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3 (1842)
Entstehung
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im Jahre 1758 führte ihn das Unglück selbst sei-nem Ziele näher. Er stand nämlich aus dem Vor-posten einer Feldwache bei Suckow an der »Ucker,und mußte mit seiner Mannschaft gegen die herum-schwarmenden Husaren des preußischen RegimentsBelling plänkeln. Da die Preußen nicht ernstlichStich hielten, so ließ sich der Junker von Blüchervon seinem mgendlichen Uebermuthe zum Schmähenund Verhöhnen der Preußen hinreißen, so daß dieseendlich, dadurch aufgebracht, mit Uebermacht auf dieSchweden eindrangen, wobei der tapfere Junker ge-fangen wurde. Ein alter preußischer Husar, Na-mens Pfennig, hob ihn, da er gestürzt war, auf'sPferd und brachte ihn zum Obersten von Belling,Dieser fand an dem kühnen Muthe und der krie-gerischen Haltung des Gefangnen großes Wohlge-fallen und trug ihm sogleich, als er ihn naherkennen gelernt hatte, den preußischen Kriegsdienstan, ihm eine baldige Bestallung als Kornet verspre-chend. Voll Ehr- und Pflichtgefühl lehnte aber derJunker dieses schmeichelhafte Anerbieten dennoch ab,weil er seinen Abschied aus dem schwedischen Dienstenicht habe, und diese ehrenwerthe Gewissenhaftigkeitgewann ihm nicht nur noch mehr des OberstenWohlwollen, sondern auch die Zuneigung sämmtli-cher Offiziere des Regiments und die Aussöhnungmit seinen Aeltern und Verwandten. So blieb erein Jahr in preußischer Kriegsgefangenschaft, welchejedoch nicht ohne Nutzen für ihn war, da ihn seinhoher Gönner stets um sich hatte, und er sich indessen Nähe manche nützliche Kenntniß und man-chen werthen Freund erwarb. Endlich verschaffte ihmder Oberst von Belling für die Freilassung einesschwedischen Offiziers seinen Abschied.(Beschluß folgt.)

Mühlhllus'en,

diese alte, sonst dunkle, schmutzige und unfreund-liche freie Reichsstadt im nördlichen Thüringen,jetzt heitere, reinliche und freundliche Kreisstadt glei-ches Namens im Regierungsbezirke Erfurt der Pro-vinz Sachsen, an der Unstrut und Schwemmnotte,in einem sanft abhängigen Bergkessel gelegen, wirddurch die Schwemmnotte in die Ober- und Unter-stadt getheilt, hat 5 Vorstädte, 3 Marktplätze (Ober-,Unter- und Kornmarkt), 1 Rathskeller, 3 Garkü-chen, 2 Apotheken, 6 evangelische Kirchen, 1 Super-intendentur, 1 Land- und Stadtgericht 1. Klasse,1 Gymnasium, 1 Knaben- und 1 Mädchenschule:c.Die Einwohnerzahl beläuft sich auf 12,666 in1615 Häusern. Die Hauptnahrungszweige sindWollen- und Leinwederei, Leder- und Tuchfabrika-tion, Leimsiederei, Handel, Jahr-, Korn-, Roß-,Vieh- und Wollmärkte. Verkehr und Handel be-fördert besonders die große Straße, welche vonBremen durch die Stadt nach Nürnberg geht. Großist die Anzahl der Mühlenwerke, welche auf 20steigt; sie werden theils von der Unstrut, theils vonder Vreitsülze, theils vom popperoder Waffer ge-trieben. Das Letztere entspringt nahe bei der Stadtaus einem Brunnen zu Popperooa, welcher 1614,auf Betrieb des verdienstvollen BürgermeistersFleischhauer (-j- 1621) mit Steinen einge-faßt und mit einem fünfthürmigen Lusthaufe ver-ziert wurde. Der Anger vor demselben, von alten Lin-

