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3 (1842)
Entstehung
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V

gleicher Herzlichkeit aufnahm, wie die 19jährige,mit großen Vorzügen des Körpers und Geistes aus-gestattete Base, die dem Hauswesen ihres Brudersvorstand. Sie hatte ihren Geist und Geschmackdurch die Schriften von Klopstock, Wieland,Lessing, Uz, Gellert, Rabener und Geßnergebildet, besaß außer 'deren Schriften die bremischenBeitrage, die Literatur-Briefe und einigeErbauungsschriften von Spalding, Tiede,Sturmund Patzte und stand mit dem edlen Dichter vonKopten zu Magdeburg in Briefwechsel, Sie machtesich die Geschmacksbildung ihres Neffen, der baldihr ganzes Wohlwollen gewann, zum angele-gentlichsten Geschäfte. Nach vollbrachtem Tagewerkein der Stadtschule mußte er.theils vorlesen, theilsabschreiben oder auch auswendig lernen, was seinerFassungskraft angemessen war. Dagegen ließ ihnder Oheim, ein redlicher und gelehrter, aber kränk-licher und dem Pietismus ergebener Mann, derübrigens seinem Pstegesohne der sorgsamste und lie-bevollste Vater war, aus dem alten MagdeburgerGesangbuche vorzugsweise Lieder auswendig lernen,in denen die mystische Tendenz der Herrnhuier aus-gedrückt war. Dessenungeachtet nahm der Oheimlebhaften Antheil an den Fortschritten der deutschenLiteratur, und Besuche von Köpken, Pazke, Funk,Sturm u. A. machten ihm große Freude. Mitgespannter Aufmerksamkeit hörte dann der kleine Mat-thisson, in einem Winkel des Zimmers sitzend, ihrengelehrten Unterredungen zu, und war wie bezaubert,wenn Pazke, damals ein vorzüglicher Declamator,eine neue Ode von Ramler vortrug.

Die Krankheit des guten Oheims, welcher aNder Schwindsucht litt, nahm bald so sehr zu, daßer 1771 starb. Glücklicher Weise lebte der Großva-ter in Krakau noch, und so zog die Base mit demzum zweiten Male verwaisten Neffen in das Ael-ternhaus, wo der fromme Greis Matthias Mat-thisson und seine ehrwürdige Gattinn Tochterund Enkel liebevoll empfingen. Die Mutter undSchwester kamen hierauf zum Besuche dahin undwollten unsern Matthisson wieder nach Hohen-odeleben mitnehmen; allein das gab der Großvaterdurchaus nicht zu, sondern versprach ihm Vater zusein bis an seinen Tod, und er hielt sein Ver-sprechen, so schwierig es auch für ihn war, nebenseinen vielen Amtsgeschäften, den Enkel zu unterrich-ten. Mit unermüdlichem Eifer und strenger Regel-mäßigkeit ertheilte er ihm Unterricht in der lateini-schen und griechischen Sprache, nur durch die Freudeüber den Fleiß und die Fortschritte des Zöglingsbelohnt. Mit gleicher Liebe setzte auch die Baseihr Geschäft der Geschmacksbildung fort, und stei-gerte dadurch in dem Neffen die Dankbarkeit undVerehrung so hoch, daß dieser sie als das Idealaller Vollkommenheiten des Geistes und Herzensansah. Es konnte ihn daher auch nichts so sehrfreuen, als ihr Beifall, und nichts mehr betrüben,als ihr Mißfallen; deßhalb ergriff er auch begierigjede Gelegenheit, ihr eine unverhoffte Freude zumachen. So näherte sich Friedrich im Pfarr-hause zu Krakau, unter ernsten und heiteren Be-schäftigungen, dem ernsteren Jünglingsalter, seineTage in jugendlich sorglosem Frohsinn verlebend.Eines Abends, als er seiner geliebten Base die er-sten Rosen aus seinem Gärtchen bringen wollte,fand er sie nicht, wie gewöhnlich, im Wohnzimmer

beim Großvater, dem sie da die Zeitungen vorzule-sen pflegte. Ein plötzliches Unwohlsein hatte sie be-fallen, welches sich bald als ein hitziges Fieber an-kündigte. Nach wenigen Tagen folgte sie dem vor-angegangenen Bruder in's Jenseits.

