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Papst Clemens VI. 1346 mit einem Kapitel ver-sehen hatte, welches aus 1 Propst und 6 Domher-ren bestand, und gleich der Kirche nur dem römi-schen Stuhle unterworfen war. Friedrich derWeise bauete die Kirche, von 149(1 — 99, mit ei-nem Aufwande von 200,000 Gulden, ganz neu,und schenkte sie 1507, nebst allen Gütern und Ren-ten, der von ihm 1502 gestifteten Universität, weß-halb sie seitdem auch Universitäts-Kirche hieß.Sie war ein Meisterstück der gothischen Baukunst,ohne Pfeiler, in der Mitte gewölbt, 225 Schrittelang, 5t) breit, mit Statuen und Gemälden vonAlbrecht Dürer und Lukas Klanach, sowiemit den Grabmälern sächsischer Fürsten und berühm-ter Männer geziert. Sie zählte 13 hohe Fenster,jedes mit 2 — 3 Abstufungen, und der Fußbodenwar von buntem rochlitzer Marmor. Die Bogender Fenster und des Portals waren steinern undmit gewundenen Säulchen versehen, die Emporkir-chen und Chöre aus Werkstücken künstlich gehauen.Und diese herrliche, denkwürdige Kirche ward 1760,durch das Bombardement der Oestreich« und Wür-temberger, Sachsens Bundesgenossen, in einenSchutthaufen verwandelt! — Zum Wiederaufbauder Kirche, welcher bald nach dem Kriege angefan-gen und sie 1770 den 6. August wieder eingeweihtwurde, gab der Kurfürst Friedlich August III.eine beträchtliche Summe. Außerdem gingen auchBeiträge aus allen protestantischen Ländern ein,weil es den Bau einer Kirche betraf, an deren PforteLuther am 31. Oktober 1517 seine 95 Sätze ge-gen die Mißbräuche des Papstthums, namentlichgegen den Ablaßkram (Papst Leo X. hatte der-selben noch 1516 einen überaus großen Ablaß be-willigt!) angeschlagen, in welcher er so oft gepredigtund durch seinen Feuereifer Alles für die Kirchen-verbesserung gewonnen hatte. Auch Katharina II.von Rußland schenkte als frühere Prinzessinn von An-Halt-Zerbst eine bedeutende Summe dazu. In der-selben haben ihre Ruhestätten Luther (5 1546)und Melanchthon (5 1560), die Urheber, —hier Friedlich der Weise (-j- 1525) und JohannFriedrich der Beständige (5 1532), die Be-schützer der Reformation; auf ihren 4 Gräbern lie-gen metallene Platten mit Inschriften. Die lebens-großen Statuen beider Kurfürsten im Kurschmucke,von Erz, Werke Peter und Hermann Wischersin Nürnberg, stehen in einer Wandnische; dieselbenauf Postamenten in knieender Stellung vor dem Al-tare von buntem Alabaster, bemalt und in Ritter-tracht, haben als Kunstwerke keinen Werth. Hin-ter dem Altare erblickt man noch die Statuen Ru-dolfs I. und 2 Gemahlinnen desselben. Diese undeinige andere ehrwürdige Denkmäler waren bei je-nem Bombardement unversehrt geblieben. Bei derBelagerung von 1813 litt die neue Schloßkircheauch wieder viel, indem die Franzosen eine Roß-mühle darin anlegten, und verlor auch ihr herrlichesGeläute, durch den Brand und Einsturz des nörd-lichen Thurmes, welchen eine Brandrakete der Be-lagerer verursachte. Nach dem Kriege ward sie je-doch, auf königliche Kosten, bis zum Reformations-Iubelfeste 1817 wieder hergestellt und neu verziert.Das an die Schloßkirche stoßende, ehemaligeSchloß, seit 1819 in eine Citadelle mit bom-benfester Bedachung verwandelt, enthält mit demfrüheren Amthause vereint, 1 Kaserne, 1 Lazarett)
