Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Muleum lür preuhilche ilaterlandskunde.

Band in

^^^^l^lWzd^«»«^

Lief. RV.

Kurze Geschichte der Provinz Sachsen.

Mehr als eine der übrigen Provinzen des preu-ßischen Staates ist diese verschiedenartig, nichtblos aus sächsischen und anderen, sondern auch ausbrandenburgischen Bestandtheilen zusammengesetzt,und sie läßt daher keine allgemeine Uebersicht ih-rer Geschichte zu, sondern diese muß bei den einzel-nen Gebietstheilen besonders gegeben werden. Siebesteht nämlich 1) aus der brandenburgischen Alt-mark, 2) aus dem Herzogthume Magdeburgmit dem Saalkreise, 3) aus dem FürstenthumeHalb erst adt, 4) aus dem Herzogthume Sachsen,5) aus der Grafschaft Mannsfeld, 6) aus derehemaligen Reichsabtei Quedlinburg, 7) aus demsächsischen Antheile der Grafschaft Henneberg,8) aus der Grafschaft Stolberg, 9) aus demgrößeren Theile des ehemaligen kurmainzischen Eichs-feldes, 10) aus den ehemaligen freien Reichs-städten Nord Hausen und Mühlhausen, 11) ausdem ehemaligen kurmainzischen Erfurt und 12) auseinigen Theilen des Voigtlandes:c.

Wie man die Oberlausitz mit Schlesien, dieNiederlausitz, Iüterbogk, Belzig, Baruth lc., mitBrandenburg vereinigt hat, so ist wiederum die Alt-mark zur Provinz Sachsen geschlagen worden. DieAltmark war in den eisten Jahrhunderten desMittelalters ein Theil des alten Sachsenlandes undzwar Ostsachsens oder Ostfalens. Im 11,, 12. und13. Jahrhundert hieß sie entweder schlechtweg dieMark oder Nordmark, und erst nach dem Jahre1325, als sich Otto der Freigebige von Braun-schweig, der diese Landschaft mit seiner GemahlinnAgnes erhielt, einen Herrn der Altmark nannte,um dieselbe dadurch von dem Theile der Mark zuunterscheiden, welchen die Markgrafen aus dem bai-rischen Hause besaßen, kam dieser Name in Gebrauch.Derselbe Herzog Otto trat sie aber 1342, für345 Mark Silber, an das bairiscke Haus wiederab. Die übrigen Schicksale der Altmark sind zumTheil in dem geschichtlichen Abrisse von Brandenburg(Bd. II>. S. 1,41.), zum Theil bei den Städten Sten-dal (Bd. II. S. 134.) und Tangermünde (Bd.II. S. 103.) erzählt worden. Durch den tilsiterFrieden kam sie mit Magdeburg, Halle undden übrigen westlichen Ländern des Staates an dasKönigreich Westfalen.

Das Herzogthum Magdeburg, an beiden Ufernder Mittelelbe gelegen, war im Zeitalter des römi-schen Kaisers Augustus Sitz der Longobarden,welche ihren Namen von der fruchtbaren Landstrecke,der langen Börde, erhalten haben sollen. Spä-ter gehörte das Land zum Königreich Thüringen,und kam 531, nach dessen Zerstörung durch dieFranken und Sachsen, an die Letzteren. Bei demVordringen der Wenden im 7. und 8. Jahrhun-derte, wurden in dieser Gegend, zur Vertheidigung

der Gränzen, mehre feste Punkte, namentlich Mag-deburg und Halle, angelegt. Die kriegerischenEczbischöfe von Magdeburg vergrößerten auf alleWeise ihr Gebiet und wurden später meistens aussächsischen und brandenburgischen Fürsten gewählt.Durch die Reformation ward das Erzstift evangelisch,und zu Anfang des 30jährigen Krieges war der PrinzChristian Wilhelm von Brandenburg dessenVerweser; er ward aber 1628 vom Domkapitel ab-gesetzt, und an seine Stelle trat der Prinz Augustvon Sachsen. Dieser mußte seinem Vorgänger jähr-lich 12,000 Thlr. auszahlen und an Kursachsendie magdeburgischen Stiftslehen Querfurt, Iüter-bogk, Dahme und Burg überlassen. Im westfä-lischen Frieden 1648 ward hierauf bestimmt, daßdas Erzstift, als ein weltliches Herzogthum, nachAugusts Tode, als Entschädigung für das durchSchweden entrissene Pommern, an Brandenburgfallen sollte, was auch am 4. Juni 1680 geschah.Uebrigens theilte das Land die Schicksale Magde-burgs, welche bei dieser Stadt (Bd. I. S. 174.)bereits erwähnt worden sind.

Das Fürstenthum Halberstadt, einst zumalten Herzogthume Sachsen gehörig, war bis 1648ein Bisthum, welches 814 Kaiser Ludwig derFromme gestiftet hatte. (S.Bor. Bd. I. S. 143.)Die Bischöfe von Halberstadt waren im Mittelaltertheils in die Kriege der fränkischen Kaiser, theilsin die Fehden mit der askanischen Dynastie von Bran-denburg, theils in die Kämpfe mit den HäusernBraunschweig und Mannsfeld verwickelt. Der Bi-schof Albert, aus dem Hause Anhalt, erwarb 1319von diesem die Grafschaft Askanien mit der StadtAschersleben für das Stift. So vergrößerten auchdie folgenden Bischöfe ihr weltliches Besitzthum.Die Reformation fand im Bisthume zeitig Ein-gang; eingeführt wurde sie aber erst unter den bei-den brandenburgischen Bischöfen Friedrich undSigismund (155057), welche Magdeburg undHalberstadt gemeinschaftlich verwalteten. Nach Si-gismunds Tode wählte das Kapitel wieder eineneignen Bischof in dem Prinzen Heinrich Juliusvon Braunschweig. Seit 1570 nahm Halberstadt,mit den übrigen Lehnsherren, Kursachsen und Mag-deburg, die Ländereien der verschuldeten Grasen vonMannsfeld in Sequestration. Zu Anfange des30jährigen Krieges war der Prinz Christian vonBraunschweig Verweser des Bisthums, als Anhän-ger Friedrichs V. von der Pfalz, zugleich ein be-rüchtigter Freibeuter und erklärter Feind der katho-lischen Geistlichkeit bis an seinen Tod 1626. Durchden westfälischen Frieden kam auch Halberstadt alsweltliches Fürstenthum an Brandenburg und theilteseitdem dessen Schicksale.

Das Herzogthum Sachsen, bis 1815 dienördliche Hälfte des Königreichs Sachsen, und dieStädte Wittenberg, Mühlberg, Torgau, Naum»