Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
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noch eine Sammlung seiner Schriften, Ausgabe letzterHand, in 8 Bändchen, zu denen 1832 ein Supplement-Band, des Dichters Leben von H. Döring enthal-tend, gekommen ist. Da er sich seit dem Tode sei-ner Gattinn nie wieder heimisch in Stuttgart fühlte,so machte er im Frühjahr 182? abermals eine Reise,und zwar den Rhein hinab nach den Niederlan-den, dann aber nach Norddeutschland. Immermehr sagte ihm die ländliche Stille und Zurückge-zoqenheit von der Welt zu, so daß er, nach derRückkehr von seiner Reise, sich bereits im Nov.182? wieder nach Wörlitz begab, um den Winterdort zuzubringen.Nirgends", schrieb er,ist mirder Geist meines Heimgegangenen Engels näher,als hier an dem Orte, wo ich durch sie am glück-lichsten wurde." Er befand sich hier im Kreiseseiner Angehörigen, zugleich von der herzoglichenFamilie und seinen zahlreichen Verehrern in Wör-litz und Dessau geachtet, so wohl, daß er den Ent-schluß faßte, von jetzt an bis an's Ende seiner Tagein Wörlitz zu leben. Seine erbetene Entlassungward ihm vom Könige ungern, aber huldvoll ertheilt.Im Sommer 1828 ging Matthisson nachWörlitz zurück, und bezog dort im Hause seinerSchwiegermutter ein Stübcken, welches er mit einemTheile seiner, übrigens in Stuttgart zurückgelassenen,reichen Sammlungen freundlich ausschmückte. Hierlebte er größtentheils still und zurückgezogen; dockleitete er noch das neue Gesellschafts-Theater inWörlitz, und besuchte auch, nach dem Wunsche derherzoglichen Familie, das Theater in Dessau. ZurStärkung seiner Gesundheit machte er im Sommer1829 eine Reise nach Süddeutschland in die Tau-nusbäder, und später den Rhein hinab nach denNiederlanden. Noch im Herbste kam er auf mehreWochen nach Weimar. In demselben Jahre 1829gab er auch nochBriefe von Bonstetten anFried erike Brun" in 2 Theilen zu Frankfurt a.M. heraus. Mit dem Anfange des Jahres 1830trat er sein ?9. Lebensjahr an, und Altersschwächemit Entkräftung nahm immermehr überHand. Nochschmückte ihn der Großherzog Karl Friedrichvon Weimar mit dem weißen Falken-Orden. Aufarztlichen Rath besuchte er zwar im Sommer 1830das Aleris-Bad am Harze, aber ohne beson-deren Erfolg. Nach seiner Rückkehr erlaubte ihmdie zunehmende Schwäche nur dann und wannnoch einen Spaziergang, und seit dem Jan. 183lmußte er fortwährend das Zimmer hüten, bis eram 12. März, früh um 2 Uhr, durch Mangel anEßlust immer mehr geschwächt und entkräftet, zumjenseitigen frohen Erwachen sanft entschlummerte.Des verewigten Dichters Wunsche gemäß, wurdenfeine sterblichen Ueberreste aus oem wörlitzer Fried-hofe, des Morgens in der Stille, der mütterlichenErde übergeben. Ein einfacher Stein mit seinemNamen bezeichnet den Ort, wo der geist- und ge-fühlvolle Dichter von seiner zwar glücklichen undglänzenden, aber doch nicht kummerlosen Pilgerfahrtausruht. Theils aus seinem Reiseleben, theilsüber wissenschaftliche Gegenstände, schrieb Matthis-so n bis an seinen Tod interessante Notizen nieder.Dieser literarische Nachlaß ist zu Berlin 1832 in4 Theilen erschienen.

Der Dom zu Posen.

Unter den vielen großartigen Gebäuden dieserimmer mehr aufblühenden Hauptstadt (s, Bor. Bd.I. S. 38.), ist der Dom, ein großes schönes Ge-bäude, einzig in seiner Art durch die hohe, edleEinfachheit, welche das Schiff unter den katholischenKirchen auszeichnet. Diese ist so ungewöhnlich, daßman beim Eintritt in denselben fast glaubt, in einreformirtes Gotteshaus zu kommen. Auf den eistenAnblick bemerkt man wenigstens keine Seiten-Al-täre, kein Legenden-Bild. Die hier angewendeteNachahmung des italienischen Geschmacks macht, daßdas verwöhnte deutsche Auge diese Kirche eher füreinen Prunksaal, als für einen Tempel halten würde,wenn nicht in den Seitengängen die gewöhnlichenkleinen Altäre zu den kleinen Messen das Urtheilbald berichtigten. Der Hochaltar und die Domher»ren-Stühle prangen desto mehr durch reicke Ver-goldungen. Die Anlage der Kirche gleicht übrigenssehr dem breslauer Dome. An der Vorderseite ra-gen zwei größere Thürme, an der Hinterseite 3'kleinere hervor, welche beim Brande von 1??2 ste-hen blieben, wahrend die ersteren zum Theil ein-stürmten. Durch eine neue Fa^ade und die Wie-derherstellung dieser Thürme ist das äußere Ansehendes Domes verbessert worden. Zu beiden Seitendes Domes befinden sich die Wohnungen der Dom-herren, die Marienkirche, die Propstei und der erz«bischöfliche Palast.

Das Bisthum zu Posen war das erste undälteste in Polen, von Kaiser Otto !. zur ZeitMies kos I. gestiftet und anfänglich dem Erzbi-schofe von Magdeburg unterworfen. Erst späterkam es unter das Erzbisthum Gnesen. Der Bi-schof war Kanzler des Reichs und wohnte gewöhn-lich in Warschau. Das Kapitel bestand aus 12Prälaten und 24 Domherren.

Zur Ergänzung des früheren Artikels über Posenmöge hier noch Folgendes stehen. Nach dem polnischenChronisten Niesiecki erhielt die Stadt durch das Ehri»stentkum ihren Namen, indem Mi esko dieGroßen desVolks 964 dahin berief, wo schon ein Ort NamensStragon war, um über die Einführuug des Christen-thums mit ihnen zu berathschlagen. Seiner Ueber-redung gelang es, daß sich Viele taufen ließen, unddadurch zur Erkenntniß d»»-»»«»») des wahren Glau-bens gelangten. Daher sei dann die Stadt Poz-nan genannt worden.

Mit dem Ehristenthume kamen auch vieleDeutsche dahin, und um 1259, wo Przemislavdenselben das magdeburgische Recht verlieh, wardas ursprünglich aus dem reckten Wartaufer gele-gene Posen schon so bevölkert, daß ein neuer Stadt-theil auf dem linken User erbauet wurde. Mitdem Bisthume erhielt Posen auch eine Domkirche,ohne daß jedoch die erste von der Geschichte er-wähnt wird. Der Bischof Lubranski fand 1498den Dom in einem sehr traurigen Zustande, so daßdas Gebäude mit dem Einstürze drohte. SeinenBemühungen gelang es, nickt nur an die Stelledes alten, baufälligen Gebäudes ein neues, dauer-haftes zu setzen, sondern auch dieses mit 3 hohenThürmen zu schmücken. Allein leider ward dieseneue Domkirche 1622, mit dem größten Theile derStadt, ein Raub der Flammen. Der Bischof