und die Kommandantur. Auf der Stelle der al-ten herzoglichen Burg, welche schon seit 1180 stand,ließ es Friedrich der Weise von 1499 — 1518von Grund aus erbauen und gab ihm die bis zumBombardement von 1813 vorhandenen rundenThürme mit schön verzierten gothischen Spitzen.Letztere ließ jedoch Johann Friedrich 1546 abtra-gen, und andre, 1558 an ihre Stelle gesetzte wur-den mit dem Schlosse selbst, durch das Bombar-dement von 1760, zerstört. Nur die beiden Thürmemit den Hauptmauern waren fast unverletzt stehengeblieben. Nachher wurden einige Zimmer zu denHofgerichtsversammlungen, die übrigen zu Getreide»und Salzniederlagen eingerichtet. In einem Ge-wölbe, welches an den nördlichen Thurm stieß, warvon 1554 bis 1802 das Gesammtarchiv der säch-sischen Linien. Hierauf wurden die Gewölbe derUniversität überlassen. In demselben Thurmgebäudebefand sich das museuin aimtomicum, welches Fried-rich August II. durch Ankauf einer Sammlungruyschischer Präparate für 20,000 Gülden gründete.Unter vielen Seltenheiten zeigte man hier auch denMagen des berüchtigten Kahle, den man, seinerunnatürlichenFreßlust wegen, Freß-Kahle nannte.Er war Kohl-Gärtner bei Wittenberg seit 1723, undkonnte nicht nur gewöhnliche Nahrungsmittel inungeheuern Portionen (8 Schock Pflaumen mit denKernen, einen ganzen Schöps :c„ sondern auch Glas,Steine, Schüsseln, Teller, lebendige Vögel undMäuse :c. verzehren. Dabei besaß er auch eine au-ßerordentliche Stärke. Er trug z. B. den größtenAmboß und 4 Bauern zugleich vom Dorfe Prataubis Wittenberg (^ St.), zog mit den Zähnen alleNägel aus einem beschlagenen Rade, u. dergl. m.Erst im 60. Jahre verließen ihn die Freßlustund Kräfte, er lebte aber doch noch bis zum 79. Jahre.Das Rathhaus am Markte, in Urkundenschon 1317 erwähnt, ward in seiner gegenwärtigenGestalt, mit Portale und Altan, den Nadlergewöl»den und dem Rathskeller :c., 1571 vom KurfürstenAugust neu gebauet und 1769 vor der HuldigungFriedrich Augusts III. erneuert. In der Ses-sionsstube hängen Luthers und MelanchthonsBildnisse, wie auch Allegorien auf die 10 Gebotevon dem älteren Kranach gemalt.
Dem Rathhause gegenüber steht, durch diekönigliche Fürsorge Friedrich Wilhelms III.,seit 1821 auf dem ansehnlichen Marktplätze Lu-thers Denkmal vonSchadow. Es besteht ausdem Fußgestelle, einem unweit Chorin bei Freien-walde gegrabenen, 1200 Zentner schweren Gcanit-blocke von röthlicher Farbe und seltner Schönheit,worauf sich Luthers wohlgetrosfnes, kolossales Stand-bild von Bronze, 75 Zentner schwer, unter einemgothischen Dache (Baldachin) von Gußeisen befin-det, welches mit den Inschriften 90 Zentner wiegt.Diese Inschriften an dem Fußgestelle, welches derOberbau-Direktor Trieft besorgte, sind höchst sinn-reich gewählt und bezeichnen, die erste an der Vor-derseite: „Glaubet an das Evangelium", Lu-thers erstes Auftreten als Verkündiger des reinenWortes; die zweite links: „Ist's Gottes Werk,so wird's besteh«; ist's Menschenwerk,wird's untergehn", sein entscheidendes Bekennt-niß, welches er in Worms 1521 ablegte; die drittean der rechien Seite: „Eine feste Burg ist un-ser Gott", ihn als deutschen Liederdichter und die