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3 (1842)
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tholiken, Herrnhuter, Mennoniten, In-spirirte (Quäker) und Juden, 5500 an derZahl, gehören größtentheils dem Kaufmanns- undHandwerksstande an. Bedeutend sind die Tabacks-und Eichorien-Fabriken. Außerdem giebt es 2Pfeifenfabriken, worin die bekannten Köpfe von Ma-serholz verfertigt werden, einige Fabriken in Vaum-wollenzeug und Färbereien. Die Fabrik von soge-nanntem Gesundheitsgeschirr ist jetzt weniger alssonst beschäftigt. In günstigem Rufe stehen auchdie neuwieder Seifensiedereien, Brauereien, Bren-nereien, Gerbereien, die Tischler- und mechanischenArbeiten. Ausgezeichnet ist der Kunstfleiß der hie-sigen Brüdergemeinde, namentlich in Pianofortes,Thonöfen, Branntweinapparaten, Feuerspritzen, Pum-pen lc. Der Rheinhandel mit eignen Kunst- undfremden Naturerzeugnissen (aus der Nachbarschaft)ist ansehnlich; es giebt hier 16 Schiffer mit 17Fahrzeugen auf dem Rheine. Eine 1818 errichtetefliegende Brücke verbindet Neuwied mit demlinken Rheinuser, und befördert den lebhaften Ver-kehr des gewerbfleißigen Ortes.

Die hiesigen Unterrichts- und Wohlthätigkeits-Anstalten sind: 1 königl. evangelisches Schullehrer-Seminar, welches für die Regierungsbezirke Koblenz,Trier, Köln und Aachen bestimmt ist, I höhereBürgerschule, 1825 an die Stelle der früheren la-teinischen Schule errichtet, 3 Elementar - Schulender Hauptgemeinden, und verschiedene Privatinsti-tute, unter denen das der evangelischen Brüderge-meinde für Knaben und Mädchen, nicht nur ausallen Gegenden Deutschlands, sondern auch von Aus-ländern stark besucht wird; I Kleinkinderbewahran-stalt, 1 allgemeines Krankenhaus, 1 besonderes Hos-pital, 1 Verein zur Erziehung sittlich verwahrlosterKinder, 1 Frauenverein :c. Für Verbreitung desEvangeliums bestehen hier 1 Bibelgesellschaft und1 Missionsverein; für gesellige Unterhaltung 2 mu-sikalische Vereine, das Easino und die Kränzchen-Gesellschaft. Außerdem befindet sich hier 1 königl.Hauptsteueramt und 1 standesherrliches Justiz- undBergamt.

Besonders sehenswerth sind: 1) das natur-historische Museum des Prinzen Maximilianzu Wied, welches dessen reiche Sammlungen ausBrasilien und Nordamerika enthält, und seit 181?im Fasaneriegebäude des Schloßgartens aufgestelltist; 2) das Alterthum s«Kabinet, welches ausden seit 1791 bis 1826 fortgesetzten Nachgrabungenbei Neuwied entstanden ist und mit der Bibliothekin einem Seitengebäude des Schlosses aufbewahrtwirb. Auch der geschmackvolle Schloßgarten mit sei-nen mannichfaltigen Anlagen, reizenden Aussichtenund melodischen Chören von Singvögeln, verdienteinen Besuch. Die vorzüglichsten Punkte der Um-gegend sind der Park Noth Hausen mit einer Ket-tenbrücke über die Wied, das Dorf Niederhie-be r, Schloß Monrepos, die Saynerhütte,Engers, der Friedrichs- oder Renneberg,das Gut Nette, die alte Buig Wernerseckic.

Neuwied, auf der Stelle, wo früher das vor

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und im 30jährigen Kriege zerstörte Dorf Langen-dorf stand, vom Grafen Friedrich von Wied-Neuwied, nachdem er zuerst 1648 ein Schloß, daserNeuwiebt nannte, und um welches schon 1649,unter dem Namen Langendorf, einige Häusererbauet wurden, aufgeführt hatte, in den folgendenJahren gegründet, wozu Kaiser Ferdinand III.1653 die Genehmigung ertheilte, kam durch Reli-gionsfreiheit, besondere Privilegien und des edlenGrafen kräftige Unterstützung schnell empor. Erschenkte Grund und Boden, baute selbst mehre Häu-ser und verkaufte sie billig oder verschenkte sie. Soentstand sehr bald die Schloß- und Rheinstraße.Im Jahre 1662 fertigte er die städtischen Privile-gien aus Die erste und größte Gemeinde, welchesich bildete, war die reformirte, zu welcher sich auchdas fürstliche Haus bekannte und noch bekennt.Mit dieser hatten denn auch die andern Gemein-den, wegen ihres Schul- und Kirchenwesens, langeKämpfe, weil die Nichtreformirten, nach der Stif-tungsurkunde, nur freie Religionsübung in ihrenHäusern haben sollten. Man verweigerte ihnen be-sondere Kirchen, Schulen, Kirchhöfe ic. . Nach undnach wurden die Beschränkungen aufgehoben undihnen gleiche Rechte zugestanden; doch müssen nochjetzt die Mennoniten ihre Kinder in die Schule derReformirten schicken. Schon früh traf die neueStadt großes Unglück durch die Franzosen, welchesie 1694 plünderten, das neue Schloß und vieleHäuser verbrannten. Friedrichs Nachfolger, Fried-rich Wilhelm, suchte hierauf die verwüstete Stadtwieder herzustellen, und bauete auch bis 1712 dasSchloß wieder auf. Auch gab er 1736 eine neuePolizeiordnung. Einer höchst glücklichen Zeit er-freute sich Neuwied unter der weisen Regierungdes Grafen Alexander, welcher seinem Vater von1737 bis 1793 folgte, und seiner trefflichen luthe-rischen Gemahlinn Karolina, Tochter des Burg-grafen von Kirchberg, Grafen zu Sann und Witt-genstein ic. Er ließ Häuser bauen und Fabrikenanlegen; beförderte den Ackerbau und ordnete diekirchlichen Verhältnisse der verschiedenen Gemeinden.Einer Kolonie sogenannter französischer Herrnhuter,welche sich Unitäts-Brüdergemeinde nannte, ertheilteer eine Generalkonzession, und erweiterte diese 1756bis zu gleichen Rechten mit den übrigen Hauptge-meinden. In Anerkennung seiner großen Verdiensteward er mit seinem Hause 1784 in den Reichsfür-stenstand erhoben. Traurige Zeiten brachte fürNeuwied, wie für die ganze Rheingegend, derfranzösische Revolutionskrieg in den Jahren 1795,96 und 97. Die Franzosen gingen hier, wie einstEäsar, 52 und 50 v. Ehr., mehrmals über denRhein. Ganze Theile der Stadt wurden dabei ein-geäschert, Gärten und Felder verheert, und die Ein-wohner beraubt und gemißhandelt. Vom 29. Aug.bis in die Mitte Septembers 1795 hatte die Stadtdie Schrecknisse und Verheerungen einer Beschie-ßung zu ertragen. Seitdem hat sie sich jedoch wie»der erholt und blühet jetzt, durch Gewerbsteiß undHandel, schöner als vormals.

Hierzu als Beilagen:1) Friedrich von Matthisson. 2) Die Luther-Stube im Augusteum zu Wittenberg.

3) Neuwied.

Verlag «on Eduard Pietzsch u. Lomp. in Dresden. Druck von B. G. Teubnei in Dresden,