchte. Nach der Bierbraue-rei war der Kornhandel von Bedeutung. Aufden Bergen und Anhöhen um die Stadt hatte manHopfengärten und Weinberge angelegt. Der leb-hafte Verkehr zog auch Juden nach Mühlhausen,und sie hatten ihre Wohnungen in der Iüdengasse. —Nachdem der Kaiser Karl IV. 1349 den Bürgerndas Privilegium gegeben hatte, Schulen zu errich-ten, hatte Mühlhausen, seit 1359, deren 2,eine in der Alt- und eine in der Neustadt bei denHauptkirchen. Beide Schulen standen jedoch unterder Aussicht der deutschen Ordenspriester, weil derOrden das ^u« r,2iran3ius hatte.
Mehrmals schloß Mühlhausen mit anderenStädten Bündnisse zu gegenseitiger Vertheidigung,namentlich mit Nordhausen und Erfurt 1315 und1415, mit diesen, Halberstadt, Aschersleben undQuedlinburg 1416, und mit sämmtlichen 1443 ge-gen die westfälischen Vemgerichte. In diesem Jahreraubten auch die Grafen von Reinstein und Wer-nigerode um Mühlhausen alles Vieh und trie-ben eine große Heerde weg. Die Mühlhäuser setz-ten ihnen aber nach und besiegte/i sie nicht nur,sondern nahmen auch die beiden Grafen mit vielenRittern und Leuten gefangen und machten großeBeute an Pferden, Gütern und Harnischen, sammtder Blutfahne, welche in der Marienkirche aufge-hängt wurde. Das Gefängniß, worin die Grafenmit den Rittern saßen, nannte man spöttisch dasRitterhaus. Die Grafen mußten, nach ihrer Be-freiung, 1348 eine Urfehde thun und die Stadt-mauer höher bauen lassen.
(Beschluß folgt.)
Die Kreuzkirche in Breslau.
Unter den 3? Kirchen Breslaus (s. Vor. Bd. II:S. 6.) ist die gothische Kreuzkirche auf demDome, eines der ältesten und großartigsten Gebäude,ein ehrwürdiges Denkmal des Herzogs Heinrich IV.von Breslau (s. Bor. Bd. II. S. 41.). Sie bestehtaus 2 über einander stehenden Kirchen, deren un-tere dem heiligen Bartholomäus, die obere demheiligen Kreuze geweihet ist. Als Grund zur Er-bauung der unteren Kirche giebt eine alte Denkta-fel daselbst an, Heinrich IV. habe 1288 amBar-tholomäustage über die Polen gesiegt und deß-
».
halb diese Kirche, deren Bau 1288 begann, demh. Bartholomäus zu Ehren erbauet und be-nannt. Dieser Sieg wird aber von keinem Chro-nisten erwähnt. Bei dem Graben des Grundes soll maneine sonderbar gestaltete Wurzel, deren Obertheildie Gestalt eines Kreuzes mit dem Christuskinde hatte,während das Untertheil eine Figur mit seitwärts ge-neigtem Kopfe zeigte, gefunden haben. Und dieserUmstand habe den Herzog bestimmt, über die Bar-tholomäuskirche eine zweite zu bauen und siedem h. Kreuze zu weihen. In der oberen Kirchewurde Heinrich IV. 1299 beigesetzt, und noch be-findet sich sein Grabmal vor dem Hochaltare des Pres-dyteriums, welches eines der merkwürdigsten Bildwerkedes Mittelalters aus gebranntem Thone ist. Nach An-deren ist die Ko Ileg iatkirche zum heiligenKreuze ein Denkmal der merkwürdigen Sinnes-änderung, welches er nach seiner Aussöhnung mitdem Bischöfe Thomas II. als ein bußfertiger Sün-der errichtete.
In der Bartholomauskirche wurde nuram Tage des Heiligen, den 24. August, Gottes-dienst bis 1632 gehalten, wo die Schweden undSachse» nach Breslau kamen, und die Dominsel be-setzten. Der sächsische General Arnheim nahm dieKreuzkirche für die Evangelischen weg und die Bar-tholomäuskirche mackte seine Kavallerie zumPferdestall. Seit dieser Entweihung ward sie nichtweiter gebraucht.
Die hohe, in Kreuzesform erbauete Kreuzkirche,ist mit ihrem hohen Spitzthurme eine ehrwürdigeZierde der Dowinsel. Ein zweiter Thurm, dessenAnlage man noch bemerkt, blieb unausgeführt. Ander Südseite des zweiten Giebels erblickt man auchnoch den polnischen Adler. — Das Innere dieserKirche ist nicht weniger großartig als ihr Aeußeres.Ueber eine Reihe von Stufen gelangt man von 2Seiten in das helle und geräumige Doppelschisf.In der südlichen Halle hängt das Bein eines vor-geblichen Riesen, welches gleichfalls beim Grund-graben gefunden wurde, und in der Sakristei zeigtman noch den unteren Theil jener sonderbaren Wur-zel, nachdem das Obertheil im 39jährigen Kriegeverloren gegangen sein soll. — Das Hauptaltarblattstellt eine Kreuzerhöhung vor, und ist angeblichvon Krause in Frankenstein. Vom Altare rechtssteht das Standbild des Apostels Andreas, linksdas des Apostels Bartholomäus, der seine ab-gezogene Haut in den Händen hält. — Weiterrechts und links stehen noch die vergoldeten Stand-bilder der h. Barbara und Hedwig, der h. Ka-tharina und Christina. Auf dem linken derbeiden neuen Altäre vor dem Presbyterium stelltdas Altarblatt die h. Anna mit dem Christus-kinde vor. Die Altarbilder der beiden Seitenka-pellen, welche die Kreuzform der Kirche bilden, sinduon Kynast und seiner Frau. Vor der Kirche stehtdie Bildsaule des h. Nepomuk aus Sandstein,ein Werk des breslauerBildhauer« Urbanski, 1732errichtet; hinter derselben liegen das Taubstummen-und Blinden-Institut und der botanische Garten.
Hierzu als Beilagen:I) Blücher, Fürst von Wahlstatt. 2) Mühlhausen. 3) Die Kreuzkirche in Breslau.
Verlag von Eduard Pietzsch u. Lomp. in Dresden.
Druck von B. G, Teubnei in Dresden.