den beschattet, ist mit einer Mauer umgeben. Aufdiesem werden von der mühlhauser Jugend jähr-lich 2 Brunnenfeste, zuerst von den Knaben, dannvon den Mädchen gefeiert. Der Brunnen liefertdas meiste und reinste Waffer in der Gegend, stießtin 5 Fuß breitem, 2^ Fuß tiefem Gerinne ab undtreibt 11 Mühlen. Außerdem giebt es auch eineMenge Teiche bei der Stadt. Musterhaft istdas mühlhäufer Armenwesen eingerichtet: es um-faßt 1 Stadtkrankenhaus, 1 Hospital, 1 Ar-beitsanstalt, 1 Waisenhaus und 1 Armensteuer;serner 1 Volks-Armenschule, 1 Gewerbs- und Sonn-tagsschule, 1 Kleinkinderschule, 1 Anstalt zur Bes-serung verwahrloster Mädchen, 1 Sparkasse, 1 Sup-penanstalt für Kranke, 1 Armen-Holzmagazin, undseit 1838 1 Belohnungsanstalt für das Gesindemittelst Beiträge desselben, indem beim Anfangder Dienstzeit und bei jedem Dienstwechsel 3 Gr.gezahlt werden.

Von den ehemaligen 16 Pfarr-, Hospital-undKlosterkirchen und (2) Kapellen sind nur noch 6des Sonntags im Gebrauche. Die beiden Haupt-kirchen zu St. Blasius und zur Jungfrau Ma-ria in der Unter- und Oberstadt, sind schöne go-thische Gebäude. Die Blasiuskirche, ursprüng-lich zu einem Dome bestimmt, in Kceuzesform undmit 2 Thürmen, hat ein 29 Ellen hohes Gewölbe,welches auf 14 Säulen in 2 Reihen ruhet, undward 1227 vom Kaiser Friedrich II. den deutschenRittern übergeben, welche seit 1262 nach Mühl-hausen gekommen waren. Der Chor ist durch einkünstliches Effengitter von der Kirche geschieden,sowie auch der Taufstein mit einem dergleichen um-geben. Die Fenster des Chors haben schöne Glas-malerei mit Gegenständen aus der biblischen Ge-schichte. Die Marien-Kirche, noch größerundschöner, deren Gewölbe 24 Säulen in 4 Reihentragen, ist auch von außen mit Bildhauerei ver-ziert, und hat 3 Thürme. Vor dem Chor ist auchein eisernes Gitterwerk, und die Fenster in dem-selben stellen gleichfalls biblische Geschichten in Glas-malerei dar. Andere öffentliche Gebäude sinddas Rath Haus, 3 Stock hoch und von großemUmfange, aus mehrern Häusern bestehend unddie verschiedenen Raihskanzleien ?c. enthaltend, seitdem 14. Jahrhundert nach und nach erbauetund verändert; die Brodläube, ebenfalls eingroßes Gebäude von 3 Stockwerken und miteinem holländischen Dache, so genannt, weil sonstdie Bäcker unter dem Hause feil hielten, enthälteinen großen Saal, und dient dem 1866 gestifte-ten Casino zum Versammlungsorte; das Fleisch-haus oder die Fleischbänke, die Waage, dasPackhaus, ehemals die Kreuz- oder Bar-füßer-Kirche, als die alte Waage 1862 von denPreußen zur Hauptwache eingerichtet wurde, unddas neue Theater auf dem Burgplatze. Am 15.Okt. 1841 ist, am Geburtstage des Königs, dasneue, schöne Gymnasialgebäude, worin auchdie Knaben-Bürgerschule Platz findet, 2 Stock hoch,einen Festsaal und 14 Zimmer enthaltend, feierlicheingeweiht worden.

Mühlhausen, sehr alten, aber unbekanntenUrsprungs, als Stadt unstreitig in der Periode dersächsischen Kaiser gegründet und von den vielendabei liegenden Mühlen benannt, weßbalb sie auchein Mühleisen in ihrem Wappen führte, war als