Muleum lür preuhilche ilaterlandskunde.
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Lief. R^.
Friedrich von Matthisson.
Des Lebens ungemischte FreudeWaid keinem Irdischen zu Theil.TchiUer.
Wunderbar freundlich und wunderbar feindse-lig spielt das Schicksal im Leben der Menschen, siebald durch jede Gunst beglückend, bald mit hartenSchlagen verwundend. Wenigen lächelt das Glückvom Anfange bis an's Ende ihrer irdischen Lauf-bahn; ja Viele, die es früher liebkosend in seinemSchoose wiegte, läßt es oft später in jede mensch-liche Noth gerathen. Am glücklichsten sind gewöhn-lich noch diejenigen, welche des Schicksals Härtein der Kindheit trifft, in den folgenden Lebensal-tern aber desto mehr von demselben begünstigt wer-den. Einer dieser Glücklichen war Friedrich vonMatthisson. Zwar erblickte er, am 23. Januar1761, als vaterlose Waise das Licht der Welt;zwar starben auch später, bald nach einander, dietreuen Führer seiner Jugend, und manche schmerz-liche Trennung blieb nicht außen; aber dennoch warsein übriges Leben eine zusammenhängende Reihe glück-licher Verhältnisse, und sein guter Genius verschaffteihm stets, durch Freundschaft und Liebe, wie durchKunst, Natur und Wissenschaft, die reichsten Genüsse.
Sein Urgroßvater, ein schwedischer Kaufmann,hatte sich mit seiner Familie von Stockholm nachElbing gewendet, und dort ward ihm 1699 einSohn, Matthias Matthisson, geboren, wel-cher sich der Theologie widmete und Prediger derDorfgemeinden Krakau und Prester bei Magdeburgward. Unter dessen 6 wohlgerathenen Söhnen warJohann Friedrich der älteste des unsrigen Vater.Auch er studirte Theologie, und war bis 1758 preußischerFeldprediger. Nicht nur durch seine ansprechenden Pre-digten, sondern auch durch das besondere Talent desImprovisators, war er bei Offizieren, wie bei Ge-meinen, höchst beliebt. Durch eine metrische Pre-digt feuerte er einmal, nach dem Wunsche desPrinzen Heinrich, kurz vor einem Treffen, dieSoldaten zur Tapferkeit an.— Als ihm beim Ue-berfall von Hochkirchen, den 14. Okt. 1758, da ersich schnell auf sein Pferd schwang, um sich pflicht-mäßig in Sicherheit zu bringen, der Oberst vonPhull scherzend zurief: „Wohin, Herr Feldpredi-ger? Halten Sie fein Stich und bleiben Sie beiuns."— antwortete er sogleich in folgenden Reimen:
Der Ruf geht nur an euch, ihr Streiter,Und nicht an mich, der ich nur Hirte bin;
Stich halt' ich nicht, ich reite weiter,Bis dort zu jenen Bergen hin;
Da bet' ich dann, wie Moses that,Bis sich der Kampf geendet hat. —
Bald darauf folgte er dem Rufe als Landpfarrernach Hohenodeleben in der magdeburgischen Börde,und wurde dann mit seiner Lebensgefährtinn, einergebornen Calezky aus Zerbst, nach langer Tren-
nung, von neuem vereinigt. Aber leider war die-ses eheliche Glück nur von kurzer Dauer! Nur dieGeburt einer Tochter erlebte der treffliche Mann,und starb schon im Dez. 1769, einen Monat frü-her, als unser Matthisson geboren wurde. Nichtlange nachher mußte die unglückliche Mutter, mitihren beiden kleinen Kindern, das bequeme und ge-räumige Pfarrgebäude räumen und das enge undunheimliche Wittwenhaus, nebst dem anstoßendenGärtchen, mit des Vorgängers Wittwe theilen, ei-ner unverträglichen, boshaften Frau, welche ihr mehr-mals die sorgfältig besäeten und bepflanzten Gemü-sebeete heimtückisch zerstörte. Unter diesen Umstän-den fand sie nur Trost und Erheiterung in ihrenbeiden fröhlich aufblühenden Kindern, Dorotheaund Friedrich, und dieß um so mehr, da sichdie beiden Geschwister mit kindlicher Schwärmereiliebten. Die zärtliche Schwester ging darin so weit,daß sie stets, für jeden Fehler des Bruders, Schuldund Strafe auf sich nehmen wollte. —
Den eisten Unterricht im Lesen, Schreibenund Rechnen erhielten sie mit der übrigen Dorfju-gend, indem Friedlich mit den Knaben zum Ean-tor, Dorothea mit den Mädchen zum Organistenging. Friedrich konnte sehr bald der Mutter ausder Bibel vorlesen, und verlangte dann, nach Be-lieben darin lesen zu dürfen; allein diese gab ihmdas Buch, alles Bittens ungeachtet, niemals in dieHände, sondern schlug ihm mit kluger Auswahlauf, was er lesen sollte. Bei der Erkennung« -Scene in der Geschichte Josephs und seiner Brü-der ward der Knabe so gerührt, daß ihm die Stimmeversagte und er vor Schluchzen nicht weiter lesenkonnte. Bald ward das Vorlesen der Geschichte Jo-sephs eine Belohnung für musterhaftes Betragenund außerordentlichen Fleiß. — Häufig erzählte dieMutter den Kindern auch von dem verewigten Va-ter, seinen Tugenden und Kriegsfahrten. Als sieeinst, an einem Frühlingsabende des Jahres 1779,in der Gartenlaube auch so erzählte, da brachte dieMagdeburger Botenfrau derselben einen Brief, wel-chen sie sogleich mit dem freudigen Ausrufe: „Ach,vom lieben Herrn Schwager in Salza!" Gutes ah-nend empfing. Derselbe, Friedrichs zweiter Oheim,war Diaconus in der Stadt Großen-Salza, undsprach in diesem Schreiben den angelegentlichenWunsch aus, seines unvergeßlichen Bruders einzigenSohn um so mehr als den seinen betrachten zudürfen, als er fest entschlossen sei, sich niemalszu verheirathen. Am Schlüsse gab er noch die Ver-sicherung, den Knaben vorzugsweise nur in denje-nigen Gegenständen zu unterrichten, für welche erbesondere Anlagen zeigen würde.
Die besorgte Mutter, das Beßte ihre« Soh-nes von dieser Fürsorge freudig hoffend, brachte schnelldessen kleine Mitgabe in Ordnung, und führte ihnselbst zu dem guten Oheim, der seinen Neffen mit