Dieß war der erste gewaltige Schlag, welcherFriedrichs innerstes Wesen und seinen angebor-nen Frohsinn tief erschütterte. Er war unzertrenn-lich von der theuern Leiche, sprach immer zu ihr,bat sie mit dem Tone der Verzweiflung, ihm dochzu antworten. Als man den Sarg einsenkte, wares ihm zu Muthe, als ginge vor seinen Augen dieWelt unier. Jeder Abend fand ihn am Grabe derVerklärten, und niemals ohne Zweig oder Blumeaus seinem Gärtchen, es damit zu schmücken. Seit-dem waren die Stellen in Klopstocks Messiade,welche die Verstorbene zuletzt mit ihm gelesen hatte,seine Lieblingsunterhaltung. Den kräftigsten Trostschöpfte er jedoch aus der Engländerinn ElisabethRoweSendschreiben von Verstorbenen an Le-bende", weil sie den Glauben in ihm befestigten,daß es den Geistern der Abgeschiedenen vergönntsei, die Pfade der Hinterbliebenen, segnend und mit-wissend, bis zur Wiedervereinigung, zu umschweben.Die Großältern verschlossen zwar ihren Schmerz imwunden Herzen, aber dem trauernden Enkel ent-ging er dennoch nicht; denn er sah im greisen Va-ter seitdem alle Heiterkeit ersterben. Dieser über-lebte auch die einzige Tochter, welche mit Recht derLiebling seines Herzens war, nur kurze Zeit, undstarb schon im Herbste 1773, von seinen Pfarrkin-dern, als ihr liebender und geliebter Seelsorger, all-gemein und herzlich betrauert. Sein christlicher Wan-del war der Spiegel seiner Lehre gewesen und erhatte deßhalb in so glücklichen Verhältnissen mit sei-nen Gemeinden gelebt, daß unser Friedrich sichgleichfalls einst den unbeneideten und geräuschlosenWirkungskreis eines Landgeistlichen und ihn nach demMuster des Großvaters würdig auszufüllen wünschte.(Beschluß folgt.)

Wittenbetg.

(Beschluß.)

Die beiden neuen Vorstädte, außerhalb derFestungswerke, seit 1817 erbauet, heißen Fried-rich sstadt und Klein - Wittenb erg. Die er-stere liegt rechts von der neuen berliner Kunststraße,die andere eine kleine halbe Stunde unterhalb derStadt, wo man auch ein neues Schießhaus erbauethat, indem die nächsten Umgebungen der Festung, wo essonst stand, zu Blockhäusern und Verschanzungen be-nutzt worden sind. Die Gegend umher ist zwar flach undsandig, bei der Stadt aber gut angebaut und die Elb-auen sind reich an guten Wiesen. Außer den öf-fentlichen Garten und Anlagen bei der Stadt ge-währen in der Umgegend der Brückendamm, dieBrücke, jenseit der Elbe die Propstei (ein Ei-chenwaldchen), das Vorwerk Fleischwerder, dasDorf Pratau; diesseits die Specke (ein nahesErlen- und Fichtenholz), der Luthersbrunnen,1 Stunde oberhalb der Stadt, wohin Luther fasttäglich spazieren ging, die rothe Marke (ein Ei-chenwäldchen) und die Weinberge, 1379 ange-legt, deren Gewächs aber nur Trauben zum Essenund Essig liefert. Von Wittenberg gehen Post-straßen nach allen Richtungen, wovon 2 nach Dres-